Fr., 14.06.2019

»Großer Schatz« in der zukünftigen Trägerstruktur der Gedenkstätte Stalag Förderverein erwartet Sitz und Stimme

Der Vorstand des Fördervereins der Gedenkstätte Stalag (vor dem Arrestgebäude) will seine Rolle in einer Trägerkonstruktion definieren: (von links) Kai Stenzel, Elisabeth Bultmann, Vorsitzender Manfred Büngener, Jürgen Spieß und Oliver Nickel.

Der Vorstand des Fördervereins der Gedenkstätte Stalag (vor dem Arrestgebäude) will seine Rolle in einer Trägerkonstruktion definieren: (von links) Kai Stenzel, Elisabeth Bultmann, Vorsitzender Manfred Büngener, Jürgen Spieß und Oliver Nickel. Foto: Monika Schönfeld

Von Monika Schönfeld

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). In einer künftigen Trägerstruktur für die Gedenkstätte Stalag 326 will der bisherige Förderverein ein gewichtiges Wort mitreden. Das haben Vorstand und Geschäftsführer während der Mitgliederversammlung am Mittwoch deutlich gemacht.

»Wir sind der bisherige Trägerverein«, sagt Geschäftsführer Oliver Nickel. »Wir bringen ein großes Vermögen ein.« Das Vermögen sei einerseits die Expertise. In mehr als 25 Jahren Tätigkeit sind Kontakte entstanden, museale und vor allem pädagogische Konzepte für den Bildungsort am Original-Schauplatz der Geschichte. Zudem verwaltet der Förderverein die archivarische Sammlung aus mehr als einer halben Million Dokumenten, mehr als 1000 Fotos, die Günter Potthoff, Bringfried Schubert und Ludwig Teichmann gesammelt haben. Günter Potthoff hat zudem eine Bibliothek gestiftet. Eine einmalige Sammlung »schöner Objekte« liege vor. »Nichts davon werden wir aus den Händen geben«, sagt Nickel.

Positionspapier zur Zukunft

Während der Versammlung hat sich eine Arbeitsgruppe gebildet, die ein Positionspapier zur Zukunft des Fördervereins verfassen wird. »Der Förderverein unterstützt die Idee der Neukonzeption der Gedenkstätte sowie die Arbeit des Lenkungskreises«, so Nickel. In die fachwissenschaftliche und gedenkstättenpädagogische Ar­beit wollen die Ehrenamtlichen eingebunden werden.

Bürgermeister Hubert Erichlandwehr als Gast der Mitgliederversammlung sagte, die Kulturdezernentin des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Barbara Rüschoff-Parzinger, habe betont, dass sie auf den Förderverein zähle. »Wenn es den Förderverein nicht gäbe, müssten wir ihn erfinden.«

Das Jahr 2019 sei mit wesentlich weniger Personal und weniger Projekten gestartet, berichtete der Vorsitzende des Fördervereins, Manfred Büngener. Ausgelaufen seien die Projekte, die Jens Hecker und Ulrike Pastoor betreut haben. Beide seien arbeitslos geworden. Allerdings erstellt Ulrike Pastoor jetzt mit einem neuen Vertrag bis Ende des Jahres einen Sammelband zum Sozialwerk mit 15 Beiträgen. Jens Hecker, so hoffen alle, werde zum 1. Juli beim Landschaftsverband (LWL) angestellt und Verbindungsmann zum Förderverein der Gedenkstätte. »Er müsste hier auf dem Gelände ein Büro bekommen«, meint Büngener. »Ich bin ein Verfechter klarer Strukturen. Der Förderverein erwartet Stimme und Sitz im neuen Trägerverein.« Der Förderverein hat 70 Mitglieder plus zehn neuer Mitglieder aus der jüngeren Generation.

3000 Besucher im vergangenen Jahr

3000 Besucher waren 2018 in der Ausstellung und auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof. Vier Ehrenamtliche machen die Führungen, dankt Büngener den engagierten Menschen. »Wir sind zu wenige«, sagt Elisabeth Bultmann aus dem Vorstand. Oliver Nickel betont, dass die Schicksalsklärung viel Zeit in Anspruch nehme. Die Angehörigenarbeit sei wichtig wie auch die Bildungsarbeit mit jungen Menschen.

Die Technische Hochschule OWL, die bereits die Varianten für eine künftige Gedenkstätte vorgestellt hat, präsentiert am Mittwoch, 17. Juli, ab 15.45 Uhr 22 Modelle, die zeigen, wie sich eine Gedenkstätte mit Gebäuden am bisherigen Standort, aber abgetrennt vom Gelände der Polizeischule, in Zukunft entwickeln könnte. Das soll die Grundlage für weitere Diskussionen liefern.

Ein Kommentar von Monika Schönfeld

So ist es richtig: Gleich zu Beginn eines Prozesses, der einiges umkrempeln wird, macht der Förderverein der Gedenkstätte deutlich, welche Rolle er sich künftig vorstellt. Seit 26 Jahren hält der Förderverein die Arbeit aufrecht, sammelt, dokumentiert, informiert Besucher, betreibt in Zusammenarbeit mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und dem Haus Neuland Bildungsarbeit mit Schulklassen. Ganz wichtig ist auch die Arbeit mit Angehörigen, 100 kommen im Jahr und suchen nach Spuren ihrer Väter und Großväter. Schon mehr als 50 Jahre kümmert sich der Arbeitskreis Blumen für Stukenbrock um den Ehrenfriedhof, dem Manfred Büngener seine Hochachtung zollt. Die Arbeit war immer die der kleinen Schritte. Eine klare Absage erteilen Förderverein und Bürgermeister »Wolkenkuckucksheimen«, überdimensionierten Vorstellungen, die von manchen in die Diskussion geworfen werden, die sich gern mit dem schmücken würden, was andere aufgebaut haben.

 

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