Fr., 17.05.2019

Glaskünstler Narcissus Quagliata zur Gast bei der TGK-Hausmesse Der Kosmos verschmolzen in Glas

Glaskünstler Narcissus Quagliata mit einem Bild des Dome of Light in der U-Bahn-Station von Kaohsiung in Taiwan auf dem Bildschirm links und seinen beiden Büchern mit den TGK-Geschäftsführern Marita Witte und Friedrich Frisch.

Glaskünstler Narcissus Quagliata mit einem Bild des Dome of Light in der U-Bahn-Station von Kaohsiung in Taiwan auf dem Bildschirm links und seinen beiden Büchern mit den TGK-Geschäftsführern Marita Witte und Friedrich Frisch. Foto: Monika Schönfeld

Von Monika Schönfeld

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Er bringt den Kosmos in die Basilika Michelangelos, er baut aus verschmolzenem Glas einen »Dome« in einer U-Bahn-Station in Taiwan, die zum Ort für Massenhochzeiten wird. Jetzt war der Glaskünstler Narcissus Quagliata zu Gast in Europas größtem Farbglaslager bei TGK in Schloß Holte-Stukenbrock.

Antike Technik modernisiert: Glaskünstlerin Cristina Zanotti (rechts) zeigt Siebdruck mit Glaspulver, das verschmolzen wird. Foto: Monika Schönfeld

»Leute, die mit Glas arbeiten, sind eine kleine Gemeinschaft«, sagt Narcissus Quagliata, der bei TGK an der Helleforthstraße zur 29. Hausmesse seine Arbeit vorstellt, aber auch mit Seminarteilnehmern vier Tage lang praktisch arbeitet.

Narcissus Quagliata (77) hat in Rom Malerei bei Giorgio de Chirico im Stile der Pittura metafisica studiert. Mit 19 Jahren emigrierte er nach San Francisco, wo er am Art Institute Malerei und Graphik bei Richard Diebenkorn studierte und sein Studium 1968 mit einem Master im Fachbereich Malerei abschloss.

Lebendiges Material

Glas hat er als Werkstoff entdeckt – und zwar ohne etwas über die Tradition der Glasbearbeitung beispielsweise für Kirchenfenster zu wissen. »Es ist ein lebendiges Material, stabil und doch veränderbar, transparent und leuchtend.« Ihn fasziniert, was er mit Glas tun kann. Die Hausmesse im Schloß Holte-Stukenbrocker Unternehmen steht unter dem Titel »Licht und Schatten« und beschreibt damit das Werk von Narcissus Quagliata.

Quagliata arbeitet in den USA, Mexiko, Europa und in Asien, seine Arbeiten befinden sich in privaten und öffentlichen Sammlungen. Seit den 80er-Jahren entstanden vermehrt Projekte im öffentlichen Raum. Die Dimensionen der Werke reichen von kleineren Skulpturen bis hin zur größten beleuchteten Glasdecke mit einem Durchmesser von 30 Metern. Am Beispiel des »Dome of Light« in der Station Formosa Boulevard der U-Bahn von Kaohsiung in Taiwan zeigt er die gigantischen Dimensionen. Er hat in dieser ­U-Bahn-Station die Symbole der Stadt und des Landes, berühmte Tänzer und Mythen aufgearbeitet. Viele Details sehen aus wie Glasmalerei, sind aber aus verschmolzenem Glas. Die Elemente des »Dome of Light« wurden in Deutschland bei Derix-Taunus­stein gefertigt. »Ich kann einen Rembrandt in verschmolzenem Glas kopieren«, sagt Narcissus Quagliata. Wenn er es sagt, klingt das weder angeberisch noch hochmütig. Er kann es einfach.

Probiert es selbst: Monique van der Loo aus Geleen in den Niederlanden. Foto: Monika Schönfeld

Glaskuppel der Basilika

Faszinierend ist sein Werk für die Glaskuppel der Rotunde in der Eingangshalle von Santa Maria degli Angeli e dei Martiri in Rom. »Ich habe überlegt, wie ich den Kosmos in Michelangelos Basilika bringen kann«, erzählt der Künstler. Über Linsen in der Kuppel ist es möglich, auf dem Boden der Kirche die Projektion des Venustransfers oder einer Sonnenfinsternis zu erleben. Obwohl er Italiener sei und auch dort gearbeitet habe, »ignoriert mich Italien«. Seine Werke finden sich aber im Metropolitan Museum New York, in der Renwick Gallery im Smithsonian Museum, Washington D. C., im Yokohama Museum of Art in Japan, im National Glass Museum Palacio Real im spanischen Segovia, im De Young Museum in San Francisco oder im Oakland Museum of California.

In Schloß Holte-Stukenbrock hat Narcissus Quagliata sein zweites Buch mit dem Titel »Mutant« vorgestellt, eine Sammlung von Gedichten und Zeichnungen aus seiner Feder, herausgegeben ebenfalls in Deutschland.

Farbglas ist eine Nischenbranche

Die Geschäftsführer Friedrich Frisch und Marita Witte haben mehr als 550 Besucher aus ganz Europa im Unternehmen begrüßt. Glashersteller und Produzenten von Schmelzöfen haben ihre Neuheiten gezeigt, Kreative demonstrieren neue Techniken der Glasbearbeitung. »Besonders beliebt sind die Seminare, bei denen die Teilnehmer selbst Hand anlegen können«, sagt Friedrich Frisch. Die Seminare werden teils von eigenen Leuten (TGK hat 30 Mitarbeiter) angeboten, teils aber auch von Glasfachschulen oder Firmen.

»Farbglas ist eine Nische. Wir sind groß geworden über die Bastelbranche und haben uns im Profibereich profiliert. Basteln ist durch das Handy ersetzt worden. Menschen wollen schnelle Ergebnisse und sich nicht mehr 200 Stunden mit einer Tiffanylampe beschäftigen«, meint Frisch.

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