So., 16.06.2019

»Demokratie erleben«: Auftakt mit knapp 40 Engagierten Jeden Tag das Bewusstsein schärfen

Gastgeber der Demokratiekonferenz: (von links) Christiane Vornholt (Fachbereich Soziales), Bürgermeister Hubert Erichlandwehr, VHS-Leiter Josef Lieneke, Beigeordneter Bernd Gebauer, Koordinatorin Jelena Jaissle, Sebastian Fuchs und Barbara Fleiter.

Gastgeber der Demokratiekonferenz: (von links) Christiane Vornholt (Fachbereich Soziales), Bürgermeister Hubert Erichlandwehr, VHS-Leiter Josef Lieneke, Beigeordneter Bernd Gebauer, Koordinatorin Jelena Jaissle, Sebastian Fuchs und Barbara Fleiter. Foto: Monika Schönfeld

Von Monika Schönfeld

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Demokratie mit Leben zu erfüllen – diesem Ziel haben sich knapp 40 Bürger verschreiben, die sich aktiv mit Projekten beteiligen wollen. Die Demokratie-Konferenz am Donnerstag im Rathaus war der Auftakt der »Partnerschaft für Demokratie«.

Schloß Holte-Stukenbrock ist eine von 300 Städten deutschlandweit, die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms »Demokratie fördern!« mit dieses Jahr 100.000 Euro unterstützt wird.

»Die Vielfalt in der Stadt ist wichtig. Das Bewusstsein für die Staatsform der Demokratie muss immer wieder geschärft werden«, sagte Bürgermeister Hubert Erich­landwehr. »Man mag sagen: Bei uns ist doch alles friedlich. Also ist doch alles gut! Aber wenn man etwas tiefer schaut, sieht man, dass wir vor fünf oder sechs Jahren Probleme hatten. Auf Straßenschildern hatten wir häufig rassistische Aufkleber. Im Rat haben wir dann einstimmig eine Resolution gegen Rechts verabschiedet.« Erichlandwehr wies darauf hin, dass in Schloß Holte-Stukenbrock ein besonderer Ort der Geschichte sei. »In der Gedenkstätte Stalag kann man nachvollziehen, was passieren kann, wenn die Demokratie verloren geht.« Gerade im 70. Jahr des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland sei es wichtig, Bewusstsein zu schaffen, dass jeden Tag an der Demokratie gearbeitet werden muss.

Ideen entwickelt

Koordinatorin für das Projekt »Demokratie erleben« ist Jelena Jaissle, die bei der Volkshochschule angesiedelt ist. »Das Projekt ist erst mal für ein Jahr bis Ende 2019 bewilligt. Wir bereiten aber einen Projektantrag für die nächsten fünf Jahre vor. Ob der Antrag gestellt wird, entscheiden die politischen Gremien.«

Mit knapp 40 Interessierten waren mehr Leute zum Auftakt gekommen, als Jelena Jaissle erwartet hat. »Vertreten sind das Jugendparlament, Vertreter der Parteien, der Flüchtlingshilfe St. Johannes Baptist, der Arbeiterwohlfahrt, des Evangelischen Jugendhauses, der Caritas, der Gedenkstätte Stalag, des Vereins Generationen Vielfalt, der Gesamtschule und des Gymnasiums und persönlich interessierte Bürger«, sagt Jaissle. »Die Grundstimmung ist positiv, die Bürger haben in vier Gruppen miteinander diskutiert und Ideen entwickelt.«

Diese Ideen sollen jetzt aufgearbeitet werden. Der Begleitausschuss, dem sich viele Teilnehmer angeschlossen haben, trifft sich wieder am 11. Juli. dann sollen Strategien und Handlungsfelder festgelegt werden. »Wir entscheiden dann gemeinsam über Projekte, die durch das Programm gefördert werden.« Ab Juli soll es eine Internetseite geben, auf der alle Informationen gebündelt werden.

Toleranz und Teilhabe

Federführend ist der Fachbereich Soziales in der Stadtverwaltung mit Leiterin Christiane Vornholt und Barbara Fleiter. Der Träger der Koordinierungsstelle ist die Volkshochschule. VHS-Leiter Josef Lieneke sagte, die Volkshochschule werde die Veranstaltungen von »Demokratie erleben« in den Veranstaltungskalender aufnehmen und damit für eine breite Streuung sorgen.

Vielfalt, Toleranz, Teilhabe und Demokratie waren die Themen der einzelnen Diskussionsgruppen. Daraus sollen sich Werkstätten entwickeln, in denen die Projekte bearbeitet werden.  Mit dabei war Sebastian Fuchs, Programmberater für das Projekt beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben.

Ein Kommentar von Monika Schönfeld

Das Projekt »Demokratie erleben« hat ein bisschen Anlauf gebraucht. Ein Kunstprojekt mit Bürgern am Tag der Europawahl, das im Bürgerpark geplant war, wurde damals kurzfristig mangels Besucher abgesagt.

Die inhaltliche Arbeit scheint aber echtes Interesse erzeugt zu haben. Koordinatorin Jelena Jaissle und Christiane Vornholt und Barbara Fleiter aus dem Fachbereich Soziales haben jedenfalls an einem heißen Sommerabend nicht mit fast 40 Menschen gerechnet.

Da waren einige gekommen, die sich bereits durch die Arbeit für die Gemeinschaft ausgezeichnet haben. Schloß Holte-Stukenbrock als Ort der Demokratie, bunt und vielfältig – das kommt nicht von alleine.

Mit der Gedenkstätte Stalag haben wir hier einen historischen Ort, der bezeugt, was passieren kann, wenn andere ausgegrenzt und verfolgt werden. Die Gesamtschule hat das diese Wochen sehr eindringlich im Projekt »Anne Frank 90« gezeigt. Gesamtschule und Gymnasium stehen für Offenheit und gegen Rassismus. Die Schulen legen hier den Grundstein der Auseinandersetzung mit den anderen, die anders sind, aber weder eine Bedrohung darstellen noch einen Sündenbock abgeben. Junge Leute setzen sich sehr wohl damit auseinander und finden so zu einem Zusammenleben. Vertreter des Jugendparlaments waren zur ersten Demokratiekonferenz dabei.

Und viele andere machen mit ihren eigenen Veranstaltungen darauf aufmerksam, dass das Leben bunt ist. Sei es die Flüchtlingshilfe, die AWO mit ihrer Arbeit in der Flüchtlingssozialberatung, aber auch bei der Erziehung in den Kindergärten, seien es die Jugendhäuser, die Caritas oder der Vereinen Generationen Vielfalt – manche tragen ihr Programm schon im Namen.

Sie alle tun etwas und wenn sie ihr Tun miteinander vernetzen können – umso besser. Schön, dass sie für Projekte jetzt auch Geld bekommen können. Denn das ist manchmal ein harter Kampf, der schon mal zweifeln lässt, ob die Arbeit für die Allgemeinheit wirklich wertgeschätzt wird.

Gute Diskussionen und viele Ideen gab es offenbar. Ich bin gespannt, auf welche Richtung sich die Akteure einigen und was dann wie gefördert wird.

 

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