Fr., 16.11.2018

Der Ehrenfriedhof wird schon 1958 in einer sowjetischen Zeitung erwähnt »Im kleinen Dorf Forellkrug«

Die Zeitung »Roter Stern berichtet schon im Jahr 1958 über den Friedhof.

Die Zeitung »Roter Stern berichtet schon im Jahr 1958 über den Friedhof.

Von Matthias Kleemann

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Die Zahl der möglichen Exponate für die neue Ausstellung in der Stalag-Gedenkstätte wächst. Heimatforscher Günter Potthoff bekommt regelmäßig von Bürgern Fundstücke, die im Keller oder auf dem Dachboden nach langer Zeit wieder auftauchen.

Darunter war jetzt auch ein Exemplar der russischen Zeitung Krasnaja Svesda (»Roter Stern«) aus dem Jahr 1958. In dieser 60 Jahre alten Ausgabe wird sehr ausführlich über den Sowjetischen Ehrenfriedhof in Stukenbrock-Senne berichtet: Über den Bau des Obelisken und darüber, dass der Friedhof von den deutschen Institutionen gepflegt wird.

Die allermeisten Fakten in diesem Artikel, der augenscheinlich von einem L Krupenin verfasst worden ist, sind bekannt, Potthoff hat jedoch auch einige Bemerkungen gefunden, die für ihn neu sind. Leider könne man den Wahrheitsgehalt wohl nicht mehr prüfen, so Potthoff, trotzdem könnte der Bericht ein weiteres Mosaiksteinchen für die Forschung über das Stalag sein. 

Wollten die Faschisten die Gräber umpflügen?

Als erstes fällt da die Behauptung auf, die Faschisten hätten angesichts der nahenden Befreiungstruppen vorgehabt, die Gräber umzupflügen, um die Spuren ihrer Verbrechen zu verwischen. »So habe ich das bislang noch nicht gehört«, sagt Potthoff. In den Unterlagen aus der Stalagzeit sei darauf nirgendwo ein Hinweis zu finden.

Krupenin schreibt: »Wir können so nicht wegfahren, beschlossen die ehemaligen Gefangenen. Wir errichteten den Kameraden ein Denkmal. Möge es ewig die Menschen daran erinnern, was Faschismus ist.« Er berichtet weiter, dass der Soldat und Künstler Aleksander Mordanj Skizzen für das Denkmal angefertigt hat. Er erwähnt außerdem den Ingenieur Viktor Choperskij, einen Kapitän Smirnow und den Schlosser Schlosser Pavel Blotzkij.

Choperskij gilt als Leiter der Bauarbeiten. Hier kommt eine zweite interessante Behauptung, nämlich über die Beschaffung des Baumaterials: »Zusammen mit seinen Gehilfen fuhr er (Choperskij) unermüdlich durch die leeren, durch die Bombardierungen fast ausgestorbenen Städte, suchte Marmor, Granit, bunte Kacheln, Fliesen.«

Bekannt ist, dass die Erbauer viel Material recycelt haben, aber dass sie so weit dafür gefahren sein sollen, sei ebenfalls neu, meint Potthoff.

Emotionaler Bericht von der Einweihung

Der Bericht von der Einweihung gerät sehr emotional: »Mehr als 40.000 (?) Menschen verschiedener Nationalitäten weilten auf dieser geheiligten Erde. Auf die Granitplatten legten sie einfache, bescheidene Kränze. Nur Zweige, die mit Bindfaden umwickelt waren. Zarte Triebe der Birke, mit einem blauen Band aus einem Mädchenzopf umwickelt. Eine alte Frau stellte eine kleine Flasche mit Regenwasser auf, in der eine weiße Kamelie war.«

Der Artikel schließt mit dem Bericht vom Besuch einer Jugenddelegation aus Westdeutschland in Moskau. Einer der Jugendlichen wird zitiert: »Ich kenne diesen Friedhof. Ich wohne in der Nähe, komme jeden Tag vorbei. Für den Friedhof sorgt das ganze Dorf Stukenbrock. Denkmal, Umzäunung, Tafeln – alles wird erhalten.«

Ein versöhnlicher Schluss, der offenbar schon sehr früh viele Angehörige der Kriegstoten trösten sollte.

Am Rande noch eine Kuriosität. Der Ort des Gefangenenlagers heißt in dem Zeitungsartikel Forellkrug. »Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Gaststätte bekannter war als der Name Stukenbrock-Senne«, sagt Günter Potthoff. Im Forellkrug seien immer die Offiziere abgestiegen.

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