Sa., 16.03.2019

Letzter Tag für Dr. Werner Klöpper – Nachfolger übernehmen Praxis am 1. April Der Landarzt geht

In der Praxis am Milanweg wird am Freitag auf den Abschied von Werner Klöpper angestoßen. Heike Klöpper bleibt zunächst noch als Angestellte in der Praxis: Meike Grumbach, Lena Dik, Angelika Otte, Asiye Demirhan, Heike Klöpper, Werner Klöpper, Gabi Becker, Stefanie Herken und Lara Bastian (von links).

In der Praxis am Milanweg wird am Freitag auf den Abschied von Werner Klöpper angestoßen. Heike Klöpper bleibt zunächst noch als Angestellte in der Praxis: Meike Grumbach, Lena Dik, Angelika Otte, Asiye Demirhan, Heike Klöpper, Werner Klöpper, Gabi Becker, Stefanie Herken und Lara Bastian (von links). Foto: Matthias Kleemann

Von Matthias Kleemann

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Unterste Stufe im Ansehen der Kollegen, von den eigenen Patienten jedoch hoch geschätzt, in diesem Spannungsfeld haben sich die Doktoren Heike (61) und Werner Klöpper (66) fast 30 Jahre lang in Schloß Holte-Stukenbrock bewegt.

»Den Begriff Landarzt lasse ich auch gerne gelten«, sagt Werner Klöpper. Die Entscheidung für eine gemeinsame Praxis ist seinerzeit bewusst gefallen, weil es eine Entscheidung für die Familie war. Es war die einzige Möglichkeit, Beruf und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen. Das hat auch funktioniert. Das Ehepaar hat zwei Kinder, die Tochter ist sogar in die Fußstapfen der Eltern getreten und ist als Ärztin in Hannover tätig.

30 Jahre lang haben sie gemeinsam in der Stadt praktiziert: Heike und Werner Klöpper. Er geht in den Ruhestand, sie arbeitet die Nachfolger ein. Foto: Matthias Kleemann

Der Stukenbrocker Werner Klöpper hat in Hannover und später in Göttingen studiert, seine Frau, die aus Celle stammt, nur in Hannover. Kennengelernt haben sie in einem kleinen Krankenhaus im Harz während einer Weiterbildung. Geheiratet haben die beiden 1987.

Fürs Familienleben entschieden

»Wir waren nach dem Studium beide am Krankenhaus tätig«, erzählt Werner Klöpper. Er hatte zwar in Allgemeinmedizin promoviert, seine Frau ebenfalls, doch hatte er sich auf die Urologie verlegt, sie auf die Chirurgie. Mit den ständigen Wechselschichten im Krankenhaus war ein Familienleben schwierig. In einer großen Hausarztpraxis ging das aber. Und so eine haben sie im Jahr 1989 am Milanweg »aus dem Boden gestampft« (heute 3000 Patienten).

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Die Leute sind hier auf dem Dorf schon hart drauf.

Werner Klöpper

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Hausarzt auf dem Land, das ist etwas anderes als in der Großstadt. »Ich liebe meine taffe Landbevölkerung«, sagt Heike Klöpper noch heute, wenn sie vom Dienst in der hausärztlichen Notfallsprechstunde in Bielefeld heimkehrt. »Die Leute sind hier auf dem Dorf schon hart drauf«, bestätigt ihr Mann. Zum Arzt geht man erst, wenn’s gar nicht anders geht. Heike Klöpper erinnert sich an einen Patienten, der sich mit einem gebrochenen Fuß, der in unnatürlichem Winkel vom Bein abstand, erst einmal bis zum nächsten Morgen ins Bett gelegt hat. Erst dann, als der Fuß immer noch so schräg stand, hat er sich überlegt, dass das mal geröntgt werden müsste.

Mit Herzinfarkt aufs Rad

Und dann war da noch der ältere Herr, der sich nach einem Herzinfarkt aufs Fahrrad gesetzt hat, um seinen Arzt aufzusuchen. Er wäre mit dem Fahrrad auch ins Krankenhaus gefahren, wollte dann das Fahrrad erst nach Hause bringen und konnte nur davon abgehalten werden, nachdem das Rad in Klöppers Garage sicher unter Verschluss war.

In 30 Jahren Hausarztpraxis hat das Arztehepaar die Umstellung vom Karteikartensystem auf die elektronische Praxisverwaltung mitgemacht und so manche gesundheitspolitische Veränderung, meist zum Schlimmeren, wie beide bestätigen. Damit meinen sie vor allem den steigenden Bürokratieaufwand und die zunehmende Anonymisierung.

Notdienst bis nach Warendorf

Sie haben sich bis vor gut 15 Jahren noch den Notdienst mit anderen Kollegen in Schloß Holte-Stukenbrock geteilt und sind im ganzen Ort unterwegs gewesen, im eigenen Auto oder in einem Wagen der Feuerwehr. Durch die zentralisierte Notfallregelung hat sich der Radius deutlich vergrößert. »Wir müssen teilweise bis Warendorf rausfahren«, sagt Heike Klöpper. Besser wäre es, die Patienten mit dem Taxi zur Praxis zu bringen. »Aber das müsste die Kasse ja zahlen. Unsere Zeit scheint nichts zu kosten.«

In der Stadt haben sie an einem dreijährigen Medizinprojekt der Realschule (Medipäds) teilgenommen. Mit den Schülern wurde über die gesundheitlichen Folgen von Tattoos und Piercings gesprochen. »Wir konnten Hemmschwellen abbauen«, sagt Werner Klöpper.

Seine ärztliche Kompetenz ist regelmäßig bei Schulungen in der Kanuabteilung der Naturfreunde Bielefeld gefragt. Heike Klöpper leitet seit 30 Jahren eine Herzsportgruppe in der Stadt.

Die Nachfolger

Das neue Arztehepaar heißt Ovidiu und Georgiana Laza. Die beiden stammen aus Rumänien. Im rumänischen Klausenburg (Cluj-Napoca) haben sie Medizin studiert, später folgten Weiterbildungen in Paderborn. Beide haben mindestens sieben Jahre Praxiserfahrung. Georgiana Laza darf allerdings noch nicht als Ärztin praktizieren, weil ihr formal einige Weiterbildungsnachweise fehlen. Deshalb wird Heike Klöpper zunächst noch in der Praxis angestellt bleiben und diese Weiterbildung übernehmen. Das Paar war zuletzt in Süddeutschland tätig, sehnt sich aber nach Ostwestfalen zurück. Über verschlungene Wege kam der Kontakt zustande. »Das ist wie ein Sechser im Lotto«, sagt Heike Klöpper, »dass wir einen Nachfolger für die Praxis gesucht haben und die beiden eine Praxis, und dass auch noch ein Arztehepaar ein Arztehepaar ablöst.«

»Am ersten Advent haben wir uns kennen gelernt, am zweiten Advent haben wir den Vorvertrag unterschrieben«, berichtet Werner Klöpper. Normalerweise dauere eine Praxisübernahme sechs bis neun Monate. »Wir schaffen es in drei Monaten und drei Wochen.«

Es sei alles sehr, sehr knapp, so stehe die Weiterbildungs-Ermächtigung für Heike Klöpper noch aus. »Wir sind aber optimistisch.« Bis zum Dienstbeginn der beiden Neuen soll die Praxis am Milanweg auch noch renoviert werden. Die acht Mitarbeiterinnen werden übrigens übernommen – das ist Vorschrift.

 

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