Rund 300 Drahtesel für Flüchtlinge fahrtauglich gemacht – Lob vom Bürgermeister
Ehrenamtliche drehen ständig am Rad

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Fahrradfahren macht Spaß und ist gesund. Neben diesen positiven Nebeneffekten ist ein intaktes Fahrrad auch für die Flüchtlinge in der Stadt ein äußerst wichtiges und kostengünstiges Fortbewegungsmittel, das ihnen Unabhängigkeit bietet.

Samstag, 04.05.2019, 10:45 Uhr aktualisiert: 04.05.2019, 11:00 Uhr
Ludwig Rieke (links) hat Hamses Tretroller repariert. Darüber freut sich nicht nur das Kind, auch sein Vater Muhamud ist froh, dass es die Fahrradwerkstatt gibt. Foto: Manuela Fortmeier
Ludwig Rieke (links) hat Hamses Tretroller repariert. Darüber freut sich nicht nur das Kind, auch sein Vater Muhamud ist froh, dass es die Fahrradwerkstatt gibt. Foto: Manuela Fortmeier

Um sich aktuell zu informieren, aber insbesondere, um sich persönlich bei den ehrenamtlichen Helfern der Arbeitsgemeinschaft der Fahrradwerkstatt, die Bestandteil der Flüchtlingshilfe St. Johannes Baptist Stukenbrock ist, zu bedanken, war Bürgermeister Hubert Erichlandwehr in die Fahrradwerkstatt an der Bahnhofstraße 41 gekommen.

»Sich ehrenamtlich zu engagieren, ist schon eine tolle Sache, für die ich und wir sehr dankbar sind. Aber regelmäßig jeden Samstag zur Verfügung zu stehen, ist noch einmal eine zusätzliche Anerkennung wert«, sagte Erichlandwehr.

Es wird turbulent in der Werkstatt

Kaum hat er das Gespräch mit den Ehrenamtlichen beendet, treffen nach und nach viele Flüchtlinge mit ihren defekten Fahrrädern ein. Es wird turbulent in der Werkstatt, und immer sind fachlicher Rat und technisches Verständnis gefragt.

Einer, der sein Fahrrad in die Werkstatt bringt, ist der aus Afghanistan stammende Karimullah, der vier Kilometer außerhalb vom Ortskern wohnt. Das Hinterrad ist platt, die alte Fahrraddecke extrem zerschlissen. Eine neue Decke in passender Größe hat er schon mitgebracht.

Wie selbstverständlich wird er von Joseph Malty, einem jungen Studenten, der aus Ägypten stammt und der ebenfalls regelmäßig in der Werkstatt aushilft, begrüßt. Im Nu steht das Fahrrad auf dem Kopf und Joseph beginnt geschickt zu schrauben. Aufmerksam schaut Karimullah ihm bei der Arbeit zu. Nach zehn Minuten ist das Rad wieder fahrtüchtig.

Roller repariert

»Anleitung zur Selbsthilfe gehört neben dem Beschaffen und Reparieren der Fahrräder auch zu unseren wichtigen Aufgaben«, sagt Ludwig Rieke. Parallel zu Joseph hat Rieke den Roller des kleinen Hamse repariert, der mit seinem Vater Muhamud gekommen ist. Freudestrahlend und sichtlich dankbar fährt der Junge mit dem Roller umher.

Seit 2017 hat die Stadt der Fahrradwerkstatt die Räume an der Bahnhofstraße, in der ursprünglich ein kleines Lebensmittegeschäft war, für ihre Arbeit zur Verfügung gestellt. »Die Wohnungen über dieser Werkstatt bewohnen derzeit ebenfalls Neuankömmlinge,« sagt Erichlandwehr.

»Wir sind für die Räume sehr dankbar, vor allen Dingen werden wir hier gut sichtbar wahrgenommen und manch einer bringt uns so von selbst ein nicht mehr benötigtes Fahrrad vorbei«, sagt Gerhard Blumenthal. »Ideal« seien die Räume insbesondere wegen der Regale. »Hier können wir unsere Ersatzteile gut sichtbar sortieren«, fügt Blumenthal, der zu den Mitbegründern dieser Arbeitsgemeinschaft gehört, hinzu.

In der Zeltstadt begonnen

Damals, im Jahr 2014, habe die Gruppe, zu der heute fest auch Alwin Mersch und Ludwig Rieke gehören, ganz bescheiden in einem Zelt in der Zeltstadt für Flüchtlinge in Stukenbrock-Senne angefangen. Später habe man vorübergehend in einem Raum der ASH an der Spellerstraße arbeiten dürfen und auch im Haus Marienmünster in Liemke habe man zuvor schon einige Wochen Fahrräder repariert. Bislang konnten durch das regelmäßige Engagement der Gruppe rund 300 Fahrräder an Flüchtlinge übergeben werden, von denen etwa 280 sogar registriert sind.

Erst vor wenigen Tagen hätten 13 Flüchtlingsfrauen ihre Fahrradprüfung in der Stadt erfolgreich abgelegt. Jetzt seien sie auf der Suche nach einem eigenen Fahrrad. Gar nicht so einfach. »Die Fahrräder dürfen maximal eine 26e-Größe haben und müssen Damenräder ohne Stange sein«. Aktuell gesucht und benötigt werden auch weitere gut erhaltene Damen-Fahrräder, Kinderfahrräder und Roller, Laufräder, oder Herrenfahrräder mit Stange.

»Wir würden uns sehr freuen, wenn sich weitere Ehrenamtliche mit handwerklichem Geschick, Interesse an einer Gemeinschaftsarbeit und technischen Hintergrundwissen unserer Arbeitsgemeinschaft anschließen und uns unterstützen würden«, ruft Gerhard Blumenthal zur Verstärkung auf.

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