Verschwundene Gebäude: Die Forellmühle am Furlbach
Der Mahlstein ist ein stummer Zeuge

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). »Die Natur holt sich alles zurück.« Das sagt Landschaftswächter und Ortsheimatpfleger Günter Potthoff (73), der an verschwundene Gebäude erinnert. Von der Boke-, Öl-, Säge- und Mahlmühle Forell sind das Wehr und ein Mahlstein geblieben.

Mittwoch, 25.09.2019, 06:00 Uhr
Der Mahlstein ist jetzt nur noch Dekoration: Am Balken des heutigen Biermeier-Hofes steht zu lesen, dass der Hof 1799 ein Raub der Flammen wurde und 1800 von Conrad Forell und Anna Maria Lummer wieder aufgebaut wurde. Foto: Monika Schönfeld
Der Mahlstein ist jetzt nur noch Dekoration: Am Balken des heutigen Biermeier-Hofes steht zu lesen, dass der Hof 1799 ein Raub der Flammen wurde und 1800 von Conrad Forell und Anna Maria Lummer wieder aufgebaut wurde. Foto: Monika Schönfeld
Günter Potthoff an Wehr und Rinne der alten Forellmühle am Furlbach.

Günter Potthoff an Wehr und Rinne der alten Forellmühle am Furlbach. Foto: Monika Schönfeld

Die Wasserkraft der vielen Bäche auf Schloß Holte-Stukenbrocker Gebiet wurde wirtschaftlich genutzt. »Mehrere Dutzend Wassermühlen«, so schätzt Potthoff, habe es entlang der Bäche gegeben. Manche sind restauriert worden wie die Benteler-Mühle, von manchen sind einige Gebäude erhalten wie an der Papiermühle Stennenberg. In seinem Buch, »Aus der Geschichte der Wassermühlen in Schloß Holte-Stukenbrock, Verl und Hövelhof«, das 1995 vom Heimat- und Verkehrsverein herausgegeben wurde, beschreibt Potthoff die Mühlentypen und hat Material zu allen Mühlen zusammengetragen.

Dokumente aus der Schatzkiste

Die Anfänge der Boke- und Ölmühle auf dem Achtelmeier-Hof Forell (heute Biermeier) am Zusammenfluss von Furl- und Bärenbach gehen auf die Jahre 1692/93 zurück. Die Familie Biermeier hat für Günter Potthoff eine »Schatzkiste« mit alten Dokumenten geöffnet und ihn die am 22. Oktober 1878 erteilte Genehmigung zum Betrieb einer Sägemühle fotografieren lassen. »Die Mühlentechnik und das Quietschen haben mich schon immer fasziniert«, sagt Potthoff.

Bei einer Ortsbegehung zeigt Potthoff die so genannten Flößwiesen am Furlbach. »Die Bauern hatten keine andere Möglichkeit, als die Wiesen am Bach zu nutzen, um Weidegras oder Heu zu erhalten. Sie haben den Sand in den Bach geschaufelt. Das war aber verboten, der Sand verstopfte die Mühlen.« Die Bauern haben den Bach aufgestaut, so dass die Wiesen überschwemmt wurden. So hatten sie auch in trockenen Sommern Gras und Heu.

Das Bild aus dem Jahr 1953 zeigt bereits den Verfall der Mühle, 1968 wurde es abgerissen.

Das Bild aus dem Jahr 1953 zeigt bereits den Verfall der Mühle, 1968 wurde es abgerissen. Foto: Achiv Potthoff

Im Mühlenbuch gibt es alte Fotos von Bernhard Forell im Jahr 1913 vor seinem Anwesen. 1920 erhielt die Mühle einen Generator, so dass sie vom Wasserrad getrieben Lichtstrom für Mühle und Hof lieferte. 1922 pachtete Konrad Schniedermann die Mahl- und Sägemühle. Nach Ablauf der Pachtzeit 1938 wurde nur noch für den Eigenbedarf gemahlen.

Verwüstet und geplündert

Der letzte Mahltag in der Mühle Forell war der 27. März 1945, dem Tag der Bombardierung Paderborns. Nach der Befreiung des Kriegsgefangenenlagers Stalag 326 am 2. April 1945 plünderten die überlebenden Kriegsgefangenen die Höfe. Der Hof Forell wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Mühle wurde unbrauchbar gemacht und die Geräte zerschlagen, die zur Stromerzeugung wichtig waren. Das baufällige Mühlengebäude wurde 1968 abgebrochen. Heute noch zu sehen sind Reste der betonierten Rinne, die das Wasser des Furlbachs zum Mühlrad lenkte. »Viele dieser Wehre sind verschwunden, um Fischen wieder zu ermöglichen, stromaufwärts zu wandern.« Direkt an den Resten der Mühle entlang verläuft ein Wanderweg, der die Fockelmühle mit dem Mittweg verbindet.

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