Do., 20.12.2018

Gedenkstätte Stalag: Mehr Aufgaben durch die Folgen von Krieg und Vertreibung Nicht ohne den Förderverein

Hans Wupper-Tewes, Oliver Nickel, André Kuper und Wolfgang Günther im September vor dem Entlausungshaus, das eventuell »ausgezäunt« und damit leichter zugänglich für Besucher gemacht werden könnte.

Hans Wupper-Tewes, Oliver Nickel, André Kuper und Wolfgang Günther im September vor dem Entlausungshaus, das eventuell »ausgezäunt« und damit leichter zugänglich für Besucher gemacht werden könnte. Foto: Monika Schönfeld

Von Monika Schönfeld

Schloß Holte-Stukenbrock(WB). Bürgermeister Hubert Erichlandwehr hat im Rat am Dienstag betont, dass der Förderverein Stalag 326 nicht ausgebootet, sondern in den Prozess zur nationalen Gedenkstätte eingebunden wird.

Er stellte dar, dass der Lenkungskreis unter Leitung des Landtagspräsidenten André Kuper am Montag keinen Beschluss gefasst habe, wie die künftige Trägerstruktur aussehen werde. »Ob sich die Stadt an einer Trägerschaft beteiligt, ob das eine Stiftung wird, das steht alles noch nicht fest. Das entscheidet die Politik.«

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Ob sich die Stadt an einer Trägerschaft beteiligt, ob das eine Stiftung wird, das steht alles noch nicht fest. Das entscheidet die Politik.

Bürgermeister Hubert Erichlandwehr

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Wie berichtet, haben Masterstudenten der Hochschule OWL den Auftrag übernommen, ein räumliches Konzept für die Gedenkstätte auszuarbeiten. Allerdings kostet das Geld und die Hochschule brauche einen offiziellen Auftraggeber. »Ich habe als Bürgermeister zugesagt, dass die Stadt als Auftraggeber auftreten wird«, so Erichlandwehr. Unklar sei aber, wer die Kosten trage. »Wie viel das Land, das Bauministerium übernehmen kann, wird sich erst Anfang nächsten Jahres entscheiden«, sagt Erichlandwehr.

Kein Neubau

Der Lenkungskreis habe einstimmig beschlossen, keinen Neubau am Ehrenfriedhof Sowjetischer Kriegtoter ins Auge zu fassen. Danach hatte Bruno Reinke (Grüne) gefragt. Der Reiz der Gedenkstätte Stalag und der Erinnerung an die Folgenutzung als Internierungslager und später dann als Flüchtlingslager liege im historischen Originalschauplatz, auf dem sich heute die Polizeischule befindet.

Als Bodendenkmal steht das komplette Gelände unter Schutz, zudem die Lagerstraße, das Arrestgebäude, in dem heute die Stalag-Ausstellung ist, das Entlausungsgebäude und die Evangelische Lagerkirche. Einen neuen Zugang ohne die Beschränkungen der Polizeischule könne sich auch die Polizei für das Entlausungshaus vorstellen.

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe werde die Geschäftsstelle einrichten, weil der Landtagspräsident diese Steuerungs- und Lenkungsarbeit nicht leisten könne.

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Externe Wissenschaftler müssen das zu ihrem Lieblingsprojekt machen, damit wir Zugang zur Bundesebene bekommen. Das geht nicht ohne den Förderverein. Es ist aber konfliktträchtig.

Landtagspräsident André Kuper

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Die Arbeit, die die Mitarbeiter der Gedenkstätte bisher geleistet haben und weiter leisten werden, sei für die Zukunft wichtig. Es müsse aber noch mehr Inhalt erzeugt werden. Wie es André Kuper formuliert: »Externe Wissenschaftler müssen das zu ihrem Lieblingsprojekt machen, damit wir Zugang zur Bundesebene bekommen. Das geht nicht ohne den Förderverein. Es ist aber konfliktträchtig.«

Politik lobt Gedenkstättenarbeit

Klaus Dirks (CDU) begrüßte im Rat am Dienstag die vom Bürgermeister geschilderte Entwicklung. »Die regionale Bedeutung und Beachtung war uns immer wichtig. Wenn nach einer neuen Struktur und Organisationsform gesucht wird, ist das keine Kritik an den Personen vor Ort. Ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen. Wir wollen die handelnden Personen, also die Mitarbeiter von heute mitnehmen, damit das ein gemeinsames Projekt wird.«

Martin Wildemann (CSB) sagte, es sei gut und richtig, dass der Landschaftsverband Westfalen-Lippe mit seiner Erfahrung in 18 Museen einsteige. »Die Frage ist, werden Oliver Nickel und seine Mitarbeiter mitgenommen und die Arbeit, die sie schon gemacht haben oder erfindet man das Rad neu? Leute, die die Gedenkstätte hier aufgebaut haben, darf man nicht abhängen.«

Auch Bruno Reinke (Grüne) begrüßte das grundsätzlich. Aber: »Hoffentlich schlägt der Landschaftsverband nicht alle anderen zur Seite.«

Der Bürgermeister sagte, das Aufgabegebiet werde mit dem Sozialwerk und den Folgen von Krieg und Vertreibung sehr viel größer und erfordere eine breite Diskussion.

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