Fr., 10.05.2019

Forum Russische Kultur legt zum Jahrestag einen Kranz nieder – Gedenkstätte Stalag wird umgestaltet In Erinnerung an den Schrecken des Krieges

Franz Kiesl (rechts) und Dr. Günter Bönig legen für das Forum Russische Kultur einen Kranz nieder.

Franz Kiesl (rechts) und Dr. Günter Bönig legen für das Forum Russische Kultur einen Kranz nieder. Foto: Monika Schönfeld

Von Monika Schönfeld

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Der Ehrenfriedhof sowjetischer Kriegstoter in Stukenbrock-Senne ist am Jahrestag des Kriegsendes Ort des Gedenkens. In Deutschland lebende Menschen, die ihre Wurzeln in den ehemaligen Sowjetstaaten haben, treffen sich hier zum orthodoxen Gottesdienst, Angehörige legen Blumen auf die Grabsteine. Einige hundert Besucher waren gestern auf dem Ehrenfriedhof.

Franz Kiesl und Dr. Günter Böning haben für das Forum Russische Kultur Gütersloh einen Kranz niedergelegt. Der Ehrenvorsitzende hatte die russische Botschaft über die Gedenkstunde informiert, der stellvertretende Generalkonsul aus Bonn, Valeri Sidorov, war gekommen, um die »Völker näher zu bringen«. Kiesl schilderte, dass der Hass der deutschen Machthaber die Triebfeder für unsägliches Leid gewesen ist.

Schüsse zu hören

Mitglieder des Forums übten Kritik daran, dass zur Gedenkstunde Schüsse von nahe gelegenen Truppenübungsplatz zu hören waren. »Das ist unpassend und unsensibel«, sagte ein Besucher. Hans-Peter Rosenthal fand es bedrückend, dass ein Besucher am Obelisken ein Bild von Stalin gelehnt hat. »Die Russen haben doppelt gelitten – unter Stalin und unter Hitler. Ein Bild von Stalin gehört hier nicht hin.«

Oliver Nickel, Geschäftsführer der Gedenkstätte Stalag 326, berichtete, dass der Besuch des damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck 2015 viel Schwung gebracht habe. Er habe das Ziel ausgegeben, das »Schicksal der Kriegsgefangenen aus dem Erinnerungsschatten zu holen«. Der Lenkungskreis unter der Leitung des Landtagspräsidenten André Kuper plane eine komplett neue Gedenkstätte, in die die drei historischen Gebäude (Arrestgebäude, Entlausung, Sozialwerks-Baracke) einbezogen werden. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe übernehme die Planung, um mit Bundesfördermitteln die Gedenkstätte auf dem heutigen Gelände der Polizeischule NRW umzugestalten.

Arbeit mit Angehörigen wichtig

Nickel berichtete, wie wichtig die Arbeit mit Angehörigen sei. »Ich erlebe keinen Hass, keine Vorwürfe. Am Ende einer orthodoxen oder buddhistischen Messe nehmen mich die Angehörigen in den Arm und sagen: Jetzt sind wir eine Familie.« Junge Menschen erfahren oft erst an der letzten Ruhestätte ihres Urgroßvaters, was im Zweiten Weltkrieg überhaupt mit den Menschen geschehen ist. »Eine junge Frau war erschreckt über die Massengräber und ist vor uns zusammengebrochen.«

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