Di., 18.12.2018

Bis 2020 soll Trägerschaft der Gedenkstätte neu geordnet sein – mit Kommentar »Stalag 326«: Geschäftsstelle beim LWL

Der Lenkungskreis mit (hinten von links) Andreas Neuwöhner, Gedenkstätten-Geschäftsführer Oliver Nickel, Hans Wupper-Tees und (vorn von links) LWL-Direktor Matthias Löb, Landtagspräsident André Kuper und Bürgermeister Hubert Erichlandwehr.

Der Lenkungskreis mit (hinten von links) Andreas Neuwöhner, Gedenkstätten-Geschäftsführer Oliver Nickel, Hans Wupper-Tees und (vorn von links) LWL-Direktor Matthias Löb, Landtagspräsident André Kuper und Bürgermeister Hubert Erichlandwehr. Foto: Monika Schönfeld

Von Monika Schönfeld

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Bis Sommer 2020 will die Lenkungs- und Steuerungsgruppe soweit sein, mit Hilfe des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) »Stalag 326 Stukenbrock-Senne« als nationale Gedenkstätte auszuweisen und die entsprechenden Anträge in trockenen Tüchern zu haben.

Der Steuerungs- und Lenkungskreis hat am Montag in Schloß Holte-Stukenbrock einstimmig beschlossen, dass der Landschaftsverband Westfalen-Lippe gemeinsam mit Kreis Gütersloh und Stadt Schloß Holte-Stukenbrock Träger der Gedenkstätte werden soll – in welcher Form steht aber noch nicht fest.

LWL-Direktor Matthias Löb sagte, in Münster werde eine Geschäftsstelle eingerichtet, die die anstehenden Themen koordiniert. »Der Landschaftsverband ist Träger von 18 Museen und hat mit dem Museumsamt und dem Institut für westfälische Regionalgeschichte das Know-how, wie Ausstellungen gemacht werden.«

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Wir werfen mit der Wurst nach der Speckseite.

LWL-Direktor Matthias Löb

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Das könne der Kommunalverband nicht aus Mitgliedsbeiträgen finanzieren, dafür werden Fördermittel benötigt. Die gebe es auch. »Wir werfen mit der Wurst nach der Speckseite«, sagt Löb. Es sei eine Unmenge an Vorarbeiten geleistet worden. »Wir werden uns eng mit den Mitarbeitern der Gedenkstätte, vor allem Oliver Nickel, abstimmen.«

Signal aus der Landrätekonferenz

André Kuper betont, dass der Lenkungskreis beim Landschaftsverband angefragt habe. Das sei ein Signal aus der Landrätekonferenz aus der Region gewesen. Während beim LWL in Münster die Geschäftsstelle geschaffen wird, werde die Hochschule OWL mit den Masterstudenten das räumliche Konzept für die Gedenkstätte »Stalag 326« erstellt haben (als Kriegsgefangenenlager und in der Folgenutzung als Internierungslager für NS-Verantwortliche und als Flüchtlingslager Sozialwerk Stukenbrock). Bis zum Sommer 2019 soll eine Machbarkeitsstudie vorliegen. Die Gedenkstätte auf dem Gelände der heutigen Polizeischule ist zurzeit nur nach Anmeldung zugänglich. Wunsch ist, einen unabhängigen Zugang zum Gelände zu schaffen.

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Wir planen sechs Workshops, um das wissenschaftliche Fundament zu stärken.

Andreas Neuwöhner

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Neben der organisatorischen Arbeit der Geschäftsstelle und der räumlichen Konzeption der Hochschule OWL müsse aber auch die Forschung weiterentwickelt werden, sagt Kuper. Diese Aufgabe fällt Andreas Neuwöhner zu, Vorstandsmitglied der Historischen Kommission für Westfalen beim Landschaftsverband. »Wir planen sechs Workshops, um das wissenschaftliche Fundament zu stärken. Beteiligt sind auch die Gedenkstätte Stalag 326, das Institut für Regionalgeschichte beim LWL, die LWL-Altertumskommission und das Historische Institut der Universität Paderborn.«

Alles zusammenführen

Es gelte, die Themen zusammenzuführen: Erinnerungskultur, Quellen in internationalen Archiven, Zeitzeugengespräche, bauliches Erbe aus der Zeit des Stalag, des Internierungslagers und des Sozialwerks, Krieg und Terror, das Verhältnis der Kriegsgefangenen und der deutschen Bevölkerung und vorhandene audiovisuelle Medien. Die räumliche Nähe zum Kreismuseum Wewelsburg (Kreis Paderborn) solle für die Zusammenarbeit genutzt werden.

André Kuper sagte nach der fünften Sitzung des Lenkungskreises, dass er es als motivierend empfindet, mit welcher Begeisterung alle Beteiligten dabei seien. »Die Aufgabe ist zeitintensiv, ich widme mich ihr mit Herz und Leidenschaft.«

Ein Kommentar von Monika Schönfeld

Endlich kommt die Gedenkstätte Stalag in eine Trägerstruktur, die zukunftsfähig ist. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe wäre als Partner ein starkes Pfund.

Seltsamerweise jubelt von den örtlichen Akteuren niemand. Stellungnahmen gibt es nicht, wohl aber ist eine Verunsicherung spürbar. Die Mitarbeiter fürchten um ihre Stellen. Offenbar ist nicht klar, ob sie über Jahresfrist hinaus bezahlt werden können.

Was ebenfalls verwundert, ist, dass von Zeitzeugengesprächen und internationalen Quellen die Rede ist – Arbeit, die längst getan wird. Hier muss der Lenkungskreis aufpassen, dass sich Wissenschaftler nicht mit den Federn derer schmücken, die bereits – leider unbeachtet – in der Gedenkstätte arbeiten. Seit Stalag »in« ist, greifen Leute danach, die sich vorher niemals damit abgegeben haben.

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