56-Jähriger mit »Querschnittslähmung auf Raten« läuft den Hermann
Aufgeben gibt’s nicht

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Laufen geht gut, im Gehen ist er sehr viel langsamer geworden. »Es ist eine Querschnittslähmung auf Raten«, sagt Rainer Klasfauseweh. Zum 20. Mal wird er am Sonntag den »Hermann« laufen – und damit auf die seltene Erbkrankheit Hereditäre Spastische Spinalparalyse (HSP) aufmerksam machen.

Freitag, 26.04.2019, 06:45 Uhr aktualisiert: 26.04.2019, 07:30 Uhr
Die Lämershagener Stufen links sind eine Herausforderung für die Hermannsläufer. Läufer Rainer Klasfauseweh (56) meistert sie und ruft zu Spenden für die Tom-Wahlig-Stiftung auf. Nur »Weicheier« nehmen die Umgehung rechts, sagt er. Foto: Monika Schönfeld
Die Lämershagener Stufen links sind eine Herausforderung für die Hermannsläufer. Läufer Rainer Klasfauseweh (56) meistert sie und ruft zu Spenden für die Tom-Wahlig-Stiftung auf. Nur »Weicheier« nehmen die Umgehung rechts, sagt er. Foto: Monika Schönfeld
Spenden für die Tom-Wahlig-Stiftung

1998 gründete der 1938 geborene Pharmazeut die Tom-Wahlig-Stiftung mit dem Ziel, die Erforschung der seltenen Krankheit Hereditäre Spastische Spinalparalyse (HSP) voranzutreiben. Dabei handelt es sich um eine langsam fortschreitende Erkrankung, die durch eine spastische Gangstörung charakterisiert ist. Spastik ist eine Muskelsteifigkeit, die durch eine Störung der Nerven in Gehirn und Rückenmark verursacht wird. Die Stiftung ist die weltweit erste ihrer Art. Sie agiert formal unter dem Dach der Ernst-Abbe-Stiftung, wird aber von Tom Wahlig und seiner Familie geleitet. Die Tom-Wahlig-Stiftung vergibt Preise, Stipendien und organisiert Symposien auf internationalen neurophysiologischen Kongressen.

www.hsp-info.de

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Rainer Klasfauseweh (56) bekam die Diagnose vor sechs Jahren. »Ich merkte, dass ich im Winter nicht so flüssig gehe wie andere. Dr. Werner Klöpper hat bereits bei der ersten Gehprobe die Erbkrankheit diagnostiziert.« Es sei in etwa so, als ob man mit einem starken Magneten im vorderen Schuh über eine Eisenkugel gehe. Es sei schwer, den Fuß zu heben. Lange Schritte seien nicht möglich, der Fuß werde gleich wieder auf die Erde gezogen.

Dass Rainer Klasfauseweh trotzdem die mehr als 31 Kilometer des Hermannslaufes bergauf, bergab schaffe, könnten Außenstehende schwer verstehen. »Deshalb will ich am Sonntag zugunsten der Tom-Wahlig-Stiftung laufen, die die Krankheit erforscht. Die Stiftung gibt es seit 20 Jahren, dazu passt mein 20. Hermannslauf.«

Am Amtsgarten in Oerlinghausen, wo eine Verpflegungsstation für die Läufer ist und immer viele Zuschauer am Wegesrand stehen, werden Betroffene und deren Angehörige einen Infostand zur Hereditären Spastischen Spinalparalyse betreuen. Mit 3000 Betroffenen in Deutschland lohne sich die Forschung für die Industrie nicht. Deshalb sind Spenden nötig.

Infos am Amtsgarten

»In der Selbsthilfegruppe bin ich ein Außenseiter«, sagt Rainer Klasfauseweh. Die trifft sich drei Mal im Jahr mit 20 Leuten aus dem Raum Bielefeld, dem Münsterland und dem Emsland. »Mehr als die Hälfte geht an Gehstöcken oder am Rollator.«

»Man sagt, dass es 22 Jahre von der Diagnose bis zu den Krücken dauert. Dann bin ich 72. Das akzeptiere ich.« Sein Großvater sei betroffen gewesen, jetzt seine Mutter. »Man denkt sich nichts dabei, wenn alte Menschen Probleme beim Gehen haben«, sagt Klasfauseweh.

Bruno Brinktrine unterstützt Rainer Klasfauseweh unter anderem mit Funktions-T-Shirts, die er auf dem Rücken mit dem Logo und dem Spendenaufruf bedruckt hat. Auf der Brust ist das Bild eines Hürdenläufers. »Rainer läuft und läuft und läuft. Bis die HSP ihn stoppt«, steht dort. »Ich gehöre zu den Optimisten. Ich schütte während des Hermannslaufes garantiert mehr Glückshormone aus als Elias Sansar.«

Er bleibt Optimist

Seinen ersten Hermannslauf hat er 1982 ohne Vorbereitung in 3:45 Stunden geschafft. »In jungen Jahren kann man das wegstecken.« Eigentlich sei er eher unsportlich gewesen, als junger Mann habe er aber weite Fahrradtouren gemacht, sechs Wochen nach Nordafrika zum Beispiel, über mehr als 4000 Kilometer. Nach dem zehnten Hermannslauf und einer »grottenschlechten Zeit« habe er es gelassen. Die Familie mit seinen vier Kindern hat den Technischen Angestellten bei MediSeal auch anders auf Trab gehalten.

Im Alter von 39 Jahren sei er über das Anfängerprogramm der Laufgemeinschaft Oerlinghausen wieder eingestiegen. Denn: »Mein Gewicht wurde mehr, ich musste immer größere Hosen kaufen, obwohl ich nur noch die Hälfte gegessen habe«, lacht er.

Das Laufen ist für ihn Sport und Therapie. »Ich laufe den Hermann auch in Gegenrichtung. Damit trainiere ich die Bremsmuskeln. Ich habe noch nie aufgegeben, auch wenn ich schon mal gefallen bin.«

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