Mi., 06.02.2019

Workshops sollen die Gedenkstätte als Bildungsort in den Fokus nehmen Studie zum Stalag in sechs Schritten

Haben eine Workshop-Reihe konzipiert: (von links) Oliver Nickel (Geschäftsführer Gedenkstätte Stalag), Andreas Neuwöhner (Direktor des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens), Malte Thießen (Leiter des LWL-Instituts für westfälische Regionalgeschichte), Peter Fäßler (Professor für Zeitgeschichte am Historischen Institut der Uni Paderborn), Burkhard Beyer (Historische Kommission für Westfalen), Marcus Weidner (Internetportal Westfälische Regionalgeschichte) und Jens Hecker (Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gedenkstätte Stalag).

Haben eine Workshop-Reihe konzipiert: (von links) Oliver Nickel (Geschäftsführer Gedenkstätte Stalag), Andreas Neuwöhner (Direktor des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens), Malte Thießen (Leiter des LWL-Instituts für westfälische Regionalgeschichte), Peter Fäßler (Professor für Zeitgeschichte am Historischen Institut der Uni Paderborn), Burkhard Beyer (Historische Kommission für Westfalen), Marcus Weidner (Internetportal Westfälische Regionalgeschichte) und Jens Hecker (Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gedenkstätte Stalag). Foto: Monika Schönfeld

Von Monika Schönfeld

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Die Neukonzeption der Gedenkstätte Stalag 326 (VI K) Senne nimmt Formen an. Für die wissenschaftliche Aufarbeitung der zentralen Bedeutung des Kriegsgefangenenlagers für die Zwangsarbeit in ganz Nordrhein-Westfalen haben die Gedenkstätte Stalag, die Historische Kommission für Westfalen, das Institut für westfälische Regionalgeschichte des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), der Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens und das Historische Institut der Universität Paderborn eine Kooperation vereinbart.

Archiv der Gesellschaft

Seit Gründung des Fördervereins Stalag durch interessierte Bürger ist die Gedenkstätte zu einem zivilgesellschaftlichen Archiv geworden, sagt Jens Hecker. Bisher ohne staatlichen Auftrag und Unterstützung und anfangs ohne Sammelkonzept haben Bürger dem Förderverein Dinge zugetragen. Zu jedem Gegenstand, jedem Foto gebe es eine Geschichte, offenbaren sich menschliche Schicksale. Hier ist der Ort, wo sie ihre Geschichten »loswerden« können, wo sie gehört werden. Auch Angehörige, die auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof ihre Väter oder Großväter finden, bringen Dinge mit, die mit den Toten in Verbindung stehen und seine einzigartige Geschichte erzählen.

Dass das Lager ein zentrales Rekrutierungs- und Durchgangslager für die Zwangsarbeiter in ganz NRW war, ist noch nicht hinreichend bekannt und erforscht. Mehr als 300.000 sowjetische Kriegsgefangene durchliefen den Lagerkomplex und wurden von der Senne aus in den größten Ballungsraum Europas verteilt.

Projekt über drei Jahre

Im Zeitraum von 2019 bis 2021 wollen die Kooperationspartner der Fachöffentlichkeit, aber vor allem auch Studenten und interessierten Bürgern in sechs Themenworkshops Ort und Quellen des historischen Schauplatzes nahe bringen. Initiiert haben das Jens Hecker, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gedenkstätte Stalag, und Andreas Neuwöhner, Direktor des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalen für OWL.

Der erste Workshop wird im Juni im Detmolder Landesarchiv stattfinden. Hier geht es um Archive und Quellen. Im zweiten Workshop auf dem Gelände der Gedenkstätte geht es um bauliche Zeugnisse und ihre Nachnutzung. Im dritten Abschnitt stehen die audiovisuellen Medien im Mittelpunkt. Menschen bringen Fotos aus dem Lager und der Region. Wie geht man damit um? Dieser Workshop findet im Westfälischen Medienzentrum in Münster statt.

Um Begegnungen geht es in Teil 4. Was ist überliefert aus der Begegnung von Wachopersonal und Kriegsgefangenen, oder der von Bürgern und Arbeitskommandos? Wie wird das Lager wahrgenommen? Der Workshop findet in der Uni Paderborn statt.

Auf dem Ehrenfriedhof Sowjetischer Kriegstoter kann man sehen, wie mit den Gräbern umgegangen wird. Thema sind auch die Umbettungen. Der letzte Teil soll ein Fazit werden. Wie ist das Stammlager im Vergleich zu einem Konzentrationslager zu sehen, wie war es eingebunden in den NS-Terrorstaat?

Die Gedenkstätte will sich vor allem zum Bildungsträger entwickeln. Es gibt ein großes Interesse von Studenten und Schülern, an Original-Schauplätzen, den Quellen und Objekten zu arbeiten. Mit der Forschung und Vermittlung soll der Grundlagenforschung Impulse gegeben werden und damit das Potenzial als Erinnerungsort erschlossen werden.

Hintergrund

Das Vorhaben findet vor dem Hintergrund der Neukonzeption der Gedenkstätte zu einer überregionalen und internationalen Gedenkstätte statt. Es hat sich dafür eine Lenkungsgruppe um den Landtagspräsidenten André Kuper gebildet. Für 2019 wird eine Machbarkeitsstudie auf der Grundlage der Arbeit der Hochschule OWL durchgeführt und 2020 ein Antrag auf Förderung durch das Bundesministerium für Kultur und Medien (BKM) angestrebt. Das wissenschaftliche Kooperationsprojekt wird einen wesentlichen Beitrag leisten, die Grundlagen für die neue Ausstellung zu legen. Die große Sammlung und die Expertise der Partner soll für das Bildungszentrum genutzt werden.

Sozialwerk-Film

Der Film »Brücke zur neuen Heimat« über das Sozialwerk Stukenbrock von Udo Plückelmann (1962) ist im Internet zu sehen. Auf dem Internetportal des LWL-Instituts für westfälische Regionalgeschichte hat Marcus Weidner gemeinsam mit dem Sohn des Sozialwerk-Direktors Gerd Plückelmann den Film auch schriftlich eingeordnet. Der Film ist aufrufbar im Internet .

 

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