Sa., 29.09.2018

Zur Tagung sind nach Anmeldung auch interessierte Laien willkommen Historiker erforschen das Sozialwerk

Ulrike Pastoor, Wolfgang Günther und Oliver Nickel (von links) in der evangelischen Lagerkirche, die 1948 aus Holzbarackenteilen erbaut und 2012/13 saniert worden ist. Sie stammt aus der Zeit, als Vertriebene im Sozialwerk Stukenbrock aufgenommen wurden.

Ulrike Pastoor, Wolfgang Günther und Oliver Nickel (von links) in der evangelischen Lagerkirche, die 1948 aus Holzbarackenteilen erbaut und 2012/13 saniert worden ist. Sie stammt aus der Zeit, als Vertriebene im Sozialwerk Stukenbrock aufgenommen wurden. Foto: Monika Schönfeld

Von Monika Schönfeld

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Es war eine Stadt in der Stadt. Von 1948 bis weit in die 1970er-Jahre lebten im Sozialwerk Stukenbrock insgesamt etwa 200.000 Menschen. Historiker arbeiten jetzt die Geschichte auf, Interessierte können nächste Woche teilnehmen.

Die Plakette an der Evangelischen Kirche. Foto: Schönfeld

Das »Sozialwerk Stukenbrock« war ein Flüchtlingslager, in dem anfangs Menschen aufgenommen wurden, die im Krieg nach Dänemark geflüchtet waren, dann kamen die Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten, später DDR-Flüchtlinge, dann die Russlanddeutschen. Krankenhaus, Schule, Ladenzeile, Kino, Friseur, Zahnarzt und Apotheke, evangelische und katholische Kirche wurden auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Stalag 326 gebaut. Das vom Land Nordrhein-Westfalen zusammen mit mehreren Wohlfahrtsverbänden betriebene Lager bot ab 1948 zeitweise bis zu 2000 Personen gleichzeitig eine vorübergehende Unterkunft. Dabei handelte es sich anfangs vor allem um Kranke, Mütter mit Kindern, Alte oder Jugendliche ohne Familien.

Nachkriegsgeschichte

Die Gedenkstätte Stalag 326 hat den Auftrag, die Nachkriegsgeschichte des Geländes zu beleuchten. Wolfgang Günther, Leiter des Landeskirchlichen Archiv Bielefeld, hat bereits eine Arbeitsgruppe Sozialwerk, in der Archivare, Wissenschaftler und Zeitzeugen Material zusammentragen. Gemeinsam bieten sie die Tagung an.

Besucher können sich an der Tafel informieren. Foto: Schönfeld

Noch gebe es wenige historische Informationen über das unter anderem vom Evangelischen Johanneswerk, der Caritas, der Arbeiterwohlfahrt und dem Deutschen Roten Kreuz betriebene Sozialwerk, sagt Günther. Bei einer Tagung am Freitag und Samstag, 5. und 6. Oktober, werde der bisherige Forschungsstand vorgestellt. Ausstellungskonzepte vergleichbarer Gedenkstätten werden dargestellt.

Oliver Nickel, Geschäftsführer der Gedenkstätte, und wissenschaftliche Mitarbeitern Ulrike Pastoor verstehen die Tagung als Forum des Austausches. Eingeladen sind Vereine, die sich für das Thema interessieren, aber auch Einzelne, die die Führung über das Gelände mitmachen wollen. Anmeldung unter der Telefonnummer 05257/3033.

Besucher willkommen

Auch der damals oft noch konfliktträchtige Umgang von evangelischen und katholischen Christen miteinander solle erforscht werden. Für die Protestanten habe es eine Schule im Lager gegeben, während die katholischen Kinder in der Forellschule unterrichtet worden seien.

Wolfgang Günther, Ulrike Pastoor und Oliver Nickel (von links) haben die Tagung vorbereitet. Hier stehen sie vor der Lagerkirche. Foto: Schönfeld

Hintergrund der Tagung ist die vom NRW-Landtag beschlossene Weiterentwicklung der Gedenkstätte entsprechend »ihrer nationalen und internationalen Bedeutung«. Die Schirmherrschaft hat Landtagspräsident André Kuper.

Seit 1997 erinnert die Dokumentationsstätte an das Stalag 326. Im Rahmen ihrer Neukonzeption solle nun auch die Nachkriegsgeschichte des Geländes aufgearbeitet werden. Bevor das Land NRW hier Vertriebene unterbringen ließ, waren 1946 und 1947 nationalsozialistische Kriegsverbrecher in Stukenbrock interniert.

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