Mi., 23.05.2018

Mehrere versuchte Giftmorde in Armaturenfabrik? »Ein verbitterter Mensch«

Das von Albert Richter gegründete Unternehmen Ari in Schloß Holte-Stukenbrock stellt seit mehr als 60 Jahren Armaturen zum Regeln und Absperren von Gasen und Flüssigkeiten her, die zum Beispiel im Schiffsbau benötigt werden.

Das von Albert Richter gegründete Unternehmen Ari in Schloß Holte-Stukenbrock stellt seit mehr als 60 Jahren Armaturen zum Regeln und Absperren von Gasen und Flüssigkeiten her, die zum Beispiel im Schiffsbau benötigt werden. Foto: Wotke

Von Wolfgang Wotke

Bielefeld (WB). Ein Einfamilienhaus im Süden Bielefelds, im Garten Spielgeräte für die Kinder. Hier lebte Klaus O. (56), der seit Donnerstag wegen versuchten Mordes in U-Haft sitzt. Er soll das Pausenbrot eines Kollegen in der Armaturenfabrik Ari in Schloss Holte-Stukenbrock vergiftet haben – und ist vielleicht für weitere Anschläge verantwortlich.

Seit mehr als einem Jahr liegt Nick N. jetzt schon im Koma. Eine Quecksilbervergiftung hat ihn vor zwei Jahren so krank gemacht. Nun prüft die Mordkommission, ob der fast 30-jährige Mitarbeiter der Armaturenfabrik ebenfalls Opfer eines Giftanschlags geworden ist.

Weder die Polizei noch Arbeitsschutzexperten der Bezirksregierung Detmold hatten seinerzeit die Ursache der Quecksilbervergiftung ermitteln können. »Vor wenigen Tagen haben wir dann erfahren, was passiert sein könnte«, sagte seine Mutter dem WESTFALEN-BLATT.

Plötzliches Nierenversagen

Nachdem am vergangenen Mittwoch Werkzeugbauer Klaus O. verhaftet wurde, weil er mindestens zweimal versucht haben soll, einen 26-jährigen Kollegen mit einem vergifteten Pausenbrot zu töten, gibt es nun den Verdacht, dass dies kein Einzelfall war. Die zwölfköpfige Mordkommission geht aber nicht nur dem Quecksilberfall nach, sondern noch einem dritten, mysteriösen Ereignis: Bei einem weiteren Kollegen versagten vor einiger Zeit völlig unerwartet die Nieren, er ist jetzt Dialysepatient.

»Die Ermittlungen stehen erst am Anfang. Wir können im Moment nichts ausschließen«, erklärt Staatsanwalt Christoph Mackel. Fest steht, dass die erkrankten Männer in der gleichen Abteilung gearbeitet haben wie der Beschuldigte.

Fristlos gekündigt

»Wir haben ihm nach seiner Festnahme sofort fristlos gekündigt«, sagt Thomas Gössling (51), der kaufmännische Leiter von Ari. Klaus O. sei 38 Jahre lang im Werkzeugbau bei Ari beschäftigt gewesen.

Zum Fall des Mitarbeiters Nick N., der im Koma liegt, sagte Gössling, dass er sich nicht vorstellen könne, dass Nick N. an seinem Arbeitsplatz mit Quecksilber in Berührung gekommen sei. »Wir arbeiten mit diesem chemischen Element überhaupt nicht.«

Man habe den 30 Mitarbeitern, die mit Klaus O. zusammengearbeitet hätten, in Absprache mit der Polizei empfohlen, sich einer Blutuntersuchung zu unterziehen. »Wir haben schließlich auch eine Fürsorgepflicht gegenüber unseren Angestellten.« Ebenso seien alle Getränkeautomaten vorsorglich gespült und alle älteren Lebensmittel an den Arbeitsplätzen entsorgt worden.

Wer ist Klaus O.?

Was ist das für ein Mensch, der möglicherweise versucht, einen oder mehrere Kollegen zu vergiften? Klaus O. wohnt seit fünf Jahren in dem Einfamilienhaus in Bielefeld-Senne.

Der Familienvater sei ein Einzelgänger, erzählen die Nachbarn. Jeden Tag sei er mit dem Rad zur Arbeit gefahren. »Freunde hatte der nicht, der hat sich mit seiner Familie abgesondert«, sagt eine ältere Frau, die gegenüber wohnt. Wenn das jährliche Straßenfest in der Siedlung stattfinde, sei er nicht dabei. »Der wollte keinen Kontakt.«

Eine andere Nachbarin erregt immer noch ein Vorfall von vor einigen Monaten: »Ich hatte ihn gebeten, endlich seine Hecke zu schneiden, die wüst und wild aussah. Er hat mich daraufhin beschimpft und bedroht.« Am nächsten Tag habe sie Nägel in ihrem Garten gefunden. »Es ist nicht gerade angenehm, neben so einem verbitterten Menschen zu leben.« Sie habe nach dem Vorfall lange Zeit kaum noch schlafen können, so sehr habe sie das mitgenommen.

Das Hauptaugenmerk der Ermittlungen der Mordkommission liege nun auf der Aufklärung möglicher weiterer Vergiftungsfälle, teilt die Polizei mit. Das werde aber einige Zeit in Anspruch nehmen.

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