Mi., 17.07.2019

Studenten der Technischen Hochschule OWL zeigen Ideen für ein Besucherzentrum So könnte die Gedenkstätte aussehen

Die Idee vom »Menschenzoo in der Senne« hat Mario Bergen in seinem Gebäude der Aufklärung aufgegriffen.

Die Idee vom »Menschenzoo in der Senne« hat Mario Bergen in seinem Gebäude der Aufklärung aufgegriffen. Foto: Monika Schönfeld

Von Monika Schönfeld

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Zurückhaltend oder deutlich interpretierend, transparent oder wie ein Klosterhof: 25 Studenten zeigen im Entlausungsgebäude der Gedenkstätte Stalag, wie sie sich ein Besucherzentrum vorstellen. Grenzen wurden ihnen nicht gesetzt, um mit ganz unterschiedlichen Ideen die Diskussion zu befeuern. 

Die Machbarkeitsstudie, die Stadt und Kreis in Auftrag gegeben hatten, war der Auslöser für die Studenten, sich intensiv mit einem Besucherzentrum zu beschäftigen. Oliver Hall von der Technischen Universität OWL und das Urban Lab hatten die bezahlte Arbeit geleistet.

Die Professoren Jasper Jochimsen und Tillmann Wagner wollten einen draufsatteln. »Gedenkstätten und Denkmäler wie das Holocaust-Denkmal in Berlin oder Sachsenhausen sind interessante Themen, die städtebaulich herausfordernd sind«, so die Professoren. »Es geht nicht darum, was verwirklicht wird, sondern wie eine Gedenkstätte konzeptionell aufgestellt sein könnte.«

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Es ist besonders interessant, wie die Generation der 20- bis 30-Jährigen damit umgeht. Sie hat einen unbefangenen Zugang zum Thema.

Jasper Jochimsen und Tillmann Wagner

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Ein Semester lang haben sich die Studenten der Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur der TH OWL im Master of Integrated Architectural Design damit auseinandergesetzt, wie Architektur mit der Erinnerung umgehen kann. »Es ist besonders interessant, wie die Generation der 20- bis 30-Jährigen damit umgeht. Sie hat einen unbefangenen Zugang zum Thema«, sagen Wagner und Jochimsen. »Die Konzepte tragen individuelle Handschriften. Wir haben drei Studenten dabei, die aus Syrien geflohen sind. Die haben noch mal einen ganz anderen Zugang zu Themen wie Entortung, Flucht und Gewalt.«

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Die Entwürfe zeigen die Leidenschaft, mit der sich die Studierenden mit dem Stalag 326 und dem Standort auseinandergesetzt haben.

Landtagspräsident André Kuper

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Die ersten, die die Präsentation gesehen haben, waren André Kuper und andere Mitglieder des Lenkungskreises, der den Ausbau zur nationalen Gedenkstätte in die Hand genommen hat. »Die Entwürfe zeigen die Leidenschaft, mit der sich die Studierenden mit dem Stalag 326 und dem Standort auseinandergesetzt haben. Das war nicht Teil des Auftrags. Umso mehr freue ich mich, dass wir die Möglichkeit bekommen haben, über so viele Ansätze nachzudenken.« Kuper findet es ausgezeichnet, dass erstmals das Entlausungshaus mit dieser Ausstellung seine ganze Dimension zeigen kann. »Jeder sollte einmal hier gewesen sein.« Sein Kompliment gilt den Studenten, »die sehr tiefsinnig mit der Geschichte dieses Ortes umgehen«.

Kräftiger Auftritt

Da gibt es die radikalen Ansätze. Einer überbaut die Lagerstraße mit einem Steg. Ein anderer symbolisiert einen gebrochenen Blick. Eine Studentin verlegt ein Geschoss des Besucherzentrums unter die Erde, ein Baukörper erinnert an einen Käfig und macht damit die Anspielung auf den »Menschenzoo in der Senne«. Einen kräftigen Auftritt hat ein winkelförmiges Gebäude, das deutlich macht, dass hier mehr als 50.000 Besucher im Jahr erwartet werden. Die Ideen reichen vom Baum, der durch einen oben offenen Raum des Gedenkens wächst, über ein Ensemble aus vier Baukörpern, die eine Art Klosterhof bilden, bis zum Platz, der verwildern darf. Es gibt Bildungsbausteine, ein Barackenfeld aus Betonstelen, ein Entree, das die Besucher förmlich einsaugt, oder eine einfache Steppe des Gedenkens.

»Wir stehen jetzt vor der Herausforderung, dass wir uns entscheiden müssen, was wir wollen. Sicher ist bislang nur, dass die Original-Gebäude einbezogen werden. Ich könnte mir vorstellen, dass manche Ideen bei einem Wettbewerb wiederkommen.« 

Die Arbeiten in der Entlausung sind bis zum 15. September zu sehen. Anmeldung per E-Mail unter der Adresse m.wibe@stalag326.de.

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