Do., 23.05.2019

Studie zur Flächennutzung vorgestellt – separate Zugänge für Polizei und Besucher Wohin mit der Stalag-Gedenkstätte?

Mitglieder des Lenkungskreises haben im September des Vorjahres auch vor der Entlausungsbaracke beraten: (von links) Hans Wupper-Tewes, Landeszentrale für politische Bildung, Oliver Nickel, Leiter der Gedenkstätte, Landtagspräsident André Kuper und Wolfgang Günther vom Landeskirchlichen Archiv der evangelischen Kirche. Die Entlausung sollte Bestandteil einer neu gestalteten Gedenkstätte sein, empfiehlt die jetzt im Stadtrat vorgestellte Studie. Der Lenkungskreis tagt am Montag.

Mitglieder des Lenkungskreises haben im September des Vorjahres auch vor der Entlausungsbaracke beraten: (von links) Hans Wupper-Tewes, Landeszentrale für politische Bildung, Oliver Nickel, Leiter der Gedenkstätte, Landtagspräsident André Kuper und Wolfgang Günther vom Landeskirchlichen Archiv der evangelischen Kirche. Die Entlausung sollte Bestandteil einer neu gestalteten Gedenkstätte sein, empfiehlt die jetzt im Stadtrat vorgestellte Studie. Der Lenkungskreis tagt am Montag. Foto: Monika Schönfeld

Von Bernd Steinbacher

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Die Gedenkstätte Stalag 326 und das Polizeiausbildungsinstitut auf einem Gelände – dieser Zustand soll der Vergangenheit angehören. Das sieht eine Studie der Hochschule OWL vor.

Die von Stadt und Kreis in Auftrag gegebene Studie stellte Professor Oliver Hall im Stadtrat vor. Bürgermeister Hubert Erichlandwehr sagte am Dienstagabend, dass die Studie im Lenkungskreis vorgestellt und beraten werden muss. Der Lenkungskreis tagt am kommenden Montag im Rathaus.

Die Studie ist ein vorbereitender Baustein, um zu klären, wie die Flächen auf dem Polizeischulgelande genutzt werden können. Sie fließt in eine Machbarkeitsstudie ein, in der es um inhaltliche Fragen der Gedenkstätte geht. Die Machbarkeitsstudie entsteht in Regie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe.

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Die Studie ist eine Diskussionsgrundlage und keineswegs als abschließend zu verstehen.

Oliver Hall

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Der Wissenschaftler erläuterte verschiedene Varianten. Der Studie nach sind insbesondere zwei denkbar, die Gedenkstätte frei zugänglich zu gestalten. Erreichbar sein könnte das Gelände der Gedenkstätte entweder vom Lipp­städter Weg oder vom Emsweg aus. Das Lager sei nicht mehr zu erleben, aus der Zeit vorhandene historische Gebäude, wie die Baracke, die jetzige Gedenkstätte und die Entlausung, sollten in die Gedenkstätte einbezogen werden. Charakteristisch sei auch die Lagerstraße. Im nördlichen Bereich des Polizeischulgeländes gebe es Entwicklungsflächen für die Gedenkstätte. »Die räumliche Analyse ist in einem sechsmonatigen Prozess entstanden, mit Feedback aus dem Lenkungskreis. Die Studie ist eine Diskussionsgrundlage und keineswegs als abschließend zu verstehen«, betonte Hall.

Polizei braucht Verkehrsübungsplatz

Die Polizei will nach seinen Worten ihre Gebäude weiterentwickeln und einen Verkehrsübungsplatz anlegen. Sie legt Wert darauf, dass Gedenkstätte und Polizeigelände räumlich voneinander getrennt sind. Deshalb wäre eine neue Zufahrt für die Polizeischule notwendig. Detailliert führt die Studie auf, welche Polizeigebäude im Bau oder noch geplant sind.

Zu beachten sind auch Aspekte des Umweltschutzes. Innerhalb der Liegenschaft befinden sich Biotope. Für zu entfernende Gehölzgruppen sind Ausgleichsmaßnahmen notwendig.

Die Studie wurde vom »Urban Lab«, der interdisziplinären Stadt- und Quartiersforschung der Technischen Hochschule OWL erstellt und beinhaltet auch Ideen, wie die Gedenkstätte aussehen könnte. Dazu zählt die Verlegung der Lagerkirche in den nördlichen Teil des Grundstücks, also Richtung Lippstädter Weg, Neubauten, die Andeutung ehemaliger Baracken durch Giebelwände. Die Flächen dazwischen könnten für Ausstellungszwecke genutzt werden. Die Gedenkstätte sollte auch aus Ost- und Westrichtung fußläufig zugänglich sein, um Verbindungen zu schaffen, zum Beispiel zum Ehrenfriedhof.

Regional einbinden

Die regionale Einbindung wäre wichtig. »Der Radweg R1 ist direkt vor der Haustür, der führt bis Russland. Im Lager waren russische Gefangene. Man kann bis Russland denken«, sagte Hall. Eingebunden werden könnten in eine Gedenklandschaft der Bahnhof Hövelhof, das Lazarett Staumühle, der Russenpatt und die Waschstelle in der Ems. Vorstellbar sei die Entwicklung als ein Projekt der Regionale 2022, so Hall.

Für die Studie gab es vom Bürgermeister und Ratsmitgliedern viel Lob. Klaus Dirks (CDU) sagte auch, dass die Vision viel Charme habe. »Viele Fragen sind offen, zum Beispiel die Finanzierung und Eigentumsfragen.« Bürgermeister Erichlandwehr betonte, dass viele weitere Gespräche mit Nachbarkommunen, Kreis Gütersloh, Kreis Paderborn und in der Lenkungsgruppe geführt werden müssten. Die Idee Regionale-Projekt sei reizvoll, doch irgendwann »kommt es zum Schwur wegen der Finanzierung«.

Ein Kommentar von Bernd Steinbacher

Es dauerte lange, bis sich die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass die Dokumentationsstätte Stalag 326 in Stukenbrock-Senne eine Gedenkstätte von nationaler und sogar internationaler Bedeutung ist.

Nach den vielen schönen Worten seit dem Besuch von Bundespräsident Joachim Gauck liegen nun mögliche Varianten auf dem Tisch, wie eine solche Gedenkstätte aussehen könnte. Am Montag berät der Lenkungskreis erneut.

Und wer bezahlt? Bis diese Frage beantwortet sein wird, muss die Arbeit der Gedenkstätte weiter gehen. Der Leiter der Einrichtung, Oliver Nickel, steht mittlerweile aber mit einer geringfügig beschäftigten Sekretärin und ein paar ehrenamtlichen Kräften, die nicht alles schaffen können, allein auf weiter Flur. Wenn die Gedenkstätte so bedeutend ist, benötigt sie sofort mehr Personal, um die wichtigen Bildungsaufgaben wahrnehmen und Angehörigen-Anfragen beantworten zu können. Es kann doch nicht sein, dass – bis große, aber angemessene Pläne hoffentlich umgesetzt werden – die Gedenkstätte Stalag nur auf Sparflamme funktioniert.

 

 

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