Do., 28.02.2019

Erstmals spricht auch der Angeklagte Giftbrote-Prozess: Verteidiger sehen keinen Mordversuch

Mit einem blauen Aktendeckel hat sich der 57-jährige Klaus O. im Gerichtssaal vor den Kameras geschützt. Neben ihm stehen seine Verteidiger Christina Peterhanwahr und Henning Jansen.

Mit einem blauen Aktendeckel hat sich der 57-jährige Klaus O. im Gerichtssaal vor den Kameras geschützt. Neben ihm stehen seine Verteidiger Christina Peterhanwahr und Henning Jansen. Foto: Wotke/Archiv

Bielefeld/Schloß Holte-Stukenbrock (dpa/WB/wow). Im Prozess um vergiftete Pausenbrote haben sich die Verteidiger gegen eine Verurteilung des Angeklagten wegen versuchten Mordes ausgesprochen. Dass er einem heutigen Wachkoma-Patienten Quecksilber verabreicht haben soll, wie es der Staatsanwalt glaube, sei im Prozess nicht bewiesen worden, sagten die Verteidiger am Donnerstag in ihren Plädoyers am Landgericht Bielefeld.

Der Staatsanwalt hatte am Vortag eine lebenslange Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung wegen versuchten Mordes gefordert. Der 57-Jährige Angeklagte Klaus O. soll mehrere seiner Arbeitskollegen über Jahre in einem Betrieb in Schloß Holte-Stukenbrock mit gefährlichen Substanzen auf deren Pausenbroten vergiftet haben. Zwei seiner Ex-Kollegen sind nierenkrank.

Nach Auffassung der Verteidiger sei wegen dieser Fälle allenfalls eine Freiheitsstrafe von höchstens neun Jahren zu rechtfertigen.

Zum Abschluss der Plädoyers äußerte sich der bislang schweigende Angeklagte erstmals selbst: »Ich schließe mich den Ausführungen meiner Verteidiger vollumfänglich an«, blieb aber sein einziger Satz. Den Bitten der Nebenkläger sich zu seinem Motiv zu erklären, blieb er damit schuldig.

Geburtstag im Koma

Am Vortag war Nick N., der ebenfalls vergiftet wurde, 26 Jahre alt geworden. Seinen Geburtstag konnte er nicht feiern, denn er liegt mit einem unheilbaren Hirnschaden seit zwei Jahren im Wachkoma und ist ein Pflegefall.

»Nur der Tod kann ihn erlösen«, sagte Anwältin Gabriele Martens, Vertreterin der Nebenklage am Mittwoch. »Wie kann man einem Menschen, der voll im Leben stand und noch wunderbare Ziele hatte, so etwas Schreck­liches antun?«, fragte sie den Angeklagten.

Das Landgericht will am 7. März ein Urteil verkünden.

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