Teilnehmer des Sozialwerk-Symposiums besichtigen das Gelände
Wo sich Geschichte überschneidet

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Zum Auftakt gab’s reichlich Input: Die Teilnehmer des Symposiums über das Sozialwerk Stukenbrock erkundeten während einer guten Stunde das Gelände der heutigen Polizeischule.

Samstag, 06.10.2018, 10:45 Uhr aktualisiert: 07.10.2018, 10:48 Uhr
Der Historiker Jens Hecker mit Teilnehmern des Symposiums in der ehemaligen Entlausungsstation. Hier sei jeder Stalag-Häftling einmal gewesen. Für die Flüchtlinge, die im späteren Sozialwerk lebten, war es der Duschraum, erzählt Klaus Streck (3. von links). Foto: Matthias Kleemann
Der Historiker Jens Hecker mit Teilnehmern des Symposiums in der ehemaligen Entlausungsstation. Hier sei jeder Stalag-Häftling einmal gewesen. Für die Flüchtlinge, die im späteren Sozialwerk lebten, war es der Duschraum, erzählt Klaus Streck (3. von links). Foto: Matthias Kleemann

An dem Ort überschneidet sich die Geschichte der Einrichtungen, die es dort gegeben hat. Beispiel Entlausungsstation: Es war der Ort, den wahrscheinlich jeder Kriegsgefangene des Stalag einmal gesehen hat. Verblasste Inschriften an einer Wand stammen noch aus dieser Zeit. »Ein wichtiger Ort«, sagt der Historiker Jens Hecker, der mit dem Konzept der neuen Stalag-Ausstellung befasst ist. »Wir zeigen ihn allen Angehörigen.«

»Es war unser Duschraum«, sagt Klaus Streck. Als DDR-Flüchtling ist Streck 1949 ins Lager gekommen, als es schon das Sozialwerk war. Streck hat hier lange gelebt, sein Vater hat in der Lager-Verwaltung gearbeitet.

Spuren des Sozialwerks

Streck leitet beim Gang über das Gelände eine von zwei Gruppen aus Symposiums-Teilnehmern. Er kennt jeden Fleck und hat Fotos, die zeigen, wie es hier früher ausgesehen hat. Dabei zeigt sich, dass es mehr Spuren des Sozialwerks gibt, als man zunächst denkt.

Streck erzählt vor der Kulturbaracke, die ebenfalls zum Gebäudekomplex der Entlausungsstation gehört. Zweimal wöchentlich gab es dort Kinovorstellungen, außerdem Theater, Puppenspiele, Konzerte. »Das war immer ausverkauft. Wenn man die Besucherzahl hochrechnet, kommt man auf 40.000.«

Später gab es ein eigenes Kinogebäude, das auf rund 60.000 Besucher pro Jahr kam. Ende der 50er-Jahre wurden mehrere moderne Gebäude hochgezogen. Streck zeigt der Teilnehmergruppe Fotos vom Einkaufszentrum, 1959 errichtet, das nicht nur von den Bewohnern des Sozialwerks genutzt wurde. Flache Baracken, die jetzt noch stehen, wurden 1957 gebaut. Hier konnte man autonom leben, weil die Bewohner eigene Kochstellen hatten.

Aus dem Erinnerungsschatten herausholen

Gedenkstättenleiter Oliver Nickel erinnerte in seiner Begrüßung an eine Formulierung des ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck, die dieser während seines Besuchs verwendet hatte, als er von einem »Erinnerungsschatten« gesprochen hatte. Aus diesem Erinnerungsschatten müsse das Sozialwerk herausgeholt werden, um es zu einem wesentlichen Bestandteil der Ausstellung zu machen. Das Kriegsgefangenenlager Stalag 326 spiele jedoch die übergeordnete Rolle.

Genauso wie Nickel betonte Schirmherr und Landtagspräsident André Kuper, dass Flucht und Vertreibung eine Folge des Krieges, die Geschichte des Sozialwerks damit unauflöslich mit der Geschichte des Stalag verbunden sei. »Dies ist ein authentischer Ort.«

Michael Frücht, Direktor des Landesamtes für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten (LAFP) begrüßte die Teilnehmer als Hausherr. Freiheit und Demokratie müssten immer wieder erkämpft und verteidigt werden. »Nichts besseres als historisches Wissen schützt vor Populismus.«

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