Mi., 12.06.2019

Neuntklässler der Gesamtschule vermitteln ihre Gedanken zum Projekt »Anne Frank 90« Ausgegrenzt, versteckt und gestorben

Juden sind diffamiert und ausgegrenzt worden. Das zeigen (von links) Amelie-Marie, Antonia, Lea Sophie, Fabienne und Leonie. Sie haben Plakate mit den Verboten gemalt, die die Nationalsozialisten damals erlassen haben.

Juden sind diffamiert und ausgegrenzt worden. Das zeigen (von links) Amelie-Marie, Antonia, Lea Sophie, Fabienne und Leonie. Sie haben Plakate mit den Verboten gemalt, die die Nationalsozialisten damals erlassen haben. Foto: Monika Schönfeld

Von Monika Schönfeld

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). »Es macht uns stolz, dass die Gesamtschule als eine von 250 Schulen bundesweit für den Aktionstag ausgewählt wurde.« Das sagen die Lehrerinnen Elif Sever, Katharina Eckert und Nida Gondal. Sie und das Lehrerteam haben 90 Schüler der Jahrgangsstufe 9 auf »Anne Frank 90« vorbereitet.

Jede der sieben Stationen der »Ausstellung« ist mit drei Schülerteams besetzt. Am Mittwoch waren die Stationen am Standort Jahnstraße für die Klassen 5 bis 7 aufgebaut, abends wurde alles eingepackt und für diesen Donnerstag am Standort Hallenbad aufgebaut, wo die Klassen 8 und die nicht beteiligten Neuntklässler geführt werden. Nachmittags steht die Ausstellung den Bürgern offen.

Anne Frank wäre am 12. Juni 90 Jahre alt geworden. Das Mädchen starb 1945 im Alter von 15 Jahren im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Zwischen 1942 und 1944 schrieb sie in einem Versteck ihr Tagebuch.

Selbst inszeniert

»Als Anne Frank das Tagebuch geschrieben hat, war sie ungefähr in dem Alter, in dem unsere Schüler sind. Sie können nachvollziehen, wie es gewesen sein muss, verfolgt zu werden und sich lange Zeit versteckt zu halten«, sagen die drei Lehrerinnen. Vier Deutschkurse der 9. Klassen hatten das Tagebuch der Anne Frank gelesen und sich damit auseinandergesetzt, wie sie das Thema ihren Mitschülern vermitteln können. »Vom Anne-Frank-Zentrum Berlin haben wir nur die Plakate. Für die einzelnen Stationen haben die Neuntklässler selbst Darstellungsformen gefunden«, sagt Nida Gondal.

So sehen die Schüler Kinderfotos von Anne, ihrer Mutter und Schwester. An den Stationen erhalten sie die Informationen, um die Fragen auf dem Arbeitsblatt zu beantworten. An der zweiten Station hören und sehen sie die Nachricht von der Machtergreifung und der Judenverfolgung. »Deutsche, kauft nicht bei Juden!« und ähnliche Aufforderungen hat eine weitere Gruppe auf Plakate gemalt und erklärt, was es mit dem Judenstern auf sich hat. Schauspieler zeigen an der nächsten Station, wie das Leben im Versteck abläuft.

Schattenspiel

Im Schattenspiel werden die letzten Monate und der Tod Anne Franks dargestellt. Ausschnitte aus dem Tagebuch-Roman lesen Schüler in der Bibliothek. An der letzten Station schreiben die Schüler auf, was sie selbst gegen Ausgrenzung und Mobbing tun können. Sie finden Beispiele und notieren, warum es wichtig ist, heute noch über den Holocaust zu sprechen. »Das darf nie wieder passieren«, steht auf vielen Zetteln. Die Zettel werden an einen großen Spiegel im Foyer gepappt. Diese Schülergedanken bleiben noch einige Tage stehen.

Beeindruckend sind die eigenen Erfahrungen. Eine russischstämmige Schülerin berichtet, dass sie sich oft unerwünscht vorkommt. Eine Fünftklässlerin habe gesagt, sie sei so beeindruckt, dass sie gerne das Anne-Frank-Haus in Amsterdam besuchen würde. Die Gesamtschule ist seit 2018 »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage«.

Ein Kommentar von Monika Schönfeld

Weil es wichtig ist, selbst etwas zu tun... Das ist eine der Antworten der Schüler auf die Frage, warum sich junge Leute heute mit dem Holocaust beschäftigen sollten. Anne Franks Geschichte ist so eindringlich, weil das Mädchen damals so alt war, wie die Schüler heute. Deshalb können sie nachvollziehen, wie es ist, ausgegrenzt, angeprangert und von allem getrennt zu werden. Die Gesamtschule nimmt »Schule ohne Rassismus« ernst. Eine von bundesweit 250 Schulen zu sein, die »Anne Frank 90« bearbeiten, ist eine Ehre.

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