Fr., 16.08.2019

Serie: Unternehmer im Unruhestand – Sonja Hassenewert hat schon viel erlebt Noch immer neugierig auf das Leben

Mit knapp 90 Jahren hat sich die ehemalige Unternehmerin Sonja Hassenewert einen modernen E-Scooter zugelegt, mit dem sie gerne unterwegs ist.

Mit knapp 90 Jahren hat sich die ehemalige Unternehmerin Sonja Hassenewert einen modernen E-Scooter zugelegt, mit dem sie gerne unterwegs ist. Foto: Manuela Fortmeier

Von Manuela Fortmeier

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Sie hatte als erste Frau in Schloß Holte ein Motorrad, für das sie jedoch keinen Motorradführerschein benötigte. Erst kürzlich, mit fast 90 Jahren, hat sich Sonja Hassenewert einen E-Scooter gekauft, mit dem sie zum Friedhof, oder ins nahe gelegene Ortszentrum fährt.

»Das ist schon cool, damit zu fahren«, sagt die Textilunternehmerin. Im Jahr 1950 hat sie ihren Führerschein erworben, und ihre Handynummer kann sie aus dem Stand auswendig. Mit ihren Kindern, Freunden und den Enkelkindern kommuniziert sie über WhatsApp und aufgrund ihres guten Zahlengedächtnisses, kann sie sich sogar lange Handynummern noch heute sehr gut merken.

 

Abschließen per Handy

Überweisungen führt sie online aus. Die kleine Waldkapelle an der Helleforthstraße erbaute sie im Jahr 2015 zu Ehren ihrer »wundervollen Mutter«, Anna Dresselhaus. Abends schließt sie diese von Zuhause per Smarthome ab. »Ganz normal« sagt die 89-jährige Schloß Holterin, die auch jeden Morgen ihre Arbeiten am Computer erledigt und selbst vor langen Autofahrten nicht zurückschreckt. »Vor zwei Jahren war ich noch mit dem Auto am Tegernsee bei Freunden.«

Früher in ihrer Selbstständigkeit, sei sie mehr als zehn Jahre lang, alle zwei Wochen, 2500 Kilometer hin und wieder zurück, mit dem Bulli nach Polen oder Rumänien gefahren, um die Ware, die sie dort fertigen ließ, vor der Verladung stichprobenartig abzunehmen. »Ich bin offen für die moderne Technik, liebe neue Erfindungen und Herausforderungen«, sagt die technikaffine Seniorin.

»Mit faulen Menschen komme ich nicht zurecht. Jeder, der gesund ist, sollte das Bestreben haben, täglich etwas Sinnvolles zu leisten. Das schafft persönliche Zufriedenheit«, sagt Hassenewert.

 

Adoptivkind

Am 1. Januar 1930 wurde sie in Köln geboren, kam mit fast zwei Jahren als Adoptivkind nach Liemke zu Anna und Albert Dresselhaus. Als Kind besuchte sie für acht Jahre die Ursulaschule in Schloß Holte. Im Anschluss daran, abends, die zweijährige Handelsschule in Bielefeld.

Schon immer waren der Seniorin, die Ausbildungen zur Einzelhandelskauffrau und Industriekauffrau absolviert hat, Fort-und Weiterbildungen »sehr, sehr wichtig.« Selbst heute, im betagten Alter, ist sie »sehr aktiv, rührt gerne zeitgleich in vielen Töpfen« und steht mitten im Leben. »Über 50 Jahre habe ich meinen Mann Helmut, der Hobby-Pferdezüchter war und 1993 verstorben ist, bei seiner Arbeit unterstützt.«

 

Blusen und Pferde

Heute begleitet sie ihren Enkel, der die Liebe zu den Pferden geerbt hat, zu Reitturnieren. Neben der Pferdehaltung hat die Powerfrau, wie sie sich selbst bezeichnet, von 1953 bis vor kurzem ihr eigenes Unternehmen »Salome Blusen«. Aufgrund der hohen Lohnkosten in Deutschland hat sie viele Jahre auch in Polen und Rumänien fertigen lassen.

Neben ihrer Blusenfertigung hat Hassenewert mehr als 20 Jahre mehrere Textileinzelhandelsgeschäfte unterhalten. Heute sei das nicht mehr möglich, davon zu leben. Der Wettbewerb sei zu stark und die Margen zu gering, weiß die Seniorin.

Auch in der Freizeit hat die Mutter dreier Kinder (»Unsere älteste Tochter ist leider mit 33 Jahren erkrankt und verstorben«), nie die Hände in den Schoß gelegt. »Das liegt mir nicht.« Sie hat auch viele Jahre im Schloß Holter Kirchenchor gesungen.

 

Tennis und Kegeln

Zusammen mit Dieter Brauckmann gründete sie damals den Tennisclub TC-Grün Weiß Schloß Holte und mit mehreren Holter Geschäftsfrauen den Kegelverein »Die jungen Herzen«. »Den Kegelverein haben wir aufgelöst, als die Gaststätte Dresselhaus-Brockmann geschlossen hat.« Noch heute treffen sich die Frauen jedoch alle zwei Wochen zum Essen und Klönen.

»Sehr glücklich« ist das Multitalent auch noch heute darüber, dass sie und ihr Mann 1983 das alte Forsthaus an der Helleforth­straße erwerben konnten. Gerne empfängt sie dort in ihrem kleinen Sommerhaus Gäste. Direkt nebenan ist die Kapelle. Ein Pferdestall gehört zum ländlichen Familienbesitz. »Wenn ich hier bin, bin ich sehr glücklich. In meinem Alter besteht die einzige Aufgabe darin, jeden Tag zu leben.« Das Wichtigste im Leben sei und bleibe die Familie und gute Freunde. Sie vereise noch immer gerne.

Das Größte ist es für sie, andere Menschen zu unterstützen. So hat sie beispielsweise vor Jahren einem Flüchtling, der gern studieren wollte, ein Medizinstudium ermöglicht und während der gesamten Studienzeit bei sich wohnen lassen.

Zur Serie

Die Serie »Unternehmer im Unruhestand« beschäftigt sich mit Persönlichkeiten aus Schloß Holte-Stukenbrock. Bisher erschienen:

Heinrich Fromme (1. Juni),

Wolfgang Zindler (15. Juni),

Manfred Oekenpöhler

(27. Juli).

Klaus Niebel (7. August).

 

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