Mi., 13.02.2019

Schiedsmann Hans Schäfer über zornige Nachbarn und freche Anwälte Sich vertragen ist besser als klagen

Ein Bild, das alles sagt: Der Nachbar ärgert sich wegen einer Buchsbaumskulptur, die ihm den Allerwertesten zeigt. Hans Schäfer (72) ist seit 2013 Schiedsmann zusammen mit Brigitte Brause. Er stellt sich im Rat am Dienstag erneut zur Wahl.

Ein Bild, das alles sagt: Der Nachbar ärgert sich wegen einer Buchsbaumskulptur, die ihm den Allerwertesten zeigt. Hans Schäfer (72) ist seit 2013 Schiedsmann zusammen mit Brigitte Brause. Er stellt sich im Rat am Dienstag erneut zur Wahl. Foto: Monika Schönfeld

Von Monika Schönfeld

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Es gibt Leute, die stehen morgens auf und suchen etwas, worüber sie sich aufregen können. »Der meiste Streit entsteht aber, weil man nicht miteinander redet. Das ist bei Nachbarn nicht anders als in anderen Beziehungen.« Hans Schäfer (72) ist seit Mai 2013 Schiedsmann, mit seiner Stellvertreterin Brigitte Brause hat er jährlich 20 Fälle.

»Es ist vergleichsweise friedlich hier«, sagt Hans Schäfer, der allerdings auch die »Tür- und Angelfälle« dokumentieren muss. »Das sind Fälle, in denen man darauf angesprochen wird, einen Rat zu erteilen. Es geht häufig um Nachbarschaftsstreitigkeiten. Ich rate meistens, mal mit zwei Flaschen Bier zum Nachbarn rüberzugehen und das Problem anzusprechen. Oder einen Brief an den Nachbarn zu schreiben. Oft lenken die ein. Nach dem Motto: Bloß kein Streit.« 20 solcher Fälle kommen zu den Schiedsverfahren.

Stellvertreterin Brigitte Brause ist bei den Schlichterverhandlungen dabei. »Wir sind immer zu zweit. Brigitte Brause schaltet sich ein, wenn sich die Gegner widersprechen oder laut werden. Sie hat schon tolle Erfolge erzielt, indem sie einfach fragte, wie der Streit entstanden ist.«

Meistens sind es das Laub oder die Nadeln von Bäumen

Die Fälle ähneln sich. Meistens sind es das Laub oder die Nadeln von Bäumen, die beim Nachbarn aufs Grundstück fallen, die Äste, die über die Grundstücksgrenze hängen, der Paketbote, der immer in der Hauseinfahrt wendet, oder der Lärm, den der Nachbar macht, um den anderen zu ärgern. Gerne hätte Hans Schäfer auch zwischen Anliegern und Stadt beim Streit um die Ems-Erlebniswelt vermittelt. »Das wollte die Stadt nicht, weil der Schiedsmann von der Stadt vorgeschlagen wird.«

Nicht Sache der Schiedsleute sind Familienstreitigkeiten, wohl aber Handgreiflichkeiten unter Nachbarn. Schäfer nimmt Beschwerden über Qualm beim Grillen nicht an. »Das muss man in der Sommerzeit ertragen. Ich erwarte, dass jeder Rücksicht nimmt oder seinen Nachbarn einfach zum Würstchen einlädt.«

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»Anwälte wollen keinen Erfolg vor dem Schiedsmann, sie wollen prozessieren. Damit verdienen sie ihr Geld.«

Hans Schäfer

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Meist schickt die Polizei Leute zum Schiedsamt, die sich hier über ihre Nachbarn beschweren. Bei den Schiedsleuten können sie einen Antrag auf ein Schiedsverfahren stellen. Der Antragsgegner erhält eine Ladung per Einschreiben, die gleichzusetzen ist mit einer Ladung vor Gericht. Allerdings wird hier nicht entschieden, wer Recht hat. »Das Ziel einer Schlichtungsverhandlung ist es, eine Lösung des Konfliktes zu finden, die beide als fair akzeptieren und eigenverantwortlich und freiwillig vereinbaren.« Schäfer: »Der Leitsatz lautet: Sich vertragen ist besser als klagen.« Die Kontrahenten treffen sich im Schiedsbüro im Rathaus. Viele sind aufgeregt, die Hälfte bringt einen Anwalt mit. Denen verbietet Schäfer schon mal den Mund oder schickt sie raus. »Anwälte wollen keinen Erfolg vor dem Schiedsmann, sie wollen prozessieren. Damit verdienen sie ihr Geld.«

Ist eine Vereinbarung geschlossen worden, ist sie 30 Jahre lang gültig und gerichtsfest. »Wer sich an ein unterschriebenes Verfahren nicht hält, hat schlechte Karten vor dem Amtsgericht.« 90 Prozent der Fälle werden geschlichtet, das ist ein hoher Wert. Scheitert die Schlichtung, kann der Antragsteller mit einer Erfolgslosigkeitsbescheinigung vor Gericht ziehen.

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