Fr., 01.02.2019

Gericht verurteilt 57-Jährigen zu zweieinhalb Jahren Gefängnis Oma und Enkelin überfahren: Haftstrafe wegen Alkoholfahrt

Bei dem schweren Unfall am 20. Mai 2017 auf der Brücke über die A 33 am Lippstädter Weg in Schloß Holte-Stukenbrock starb eine 66-jährige Frau. Ihre Enkelin wurde schwerstverletzt. Die beiden hatten einen Fahrradausflug unternommen.

Bei dem schweren Unfall am 20. Mai 2017 auf der Brücke über die A 33 am Lippstädter Weg in Schloß Holte-Stukenbrock starb eine 66-jährige Frau. Ihre Enkelin wurde schwerstverletzt. Die beiden hatten einen Fahrradausflug unternommen. Foto: Bernd Steinbacher

Von Ulrich Pfaff

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Es war das schreckliche Ende eines Fahrradausflugs: Auf einer Brücke in Schloß Holte-Stukenbrock (Kreis Gütersloh) starb eine 66-jährige Radfahrerin aus Hövelhof (Kreis Paderborn), als sie von einem Auto erfasst wurde. Ihre zehnjährige Enkelin erlitt schwerste Verletzungen.

Gestern hat das Amtsgericht Bielefeld den Unfallverursacher zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt – er war damals betrunken. Sichtlich angespannt saß der 57-Jährige aus Hövelhof vor dem Schöffengericht. Ein bulliger Kerl, Ex-Rocker, ein ­Tattoo vom Hals bis hinters Ohr. Bevor ihm die Behörden nach dem Unfall den Führerschein weggenommen hatten, war er Lkw-Fahrer – jetzt fegt er bei seiner Firma den Hof. Mehr als zwei Promille Alkohol hatte eine Untersuchung zwei Stunden nach dem Unfall ergeben, die Ausfallerscheinungen waren laut Arzt­bericht beträchtlich.

Was an jenem 20. Mai 2017 vor dem Moment, der eine Familie aus der Bahn geworfen hat, genau bei dem Angeklagten passiert war, blieb zum Großteil in der Gerichtsverhandlung im Dunkeln: »Er hatte Streit mit seiner Frau, hat sich fürchterlich besoffen und ist losgefahren«, sagte Verteidiger Jost Ferlings. Sein Mandant, betont Ferlings, wisse, was er angerichtet habe und schäme sich dafür in Grund und Boden. »Er wird ins Gefängnis gehen, das ist ihm klar«, sagte der Anwalt. In Tränen aufgelöst habe der 57-Jährige ihn damals angerufen und von dem Unfall berichtet, sagte der Verteidiger. Und nun sei es ihm wichtig, dass die Familie aus Hövelhof durch einen langwierigen Gerichtsprozess nicht noch mehr belastet werde – deshalb das Geständnis in vollem Umfang, ohne Ausflüchte und Beschönigungen.

»Der kam da mit brutaler Gewalt an«

Was war damals passiert? An jenem Tag hatte die 66-jährige Großmutter von Hövelhof aus mit ihrer Enkelin einen Fahrradausflug unternommen. Auf der Brücke über die A33 am Lippstädter Weg hatten sie angehalten – wie ein Zeuge berichtet, der unmittelbar vor dem Zusammenstoß die Stelle passiert hatte. Dann schauten die beiden Radfahrerinnen ­hinunter auf die Autobahn. Sekunden später sei dem Zeugen in Schlangen­linien der Gelände­wagen des Angeklagten entgegengekommen und beinahe frontal in sein Auto gefahren.

»Der kam da mit brutaler Gewalt an«, sagte der Zeuge, der damals mit einem Schrecken davonkam. Gestern im Gerichtssaal hatte er Mühe, die Fassung zu bewahren. Kurz darauf hörte er einen Aufprall. Der Pick-up erfasste die beiden Radfahrerinnen. Er habe zuerst den beiden Opfern, dann auch dem Pick-up-Fahrer Erste Hilfe geleistet, sagte der Zeuge. Der Wagen des Angeklagten war ein kurzes Stück weiter gefahren und gegen einen Baum geprallt. Die 66-Jährige starb noch an der Unfallstelle, das Mädchen wurde schwerst verletzt. Es erlitt unter anderem ­Knochenfrakturen und ein Schädel-Hirn-Trauma.

Über die körperlichen und psychischen Folgen will Nebenklagevertreter Peter Heeg nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit sprechen – um das Mädchen zu schützen. Allein die Tatsache aus der Zeitung zu erfahren, dass der Gerichtsprozess stattfinde, habe das Kind bereits enorm belastet. Vermutlich werde es für den Rest des Lebens unter den Nach­wirkungen der Verletzungen zu leiden haben.

Oberstaatsanwalt Franz-Josef Weber bezeichnete den Angeklagten als kooperativ

Einig waren sich die Prozess­beteiligten bereits vor der Verhandlung, dass ein Geständnis des 57-Jährigen dem Mädchen und seiner Familie weiteres Leid ersparen würde. Oberstaatsanwalt Franz-Josef Weber bezeichnete den Angeklagten als kooperativ.

Zweieinhalb Jahre Haft wegen fahrlässiger Tötung, Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr verhängte das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Kirsten Reimann letztlich gegen den Hövelhofer – es ist das obere Ende der Spanne, die bereits im Vorfeld vereinbart ­worden war.

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