Vorsitzende des Schafzuchtverbandes NRW setzt auf Abschreckung
Es ist eine Wölfin, die sich am Furlbach herumtreibt

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). »Der Wolf und die Schafzüchter – das wird keine große Liebe.« Das sagt Ortrun Humpert, Vorsitzende des Schafzuchtverbandes NRW aus Marienmünster. Jetzt, wo der Wolf in der Senne nachgewiesen ist, gelte es, ihm nicht einen gedeckten Tisch zu präsentieren. »Tierhalter müssen ihre Hausaufgaben machen.«

Samstag, 06.10.2018, 06:00 Uhr
Die Wölfin in der Senne hat die Kennung GW1044f (German Wulf, Nummer 1044, female/weiblich). Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz bestätigt, dass Damwild von der Wölfin gerissen wurde, zwei weitere Proben werden noch untersucht. Foto: dpa
Die Wölfin in der Senne hat die Kennung GW1044f (German Wulf, Nummer 1044, female/weiblich). Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz bestätigt, dass Damwild von der Wölfin gerissen wurde, zwei weitere Proben werden noch untersucht. Foto: dpa
Ortrun Humpert, Vorsitzende des Schafzuchtverbandes NRW, setzt darauf, es dem Wolf nicht gemütlich zu machen.

Ortrun Humpert, Vorsitzende des Schafzuchtverbandes NRW, setzt darauf, es dem Wolf nicht gemütlich zu machen.

»Das Problem ist, dass die Leute alles gleichzeitig wollen: gepflegte Kulturlandschaft, den Wolf und niedliche Lämmer«, sagt Ortrun Humpert. Der Wolf gelte als Symbol für eine intakte Umwelt. »Fakt ist, dass der Wolf wiederkommt, weil er nicht geschossen wird.«

Sie sei keine Befürworterin der Jagd auf den Wolf. »In Niedersachsen hat ein Züchter die Bewaffnung der Schäfer gefordert. Er will auf alles schießen, was sich seiner Herde auf 300 Meter nähert. Das ist natürlich Quatsch. In den Händen solcher Leute will ich kein Gewehr sehen.« Das Problem heute sei, dass die Entschädigung nach einem Wolfsriss nicht ausreichend sei. »Ein totes Schaf ist nur so viel wert wie ein Viertel lebendiges Schaf.« Völlig ungeklärt sei die Haftung. »Stellen Sie sich vor, der Wolf treibt die Herde auf die Autobahn 2 und verursacht dort Unfälle. Wie soll ich nachweisen, dass der Wolf verantwortlich ist?«

Das ist der Hetztrieb des Wolfes, sein Instinkt. Dafür kann er nichts.

Ortrun Humpert

Ein Wolfsgebiet wird ausgewiesen, wenn das Tier dort sechs Monate »ungehindert gefressen hat«. Ortrun Humpert sagt, dass es nichts bringe, wenn man dem Wolf jede Woche ein totes Schaf an den Zaun hängt. »Das funktioniert nicht. Schafe laufen weg. Und solange eins rennt, denkt der Wolf, er hätte noch keines erlegt. Das ist der Hetztrieb des Wolfes, sein Instinkt. Dafür kann er nichts.«

In der Senne ist der Tisch gedeckt. Extensive Tierhaltung, wertvolle Biotope. »Dort würde ich mich als Wolf auch ansiedeln. Der Wolf denkt energiesparend.« Also warum sollte er einem Reh oder einer Maus hinterherjagen, wenn die Schafe auf dem Präsentierteller serviert werden?

Chance für NRW

Ortrun Humpert sagt, dass Elektrozäune den Wolf abhalten. Wo die nicht zu installieren sind, setzt sie auf Herdenschutzhunde, die bei der Herde leben. »Beispiele gibt es am Deich, auf Almen und in Mooren.« Züchter dürften nicht erst aktiv werden, wenn der Wolf vor der Tür steht. Sie müssten schnell Löcher im Zaun stopfen und die Hürden für den Wolf erhöhen. »Wölfe müssen lernen, dass sie nicht auf die Weiden gehören.«

NRW habe die Chance, aus den Fehlern anderer Bundesländer zu lernen und sie nicht noch einmal zu machen. Dazu gehöre, die geschädigten Tierhalter zu 100 Prozent zu entschädigen. Eingerechnet werden müsse der Ausgleich für die Arbeit, die der Wolf mache.

Ein Kommentar von Monika Schönfeld

Selten spaltet ein Thema so wie der Wolf. Naturparkführer Otmar Lüke freut sich, dass der Wolf in die Senne gefunden hat. Er bietet schon seit einiger Zeit Wolfsführungen an, auch wenn niemand bei einer Gruppenführung je einen Wolf in der freien Wildbahn sehen wird.

Nicht von der Hand zu weisen ist, dass die Sennelandschaft gerade von den Schafherden zu dem gemacht worden ist, was sie ausmacht, wie Josef Broeker sagt, Obmann des Hegerings. Dass der Wolf diese Landschaftspfleger zu Tode hetzt, ist nicht gut.

Viele Bürger sehen ein Pro und Contra. Über den Waschbären verliert man nicht viele Worte. Ein possierliches Tierchen, aber extrem lästig, wenn es in die Siedlungen kommt. Anders der Wolf. Er ist Hauptdarsteller vieler Mythologien, Sagen und Märchen. Einerseits verehrt der Mensch ihn als starkes und überlegenes Tier, zum anderen projiziert er auf das vermeintlich aggressive Tier Ängste. Der Wolf zeigt bei der Jagd Ausdauer und Geschick und wird dafür bewundert. Nach ihm sind Sternbilder in verschiedenen Kulturen benannt. Die Wölfin säugt die Gründer der Stadt Rom, die Zwillinge Romulus und Remus.

Beschützer und Bedrohung: Der Werwolfmythos, also die Verwandlung eines Menschen unter dämonischem Einfluss in einen Wolf, war schon in der griechischen Antike verbreitet. Und dann waren da noch die Brüder Grimm, die das mündlich überlieferte Märchen »Rotkäppchen und der böse Wolf« aufgeschrieben haben.

Der Wolf lässt sich wohl dort nieder, wo er bequem etwas zu fressen findet. Einsame Gegenden wie Truppenübungsplätze scheint er zu mögen, auch wenn’s dort manchmal knallt. Selbstverständlich bleibt er nicht dort, denn menschliche Grenzen haben für ihn keine Bedeutung. Jetzt ist die spannende Frage, ob GW1044f auf der Durchreise ist oder sich hier ansiedeln möchte. Soll sie. In der Verantwortung der Menschen liegt es, die Folgen abzupuffern, auch die leidige Frage nach der Höhe der Entschädigung und der Verantwortung zufriedenstellend zu klären.

 

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