Antikriegstag: »Blumen für Stukenbrock« lädt zur Mahn- und Gedenkveranstaltung
Der Demokratie verpflichtet

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Etwa 300 Menschen haben am Samstag anlässlich des Antikriegstags der sowjetischen Opfer und Kriegsgefangenen in Stukenbrock-Senne gedacht. Initiiert vom Arbeitskreis »Blumen für Stukenbrock« fanden die Organisatoren auch mahnende Worte für die heutige Generation.

Dienstag, 10.09.2019, 06:45 Uhr aktualisiert: 10.09.2019, 08:18 Uhr
Neben Vertretern der örtlichen Parteien nahmen auch der Generalkonsul der Russischen Föderation, Vladimir Sedykh, sein Vertreter Valery Siderov, Landtagspräsident André Kuper sowie der stellvertretende Bürgermeister Hans Schäfer an der Mahn- und Gedenkveranstaltung teil. Foto: Alexandra Wittke
Neben Vertretern der örtlichen Parteien nahmen auch der Generalkonsul der Russischen Föderation, Vladimir Sedykh, sein Vertreter Valery Siderov, Landtagspräsident André Kuper sowie der stellvertretende Bürgermeister Hans Schäfer an der Mahn- und Gedenkveranstaltung teil. Foto: Alexandra Wittke

»Ich freue mich ganz besonders über die große Anzahl der jungen Leute, die hier heute mit uns den Antikriegstag 2019 begehen«, begann Rolf Becker seine Gedenkrede vor dem Obelisken am Eingang des Gräberfeldes. Becker, Schauspieler und engagierter Gewerkschafter, erinnerte sich sehr gut an seine Kindheit. Geboren 1935, habe er beide Seiten des Krieges kennenlernen müssen. Während sein Vater im August 1943 »für Großdeutschland fiel«, arbeiteten auf dem elterlichen Hof Kriegsgefangene aus Frankreich und der Sowjetunion.

Obelisk und Putin thematisch in der Rede

»Meine bleibenden Erinnerungen aus dieser Zeit: Das Schuldbewusstsein meines von den Eindrücken in der Sowjetunion geschockten Vaters, des hochrangigen deutschen Offiziers, und der sowjetische Kriegsgefangene Anton, der fern seiner Heimat für den Gegner seines Landes arbeiten musste.«

Die seit Jahren kontrovers diskutierte Gestaltung des Obelisken fand ebenso Eingang in die Gedenkrede Beckers wie die aktuellen Vorgänge um den russischen Staatschef Wladimir Putin. Befürworter wie etwa der Arbeitskreis »Blumen für Stukenbrock« fordern nach wie vor die Wiederherstellung des von den Überlebenden mit einer kommunistischen Fahne aus Glas verzierten Obelisken. Als Kompromiss wurde 2011 nach intensiven Gesprächen, unter anderem mit dem damaligen Landesvorsitzenden des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge, entschieden, dass das Kreuz an seinem Ort verbleibt, stattdessen aber die ursprüngliche Gestaltung neben dem Monument für Besucher dokumentiert wird.

»Unser Gedenken an die Opfer des Zweiten Weltkrieges ist Verpflichtung und Auftrag zugleich.«

André Kuper

Neben Becker waren auch Landtagspräsident André Kuper, Vertreter des Generalkonsulats der Russischen Föderation sowie Vertreter der Bundesparteien SPD, Die Linke und die Grünen anwesend. Für die Stadt nahm der stellvertretende Bürgermeister, Hans Schäfer, an der Gedenkveranstaltung teil.

Kuper, der zudem Mitglied im Lenkungskreis der Gedenkstätte Stalag 323 ist, fand ebenfalls mahnende Worte. »Unser Gedenken an die Opfer des Zweiten Weltkrieges ist Verpflichtung und Auftrag zugleich«, erklärte Kuper am Rande der Veranstaltung. »Wir Demokratinnen und Demokraten sind bereit und entschlossen, immer wieder neu die Versöhnung zu suchen.«

Bereits im Vorfeld zur Mahn- und Gedenkveranstaltung fand neben dem Ehrenfriedhof ein zweitägiges Antifa-Camp statt, dessen Teilnehmer unter anderem auch am musikalischen Rahmenprogramm der Veranstaltung beteiligt waren.

Die Mahn- und Gedenkveranstaltung fand in dieser Form am Samstag zum 53. Mal statt.

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