Lagerkirche wird 70 – Bogen vom Stalag zum Sozialwerk gespannt
Ein Ort der starken Gefühle

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). »Jetzt bin ich schon 27 Jahre hier und immer wieder kommen Menschen zu mir und erzählen mir Neues über die Kirche.« Landespfarrerin Pia Winkler wird am Mittwoch, 9. Oktober, ab 16 Uhr den Gottesdienst in der Evangelischen Lagerkirche auf dem Gelände der Polizeischule halten. Die Kirche wird dann 70 Jahre alt.

Mittwoch, 11.09.2019, 06:45 Uhr aktualisiert: 11.09.2019, 07:40 Uhr
Zum 70. Geburtstag der Evangelischen Lagerkirche auf dem Gelände der Polizeischule laden Wolfgang Günther (Landeskirchliches Archiv), Landespfarrerin Pia Winkler und Oliver Nickel, Leiter der Gedenkstätte Stalag 326 (von links), für den 9. Oktober ein. Foto: Monika Schönfeld
Zum 70. Geburtstag der Evangelischen Lagerkirche auf dem Gelände der Polizeischule laden Wolfgang Günther (Landeskirchliches Archiv), Landespfarrerin Pia Winkler und Oliver Nickel, Leiter der Gedenkstätte Stalag 326 (von links), für den 9. Oktober ein. Foto: Monika Schönfeld

Wer das Sozialwerk kennt, weil er hier mal gewohnt hat, weil er Vertriebener, DDR-Flüchtling oder Aussiedler war, oder weil die Eltern dort gearbeitet haben, hat heute noch eine starke Bindung an die kleine Kirche. »Sie heißt Lagerkirche, als Lager ist aber das Sozialwerk gemeint«, sagt der Geschäftsführer der Gedenkstätte Stalag 326, Oliver Nickel. Die Kirche verbindet die Zeitschichten des Geländes wie die anderen denkmalgeschützten Gebäude. Ursprung ist eine Baracke auf dem Teil des Geländes des Stammlagers, in dem westalliierte Kriegsgefangene seit 1941 untergebracht waren. Nach dem Krieg wurde der Gottesdienst in einer Nissenhütten gehalten.

Die Stadt im Grünen verschwand

1948 wurde die Baracke zur evangelischen Kirche umgebaut und dann von den Menschen genutzt, die im Sozialwerk eine neue Heimat fanden, anfangs Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten. Als 1970 die Bereitschaftspolizei und Polizeischule auf das Gelände zog, lief das Sozialwerk langsam aus. Die Stadt im Grünen mit Schulen, Krankenhaus, Altenheim, Theater, Ladenzeile und Friseur verschwand. Die Evangelische Kirche ist geblieben, wurde saniert und wird dreimal im Jahr genutzt und zu besonderen Anlässen wie Taufen. »Der Verein ›Unser Dorf Stukenbrock-Senne‹ hat das Interesse an der Kirche wiederbelebt«, sagt Pia Winkler. Im Rahmen des Gesamtkonzepts für die Gedenkstätte soll die Kirche einbezogen werden, eventuell sogar den anderen denkmalgeschützten Gebäuden transloziert werden.

Das Entlausungshaus ist zu Sozialwerkszeiten als Theater, Wäscherei und Bettenlager genutzt worden. Als Theater wird es zum Kirchengeburtstag auferstehen: Michael Grunert wird am Donnerstag und Samstag, 10. und 12. Oktober, jeweils ab 19 Uhr das Stück über den ehemaligen Kriegsgefangnen Ferdinand Matuszek geben, »Im Herzen ein Nest aus Stacheldraht«. Maximal 50 Zuschauer pro Vorstellung sind zugelassen. Anmeldung per E-Mail unter m.wibe@stalag326.de. Der Eintritt beträgt 10 Euro, Einlass um 18.30 Uhr mit Personalausweis an der Schranke.

Von Mittwoch, 9. Oktober, ab 14 Uhr (Einlass 13.30 Uhr) bis Ende des Jahres ist eine Fotoausstellung über die Lagerkirche in der Wäscherei zu sehen. Es handelt sich um Bilder aus einem Album, das Klaus Streck zur Verfügung gestellt hat. Die Bilder hängen an einer Wäscheleine.

Ein Kommentar von Monika Schönfeld

Oswald Fellgiebel legte den Grundstein, Präses Ernst Wilm weihte die Kirche am 9. Oktober 1949 ein. Die Evangelische Lagerkirche ist schlicht wie die Baracke, die sie ursprünglich mal war. Wie eine Anstalts- oder Autobahnkirche ist eine Lagerkirche etwas Besonderes.

Und diese sowieso. Sie verbindet inzwischen eine Zeit von 78 Jahren seit 1941. Teile der Kirche stammen aus dem Kriegsgefangenenlager, dann diente die Kirche denen, die ihre Heimat verloren hatten und von vorne anfangen mussten als Trost und Zuflucht. Heute wird die Kirche von angehenden Polizisten besucht, an die hohe ethische Ansprüche gestellt werden.

Die evangelische Lagerkirche muss ihre Rolle in einer künftigen nationalen Gedenkstätte Stalag 326 spielen. Denn Flucht und Vertreibung damals wie heute haben immer auch ein religiöses Element, in dem sich Hoffnung spiegelt.

 

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