Mo., 27.05.2019

VfB Schloß Holte feiert 100-jähriges Bestehen Wie eine große Familie

Mario Lüke, Elmar Brok, Marco Hagemann und Sören Brandy (von links) freuen sich über das Jubiläum 100 Jahre VfB Schloß Holte und haben viel Spaß dabei, eine Anekdote nach der anderen beizusteuern.

Mario Lüke, Elmar Brok, Marco Hagemann und Sören Brandy (von links) freuen sich über das Jubiläum 100 Jahre VfB Schloß Holte und haben viel Spaß dabei, eine Anekdote nach der anderen beizusteuern. Foto: Carina Teckentrup

Von Carina Teckentrup

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). 120 Sportsfreunde haben am Sonntag das Jubiläum 100 Jahre VfB Schloß Holte im blau-weiß dekorierten Festzelt an der Oerlinghauser Straße gefeiert.

Norbert Flaskamp (links) überreicht dem VfB-Vorsitzenden Thorsten Große die Ehrentafel des Deutschen Fußball-Bundes.  Foto: Carina Teckentrup

Elmar Brok, ehemaliger Abgeordneter des Europaparlaments, gab Anekdoten zum Besten und plauderte mit Moderator Mario Lüke über Politik und Fußball. Die unterhaltsame Gesprächsrunde komplettierten Marco Hagemann, der als Sportmoderator mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet worden ist, und Noch-Armine Sören Brandy.

Einen emotionalen Start in die Veranstaltung gelang dem VfB mit der Premiere seiner Stadionklänge (das WESTFALEN-BLATT berichtete am 6. Mai). »Das Gemeinschaftsgefühl wird hier groß geschrieben«, sagte Lüke, bevor das von Jannik Stodiek zusammengeschnittene Video auf der Leinwand im Festzelt zu sehen war.

VfB-Vorsitzender Thorsten Große blickt in die Zukunft. »Der Verein hat Potenzial. Ein Ziel wäre ein Kleinfeld mit einer Bande zum Kickern. Ich habe Wünsche, aber es wird fair abgestimmt.«

Mario Lüke, Elmar Brok, Astrid Plaßhenrich, Marco Hagemann, Thorsten Große und Sören Brandy freuen sich über 100 Jahre. Foto: Carina Teckentrup

Reise in die Vergangenheit

Zusammen mit VfB-Chronistin Astrid Plaßhenrich reisten die Gäste in die Vergangenheit. 1919 habe zunächst das Turnen im Vordergrund gestanden. Als DJK (Deutsche Jugendkraft) seien die ersten Fußball-Auswärtsspiele mit dem Fahrrad angesteuert worden. »In der Zeit des Nationalsozialismus ist die katholische DJK verboten worden. Elmar Broks Vater Ferdinand hat die Standarte vor den Nazis versteckt und somit glücklicherweise gerettet«, berichtet Plaßhenrich. »In der Nachkriegszeit haben die Alliierten schnell gemerkt, dass ein Verein jede Bevölkerungsschicht erreichen kann und so zum Platz für Demokratie wird.« 1963 schaffte der VfB den ersten Landesliga-Aufstieg – dem Jahr, in dem der VfB sein jetziges Gelände bekam.

Olympionikin für den Volleyball

Glück hatte der Verein bei der Gründung der Volleyballabteilung, die ihr 40-jähriges Bestehen feiert. »Da ist mit Annette Steikert eine Olympionikin auf uns zugekommen und hat die Eröffnung der Volleyballsparte initiiert.«

Bürgermeister Hubert Erichlandwehr gratulierte. »Sport bereitet nicht nur Freude, er bietet Leidenschaft und Gemeinschaft. Gemeinschaft macht stark. Der Verein trägt als Baustein zum guten Miteinander in der Stadt bei.«

Norbert Flaskamp ließ es sich als stellvertretender Kreisvorsitzender des Fußball- und Leichtathlethikverbands Westfalen nicht nehmen, dem VfB eine Urkunde sowie eine Ehrentafel des DFB zu überreichen. Ex-Fußballprofi Ewald Lienen kickte auch einmal beim VfB und dankte dem Verein in einer Videobotschaft: »Ohne die Betreuer, Trainer und Spieler, die fast mein Familienersatz waren, und den VfB hätte ich diese Karriere nie eingeschlagen und wäre nicht dieser Mensch geworden.«

Elmar Brok sagte, er habe sich schon »als Mitglied der Jungen Union in den 60er-Jahren hier rumgetrieben. Wahre Freunde kommen aus der Jugendzeit und einen Großteil meiner Freunde habe ich hier kennengelernt.« Mit dem VfB ist Brok familiär verbunden: Vater und Onkel waren Vorsitzende.

Stadionsprecher und freier Mitarbeiter

Einen Grundstein für seine spätere Karriere legte Marco Hagemann ebenfalls beim VfB. Wie Mario Lüke war auch er Stadionsprecher und arbeitete beim WESTFALEN-BLATT – in der Zeit, als noch Musikkassetten abgespielt und Fotofilme noch selbst entwickelt wurden. Profifußballer Sören Brandy feierte am Samstagabend noch die Hochzeit seines Bruders Torben, der bei Schwarz-Weiß Sende eine tragende Rolle in der Fußball-Bezirksliga spielt. »Meine Anfangszeit hier war schön und die Rückkehr in meine Heimat im Herbst meiner Karriere war ein absoluter Jackpot.« Bis zur D-Jugend spielte er bei den Holter Löwen. Am 30. Juni läuft sein Vertrag bei Arminia Bielefeld aus.

Zustimmung erntete Brok bei seiner Sicht über Mannschaftssportarten: »Man merkt, wo man führen oder sich unterordnen muss – über alle Gesellschaftsschichten hinweg. Wenn ein Arzt-Sohn mit dem Migrantenkind zusammenspielt, bleibt man mit den Füßen am Boden. Das ist eine Schule, die man in der Schule nicht bekommt.«

Geständnisse der Prominenten

Bürgermeister Hubert Erichlandwehr über seine Beziehung zum Fußball: »Mit acht oder neun Jahren hat mich mein Bruder, der Trainer war, gegen eine Frau ausgewechselt. Ich habe dann lieber zur Trompete gegriffen und ihm diesen Schritt verziehen. Die Frau, die er damals eingewechselt hat, ist seine Frau geworden.«

Elmar Brok über Freizeitstress: »Dechant Brill legte die Andacht so, dass wir den Anstoß verpassten. Es gab immer ein wildes Fahrradrennen von der Kirche zum Fußballplatz.«

..und über sein Fehlverhalten beim Fußball: »In der A-Jugend habe ich eine rote Karte für unsportliches Verhalten kassiert. Wir haben schon zweistellig zu Null geführt und ich habe mit dem Torhüter am Pfosten gelehnt und Zeitung gelesen.«

Der spätere Europaabgeordnete spielte in Paderborn, kehrte im Jahr seines Abiturs zum VfB zurück: »Ein Spieler ist ausgefallen, ich sollte aber vor meiner Prüfung nicht spielen. Meine Tasche habe ich dann aus dem Fenster heruntergelassen, ein anderer hat sie abgeholt. Blöd nur, dass ich aufgeflogen bin, weil ich das 2:1 geschossen habe.«

Marco Hagemann auf die Frage, wann er gemerkt habe, dass es beim ihm nicht für eine Profikarriere im Fußball reicht: »Beim ersten Ballkontakt.«

Sören Brandy auf die Frage, was er jungen Spielern sage, die Profi werden wollen: »Auf Pollhans ein oder zwei Bierchen weniger trinken.«

 

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