Mo., 27.05.2019

Pausenbrot-Fall: Detlev Binder vertritt Klaus O. und geht in Revision Der Anwalt kennt das Motiv

Klaus O. muss für versuchten Mord lebenslang ins Gefängnis.

Klaus O. muss für versuchten Mord lebenslang ins Gefängnis. Foto: Wolfgang Wotke

Von Wolfgang Wotke

Schloß Holte-Stukenbrock/Bielefeld (WB). Der verurteilte Pausenbrot-Vergifter Klaus O. will sich mit seiner lebenslangen Haftstrafe nicht abfinden. Der 57-jährige Werkzeugmacher aus Schloß Holte-Stukenbrock hat jetzt den Bielefelder Rechtsanwalt Dr. Detlev Binder beauftragt, in Revision zu gehen.

»Ich sehe durchaus drei bis vier Angriffspunkte, um das Urteil anzufechten«, bestätigt Binder dem Westfalen-Blatt. Genaueres könne er erst in vier Wochen sagen.

Für versuchten Mord mit vergifteten Pausenbroten am Arbeitsplatz ist Klaus O. im März zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Darüber hinaus ordnete das Landgericht Bielefeld Sicherungsverwahrung für den Familienvater an, da die Richter von einem Hang zu weiteren, schweren Straftaten ausgehen. Zusätzlich ist die besondere Schwere der Schuld festgestellt worden. Das ist die höchste Strafe, die ein Gericht in Deutschland verhängen kann. O. wurde auch der schweren und der gefährlichen Körperverletzung schuldig gesprochen.

»Zeitliche Perspektive« aufgezeigt

Von seinen beiden Pflichtverteidigern aus der Hauptverhandlung, Henning Jansen und Christina Peterhanwahr, hat sich Klaus O. getrennt und Detlev Binder gebeten, seinen Fall zu übernehmen. »Ich habe ihm mitgeteilt, dass ich das nur machen kann, wenn ich Wahlverteidiger bin. Das hat er akzeptiert«, erklärt der Jurist. Er sei bereits drei mal in der Justizvollzugsanstalt gewesen und habe mit Klaus O. lange gesprochen. Er habe ihm seine »zeitliche Perspektive« der bisherigen Strafe aufgezeigt. »Wir sprechen hier von mindestens 23 Jahren, die er absitzen muss. Dazu kommt noch die Sicherungsverwahrung.«

Binder betont, dass Klaus O. keine Chance bekommen werde, um aus der Sicherungsverwahrung jemals entlassen zu werden, wenn er weiterhin schweige, so wie bis zum letzten Verhandlungstag. Denn: Über das Motiv rätseln das Gericht, die Ermittler und auch die Öffentlichkeit bis heute. »Einige seiner Taten sind gefilmt worden, also ist der Tatnachweis zu 100 Prozent vorhanden. Hätte er sich dazu geäußert, wäre sein Handeln für das Gericht vielleicht nachvollziehbar gewesen.«

»Ohne wenn und aber«

Mittlerweile, so Detlev Binder, kenne er das Motiv. Nach den Gesprächen mit Klaus O. könne er sich in sein Handeln hineinversetzen und nachempfinden. Das alles will Binder jedoch noch nicht öffentlich machen, sondern in seinem Revisionsantrag einarbeiten. Die Familie von Klaus O. halte nach wie vor zu ihm. »Ohne wenn und aber.«

Für die Revision ist der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe zuständig. Der BGH erhebt dabei – anders als ein Berufungsgericht – im Regelfall keine Beweise. Es entscheidet nur darüber, ob das Urteil des Landgerichts auf Rechtsfehlern beruht. Binder: »Es gibt durchaus Ansatzpunkte, das Urteil anzugreifen. Die Bundesrichter können rechtlich anderer Auffassung sein und dann das Urteil vollständig aufheben.« Dann könne es zu einer Neuverhandlung kommen.

Mindestens drei Kollegen von O. wurden mit Blei, Cadmium und Quecksilber vergiftet, zwei erlitten schwerste Nierenschäden. Nick N. (24) liegt seit zwei Jahren im Wachkoma. Sein Gehirn ist irreparabel geschädigt. Er wird von seinen Eltern gepflegt.

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