Pausenbrot-Prozess: Wasserprobe wies extrem hohen Bleigehalt auf
Auch den eigenen Brunnen vergiftet?

Bielefeld (WB). Hinter seiner bürgerlichen Fassade tun sich Abgründe auf: Im Prozess um die vergifteten Pausenbrote ist am Dienstag bekannt geworden , dass der Angeklagte Klaus O. (57) wohl auch seinen eigenen Brunnen im Garten mit Blei vergiftet hat. Der Staatsanwalt sieht jetzt nicht nur den Vorwurf des versuchten Mordes erfüllt, sondern auch noch den Verdacht der »gemeingefährliche Vergiftung«.

Mittwoch, 28.11.2018, 07:00 Uhr aktualisiert: 28.11.2018, 08:38 Uhr
Klaus O. (57) aus Bielefeld soll auch das Wasser im Brunnen seines Gartens vergiftet haben. Foto: Wolfgang Wotke
Klaus O. (57) aus Bielefeld soll auch das Wasser im Brunnen seines Gartens vergiftet haben. Foto: Wolfgang Wotke

Als Polizisten nach der Festnahme des Familienvaters im Mai sein Haus in Bielefeld durchsuchten, fanden sie im Heizungskeller ein regelrechtes »Giftlabor« . Sie entdeckten ein Arsenal an hochtoxischen Stoffen, darunter Quecksilber, Blei und Kadmium, teilweise flüssig, abgefüllt in kleinen Fläschchen oder Reagenzgläsern, aber auch pulverisiert in Tütchen. In Regalen und Schränken stöberten die Fahnder etliche, chemische Fachbücher auf, darunter eines mit dem Titel »Methoden der organischen Chemie«. Das erklärten gestern drei Kripobeamte, die in die Ermittlungen eingebunden sind. Dann war da auch noch eine verschlossene Geldkassette, die nach dem Öffnen einen Zettel mit mysteriösen Koordinaten aus Österreich ans Licht beförderte. Man habe um Amtshilfe der österreichischen Kollegen gebeten, die an einer bestimmten Stelle gegraben hätten, berichtete ein Kripomann. »Ohne Ergebnis.«

Probe hatte Bleigehalt, der das 37,5-fache des Höchstwerts betrug

Nach der Auswertung des Computers von Klaus O. sei man auf eine E-Mail gestoßen, in der der jetzt Angeklagte bei einem deutschen Institut eine Analyse einer Wasserprobe seines Hausbrunnens angefordert hatte. Es sei festgestellt worden, dass die Probe einen Bleigehalt hatte, der das 37,5-fache des zulässigen Höchstwerts betrug. »Im August haben wir selber Bodenproben rund um den Brunnen genommen, um sie untersuchen zu lassen«, sagte Staatsanwalt Veit Walter. Auf die Analysen warte man noch. Die Ermittler vermuten, dass Klaus O. mit einer Auswertung erforschen wollte, wie sein Gift das Wasser verseucht.

»Da hat es bei mir klick gemacht«

Am Montag hatten zwei Opfer vor dem Landgericht Bielefeld berichtet, dass sie von ihrem milchig-trüben Mineralwasser getrunken hatten. Sie klagten über gesundheitliche Schäden.

Welche Geheimnisse verbirgt der Angeklagte? »Als wir ihn  damals erstmals bei seinem Arbeitgeber mit den Vorwürfen konfrontierten, hat er völlig emotionslos reagiert. Keine Angaben zur Sache und kein verteidigendes Wort«, erzählte eine 37-jährige Polizistin. Als man danach mit Klaus O. zu seinem Haus gefahren sei, habe sie den Eindruck gehabt, dass seine Ehefrau die Nähe zu ihm suchte. »Selbst da war er abweisend.« Ein anderer Beamter sagte aus, dass er im Schlafzimmer ein Buch über Quecksilber gefunden habe: »Da hat es bei mir klick gemacht, denn ich hatte bereits vor drei Jahren im Unternehmen in einem Vergiftungsfall ermittelt.« Das Opfer Nick. N. liegt seitdem im Koma. Der Prozess geht am 5. Dezember weiter.

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