Mi., 09.10.2019

Verfassungsschützer Dr. Thomas Pfeiffer rät im VHS-Forum zur Wachsamkeit Subtile Strategie der Rechtsextremen

Dozent Dr. Thomas Pfeiffer, Barbara Gerbig, Leiterin der Filiale der Kreissparkasse an der Kaunitzer Straße, Jelena Jaissle (Projekt Demokratie leben) und der Leiter der Volkshochschule, Josef Lieneke (von links).

Dozent Dr. Thomas Pfeiffer, Barbara Gerbig, Leiterin der Filiale der Kreissparkasse an der Kaunitzer Straße, Jelena Jaissle (Projekt Demokratie leben) und der Leiter der Volkshochschule, Josef Lieneke (von links). Foto: Alexandra Wittke

Von Alexandra Wittke

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Modern, subversiv und hasserfüllt: Die Palette der Stile, mit denen die rechtsextremistische Szene um neue Anhänger wirbt, ist breit gestreut. Und die angesprochene Klientel wird dabei immer jünger.

13 bis 15 Jahre beträgt das durchschnittliche Einstiegsalter der Jugendlichen. Das zumindest zeigen aktuelle Studien. Persönlich kennt Dr. Thomas Pfeiffer aber bereits Zwölfjährige, die sich der rechtsgerichteten Szene angeschlossen haben. »In Deutschland gibt es etwa 24.000 Rechtsextremisten, rund die Hälfte davon gilt als gewaltorientiert«, erklärt der Diplom-Journalist und Sozialwissenschaftler beim VHS-Forum während seines Vortrags »Erlebniswelt Rechtsextremismus« am Montagabend. Als wissenschaftlicher Referent für Rechtsextremismusprävention beim Verfassungsschutz NRW klärt Pfeiffer in Workshops und Gesprächen vor allem diejenigen über die neue Gefahr von rechts auf, die besonders viele Berührungspunkte mit Heranwachsenden haben. Lehrer und Polizisten etwa, aber auch Mitarbeiter von Stadtverwaltungen und öffentlichen Stellen.

Zielgruppe immer jünger

Pfeiffers besonderes Anliegen dabei: Wachsam sein und im Gespräch bleiben! Denn die angesprochene Personengruppe der Rechtsextremisten wird nicht nur immer jünger, die Mittel, diese Zielgruppe zu erreichen auch immer subtiler. Während in den 1970er-Jahren etwa noch deutlich mit Nazi-Symbolik geworben wurde, bedienen sich die rechten Organisationen heute der Bildsprache Heranwachsender.

Plakate etwa zeigten oft Graffitis und moderne Schriftzüge, während eindeutige und mittlerweile verbotene Symbole stark verfremdet, aber dennoch unverkennbar abgebildet seien. Auch multimediale Angebote in den Sozialen Medien oder die Organisation von Flashmobs und Konzerten gehören laut Pfeiffer mittlerweile zu den Stilmitteln, um neue Anhänger zu werben.

Nicht mehr eindeutig

»Grundsätzlich kann man die Aktivitäten in vier Gruppen unterteilen«, sagt Pfeiffer. Zum einen weite sich die Palette der Angebote zur Ansprache und Einbindung der Jugendlichen. Zum anderen erfolge eine Modernisierung der Symbol- und Bildsprache, so dass eindeutige Symbole und Schriften nicht mehr als solche zu erkennen seien. Aktuelle Themen, wie etwa Flüchtlinge, werden zudem medial genutzt, um Bedrohungen zu signalisieren und Ängste zu schüren.

Die Anzahl der Einschüchterungen und Bedrohungen innerhalb der Szene nehme dabei zu. Angesprochen auf die Unterschiede zwischen Großstädten und ländlichen Regionen stellte Pfeiffer fest, dass Rechtsextremismus überall zugegen sei. »In kleineren Städten und Gemeinden befindet man sich naturgemäß aber mehr im gemeinsamen Dialog und ist daher wachsamer gegenüber Gefahren.«

Der Vortrag in den Räumen der Kreissparkasse an der Kaunitzer Straße wurde in Zusammenarbeit mit dem Projekt »Demokratie leben« und mit Unterstützung der VHS organisiert. Unter den etwa 30 Zuhörern befanden sich viele Jugendliche.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6988704?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516080%2F