Fr., 24.05.2019

Hitzige Diskussionen bei einer Podiumsdiskussion zur Situation in Ostwestfalen – mit Video Experten: Wolfsgesetz ein Schnellschuss

Der Wolf bleibt auch in Ostwestfalen-Lippe ein Zündstoffthema.

Der Wolf bleibt auch in Ostwestfalen-Lippe ein Zündstoffthema. Foto: dpa

Von Christian Bröder

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Nachdem sein Abschuss in Deutschland am Mittwochvormittag per Kabinettsbeschluss erleichtert wurde, geriet der Wolf am selben Abend in Schloß Holte verbal in die Schusslinie. Die FDP Ostwestfalen hatte zu einer Podiumsdiskussion geladen.

Befürworter und Gegner lieferten sich unter dem Titel »Der ›böse‹ Wolf ist zurück in Ostwestfalen-Lippe« zum Teil hitzig geführte Wortgefechte und beschäftigten sich mit der Kernfrage: Was ist zu tun? Im Mittelpunkt der Kritik von allen Seiten stand dabei auch der Kabinettsbeschluss zur »Lex Wolf« über den vereinfachten Abschuss .

FDP will eigenen Entwurf im Bundestag zur Debatte bringen

»Der Gesetzentwurf ist doch mit der heißen Nadel gestrickt worden«, sagte FDP-Jagdexperte Karlheinz Busen (68). Die Bundesregierung habe seinem Anschein nach »riesige Panik vor den anstehenden Wahlen« und dem eigenen Gesetzentwurf der FDP-Fraktion zuvor kommen wollen. Dieser sehe auch vor, so der Münsterländer, dass die Jagd auf Wölfe in bestimmten Gebieten generell zulässig sein kann und solle trotz geringer Erfolgsaussichten im Bundestag debattiert werden.

Kritik: Verbänden zu wenig Zeit für Reaktionen gelassen

Auch in den Augen von Thomas Pusch, Wolfsbotschafter und Sprecher im NRW-Verband des Naturschutzbundes (Nabu), hat der Gesetzentwurf zur Freigabe der Jagd auf Wölfe »eine Menge Knackpunkte, die so nicht richtig sind« und für eine »gewisse Form der Rechtsunsicherheit« sorgen könnten. Der 54-Jährige aus Oerlinghausen, der sich für leistbaren, flächendeckenden Herdenschutz und ein umfangreiches Wolfsmanagement stark machte, kritisierte auch das zeitliche Zustandekommen: »Unser Verband hat am vergangenen Sonntag vom Entwurf erfahren und nur einen Tag Zeit gehabt, um Stellung dazu zu nehmen.«

Nutztierhalter sehen viele praktische Probleme

Standpunkte aus Sicht der Landwirte steuerte Schweinemäster Hubertus Beringmeier bei. Der 57-Jährige stellte fest, dass OWL aktuell kein Brennpunkt für Wölfe darstelle, mahnte »als Mandatsträger für Nutztierhalter« jedoch im Hinblick auf mögliche Rudelbildungen an: »Wir müssen uns schon heute Gedanken darüber machen, wie wir die Tiere auf den Wiesen und Weiden schützen. Das ist für uns mit vielen praktischen Problemen verbunden.«

Hat jeder Vierte Landbewohner Angst vor dem Wolf?

Nach 180 Jahren wolfloser Zeit in OWL sei erstmalig im Jahr 2015 wieder ein Tier am Oppenweher Moor (Kreis Minden-Lübbecke) gesichtet worden, skizzierte der FDP-Bezirksvorsitzende Frank Schäffler die hiesige Lage. »2017 wurde ein Wolf bei Petershagen vom Auto überfahren, seit 2018 ist die Senne von der NRW-Landesregierung zum zweiten Wolfsgebiet in NRW erklärt worden.« Sichtungen von Tieren gab es zuletzt Ende April in Willebadessen (Kreis Höxter) und Rietberg (Kreis Gütersloh). Schäffler verwies zudem auf eine Meinungsumfrage, nach der jeder vierte Landbewohner Angst vor dem Wolf hat.

Etwaige Befürchtungen wurden auch unter den 80 Besuchern geäußert: » Was ist, wenn ich stolpere und zum gefundenen Fressen werde? « Einige Antworten blieb der Abend schuldig, doch er machte einmal mehr deutlich, dass der Wolf auch in OWL zukünftig Zündstoffthema bleibt.

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