Do., 05.04.2018

Junge wird auf den Namen Franz Joseph Stukenbrok getauft Säugling vor 200 Jahren ausgesetzt 

Vor 200 Jahren taufte Pfarrer Joseph Rust in der St.-Johannes-Kirche das Findelkind auf den Namen Franz Joseph Stukenbrok.

Vor 200 Jahren taufte Pfarrer Joseph Rust in der St.-Johannes-Kirche das Findelkind auf den Namen Franz Joseph Stukenbrok. Foto: Matthias Kleemann

Von Karl-Heinz Artmann

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Am 5. April vor 200 Jahren wurde in Stukenbrock ein Kleinkind ausgesetzt und abends um 21 Uhr gefunden.

Der damalige Pfarrer Joseph Rust schrieb in das Taufbuch folgende Sätze über diesen Vorfall: »Franz Joseph. Dieses Kind wurde am 5. 4. 1818, an welchem das Fest des heiligen Joseph gefeiert wurde, abends 9 Uhr unter den Fenstern des Ferdinand Stallbories v. (vulgo) – genannt Foertmann, gefunden, schien 4 bis 5 Monath alt, und weil man von dessen Taufe nichts wissen konnte, so wurde es den folgenden Tag 6. April von mir J. Rust bedingungsweise getauft. Die Unterhaltung wird wohl auf die Gemeinde fallen, es mag also heißen Franz Joseph Stukenbrok (ohne ck). Pate war Franz Joseph Gauksterdt, custos (Kirchenküster).« So steht es im Band 3 auf Seite 6 unter der Nr. 17.

Einige Erklärungen dazu: Das Kind bekam den Vornamen des Paten Franz Joseph, das war damals so üblich. Zufällig wurde an dem Tage, als das Kind gefunden wurde, das Hochfest das heiligen Joseph gefeiert, das damals ein gebotener Feiertag war. Dieses Fest wird normalerweise am 19. März begangen. Weil aber im Jahre 1818 das Osterfest auf den absolut frühesten Termin fiel (22.3.), den es seitdem nicht mehr gab und in den nächsten 200 Jahren auch nicht mehr geben wird, so konnte das Fest nicht am 19.3. gefeiert werden, denn an dem Tage war Gründonnerstag. Somit musste das Fest verschoben und nachgefeiert werden.

Es ist für uns heute ungewöhnlich, dass es auf den zweiten Sonntag nach Ostern verschoben wird. Die Erklärung ist einfach: Wegen der enorm vielen Feiertage, die es damals gab, hat man das Fest auf einen Sonntag verlegt, weil dann die Bewohner des Dorfes sowieso zur Kirche gingen. An Wochentagen hatten viele Landwirte wegen der Feldarbeiten keine Zeit, noch zusätzlich den weiten Fußweg zur Kirche zu gehen.

Niemand weiß was aus dem Kinde wurde

Manch einer fragt sich nun, was aus dem Kinde wurde. Niemand weiß, in welcher Familie es aufgewachsen ist, ob es überhaupt hier im Ort blieb und was aus dem Kinde später wurde. Seine Hochzeit und sein Tod stehen nicht in den Stukenbrocker Büchern. Es ist möglich, dass es in einem Waisenhaus (wenn es eins gab) aufwuchs oder später den Ort verließ. Das Findelkind kann nicht von einer Stukenbrocker Mutter stammen, denn der Pastor Rust kannte alle seine etwa 20 Kinder, die er im letzten halben Jahr getauft hatte, und es würde sofort auffallen, wenn in einem Hause ein Säugling fehlen würde.

Der Pastor gab dem Kinde den Familiennamen Stukenbrok. Noch heute gibt es den Namen Stukenbrock in Deutschland mehr als 100-mal (mit ck) und ebenso oft kann man den Namen Stukenbrok (nur k) im Telefonbuch finden, zum größten Teil in Westfalen. Das könnten Nachkommen von diesem Findelkind sein, das man in Stukenbrock fand. Wer weiß?

Anmerkung des Autors: Am 5.4. geht die Sonne um 20.02 Uhr unter, es war also abends um 9 Uhr schon dunkel, als das Kind gefunden wurde. Ich habe versucht herauszufinden, wo das Kind geblieben ist. Das ist sehr schwer. Es soll ein Fahrradgeschäft mit dem Namen Stukenbrok östlich der Weser geben in einer Stadt, die mir genannt wurde. An eine Frau in der Nähe des Ortes habe ich geschrieben und wollte Näheres wissen. Aber niemand konnte etwas dazu beitragen, wo der Junge geblieben ist, der vor 200 Jahren als Findelkind in Stukenbrock gefunden wurde. Er ist hier weder gefirmt, noch hat er hier geheiratet und ist auch hier nicht gestorben. Die Mutter könnte auch das Kind zurückgeholt haben. Ob das Kind dann den Namen Stukenbrok behielt? Es wird nichts mehr von ihm im Kirchenbuch berichtet.

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