Mo., 28.01.2019

Fritz Wurms stirbt mit 66 – Familie will Safaripark weiterführen Wilde Tiere waren sein Leben

Von Christian Althoff

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Den 50. Geburtstag seines Unternehmens im Juli zu feiern – es ist ihm nicht vergönnt. Fritz Wurms, Geschäftsführer des Safariparks Stukenbrock, ist tot. Sein Herz blieb in der Nacht zum Montag stehen, er wurde 66 Jahre alt.

Die Eltern Hildegard und Robert Wurms waren Hoteliers in Düsseldorf, und so machte der junge Fritz eine Ausbildung zum Hotelkaufmann. Sein berufliches Leben schien vorherbestimmt – bis zum Karneval 1967 oder ‘68, genau weiß das niemand mehr. Jedenfalls unterhielt sich Vater Wurms damals mit Hotelgästen aus Namibia, und die meinten, was in Deutschland fehle, seien afrikanische Tiere – eine Idee, die Robert Wurms nicht mehr losließ.

Am 15. Juli 1969 eröffnete die Familie den Safaripark Stukenbrock. Lange hatten die Wurms nach einem Gelände gesucht, und der sandige Senneboden schien ideal zu sein. Sohn Fritz wuchs in den Betrieb hinein und übernahm immer mehr Aufgaben. Es war die Zeit, in der Prof. Grzimek mit seinen Tierfilmen aus der Serengeti Millionen Zuschauer fesselte. Eine Afrikareise war für die meisten Familien unerschwinglich, aber hier, in der Senne, konnten sie Elefanten, Giraffen, Löwen und Affen hautnah erleben – vom Auto aus. Da knickten Schimpansen schon mal Antennen ab, und einmal flohen sie sogar aus dem Park. »Der WDR warnte vor ihnen. Bessere Werbung konnten wir nicht haben«, erinnerte sich Wurms einmal.

Fritz Wurms kleckerte nicht, er klotzte

Als sein Vater 1984 starb, war er 32. Gemeinsam mit seiner Mutter führte Wurms nun den Betrieb, und er entwickelte ihn weiter. Shows und ein Freizeitbereich mit immer spektakuläreren Fahrgeschäften kamen hinzu, und der Park züchtete – erst weiße Tiger, später weiße Löwen. Tierschützer protestierten, weil es letztlich ein Gendefekt ist, der den Tieren das weiße Fell verpasst. Doch dem Erfolg des Parks tat die Kritik keinen Abbruch. In guten Jahren kamen nach Unternehmensangaben 500.000 Besucher.

Fritz Wurms kleckerte nicht, er klotzte. Zur feierlichen Eröffnung der Anlage für die weißen Tiger leistete er sich 1987 die US-Schauspielerin Joan Collins – damals als Star der Serie »Denver« weltweit bekannt. Und als 1996 das Gehege für die weißen Löwen eröffnet wurde, kamen Siegfried und Roy aus Las Vegas. Aus dem Besuch entwickelte sich eine Freundschaft. Die Illusionisten züchteten fortan zusammen mit dem Safaripark weiße Tiger und Löwen, und nach Roys schwerem Unfall 2003 kümmerte sich Fritz Wurms um einige der Raubtiere.

»Sie haben es gut bei mir«

Sehr stolz war Wurms, dessen Wohnhaus im Park steht, als er 2006 die Erlaubnis bekam, den Park Zoo nennen zu dürfen. Für ihn war das eine Anerkennung für seine Art, Tiere zu halten. »Sie haben es gut bei mir«, sagte er immer, wenn Tierschützer den Park kritisierten, und oft gab er Tieren ein Zuhause, die sonst keines mehr gehabt hätten – wie der Zirkus-Elefantenkuh Benji, die 2015 einen Mann getötet hatte.

Seit dem Tod seiner Mutter 2008 führte Wurms den Park mit seiner Frau Elisabeth. Auch seine Tochter Jeanette und sein Enkel Marcel arbeiten im Unternehmen, und sie wollen es fortführen. Die Weichen dafür hat Wurms gestellt. So plante er den Bau eines Resorts, um Besucher für mehrere Tage in den Park zu holen.

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