Fr., 12.10.2018

Papst-Biografie im Kino erlangt unerwartete Aktualität »Fehltritt, der Frauen beleidigt«

Papst Franziskus mit dem Regisseur Wim Wenders. Die Darstellung des Papstes in der Dokumentation »Ein Mann seines Wortes« sei »zugewandt offen«, sagt Dr. Carsten Glatt.

Papst Franziskus mit dem Regisseur Wim Wenders. Die Darstellung des Papstes in der Dokumentation »Ein Mann seines Wortes« sei »zugewandt offen«, sagt Dr. Carsten Glatt. Foto: dpa

Von Monika Schönfeld

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). »Ob man glaubt oder nicht, ob katholisch oder nicht – der Papst gehört zu den fünf wichtigsten Menschen der Welt.« Das war der Grund für den evangelischen Pfarrer Dr. Carsten Glatt, den Rhythmus-Kinoverein um eine Sondervorstellung der Papst-Dokumentation »Ein Mann seines Wortes« zu bitten.

Dr. Carsten Glatt.

Dem Publikum stellten sich Carsten Glatt und der katholische Pastor Dieter Osthus nach dem Film zur Diskussion. 75 Zuschauer waren am Mittwoch in die Aula der Realschule gekommen. Zeitgleich hat Papst Franziskus Kritik auf sich gezogen, als er während einer Generalaudienz Abtreibung mit einem Auftragsmord gleichgesetzt und damit die Kritik der katholischen Frauenverbände auf sich gezogen hat, die Schwangerschaftskonfliktberatung anbieten. Dieter Osthus bezeichnet dies als »Fehltritt des Papstes, der die Frauen beleidigt. Das geht natürlich nicht und das kann man auch nicht entschuldigen.« Osthus kann aber verstehen, wie der Papst dazu gekommen ist, so etwas zu sagen. »Da spricht der Lateinamerikaner. Für Franziskus ist der Einsatz für das Leben das Höchste. Er tritt in äußerster Entschiedenheit dafür ein.«

Dieter Osthus.

Bei Carsten Glatt hinterlässt die jüngste Papstäußerung ein großes Fragezeichen. »Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Das ist nicht der evangelische Standpunkt, den Reinhard Bogdan und ich vertreten. In den evangelischen Freikirchen findet der Papst aber Zustimmung zu dieser Aussage.« In der Abtreibungsfrage gebe es nur Verlierer, ein ewiges Dilemma. »Aber wenn Menschen von außen etwas beurteilen, wird es krumm. Wer selbst betroffen ist, verändert sein Denken. Es ist für die Frauen und für die Ärzte eine Belastung, die geschworen haben, Menschenleben zu retten.«

Vom »Papst vom anderen Ende der Welt« seien Denkanstöße und Paradigmenwechsel ausgegangen. »Die Leute verstehen ihn, er spricht ihre Sprache«, sagt Osthus. Das sieht Glatt genauso. »Endlich einer, der Dinge anspricht.« Ihn beeindrucken die zeichenhaften Handlungen, die Fußwaschung Gefangener am Gründonnerstag, der Besuch der Flüchtlingslager auf Lampedusa, sein Auftreten im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz und an der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Im Vatikan und in der deutschen Kurie seien aber viele, die das nicht gut finden. Deshalb sei das unklare Vorgehen in den Missbrauchsfällen ein Rückschritt. Osthus: »Das ist die Fratze der Kirche.«

Wenn man so will, war die Filmvorführung eine ökumenische Aktion. Davon gebe es wenige, sagen Osthus und Glatt. »Jeder hat mit sich zu tun«, meint Glatt. Osthus: »Ökumene kommt als Herausforderung nicht mehr vor, wenn die Kirchen an sich keinen großen Zuspruch mehr haben.«

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