Mi., 09.10.2019

Unabhängig von Bielefeld – wasserrechtliche Erlaubnis gilt noch Stadtwerke fördern Trinkwasser

Trinkwasser gehört für die Entscheider in Schloß Holte-Stukenbrock zur Daseinsvorsorge für die Bürger. Der Rat hat einstimmig beschlossen, die Stadtwerke mit der Förderung zu beauftragen. Die wasserrechtliche Genehmigung liegt seit 2015 vor.

Trinkwasser gehört für die Entscheider in Schloß Holte-Stukenbrock zur Daseinsvorsorge für die Bürger. Der Rat hat einstimmig beschlossen, die Stadtwerke mit der Förderung zu beauftragen. Die wasserrechtliche Genehmigung liegt seit 2015 vor. Foto: Thomas F. Starke

Von Monika Schönfeld

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Die Stadtwerke werden in die eigene Trinkwasserförderung einsteigen. Der Rat der Stadt hat am Dienstag einstimmig den Bürgermeister beauftragt, in der Gesellschafterversammlung der Stadtwerke der Wassereigenförderung zuzustimmen.

Die bisher angedachte Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Bielefeld wird es nicht geben. Das berichtete Bürgermeister Hubert Erichlandwehr. Ausschuss und Rat hatten sich in nicht-öffentlichen Sitzungen mit der Geohydrologie und der Wirtschaftlichkeit befasst. Im Ergebnis wurde festgestellt, dass die Eigenförderung nicht oder unwesentlich teurer ist als die Fremdversorgung.

Besserer Standort

Erichlandwehr berichtete, dass die Stadtwerke Schloß Holte-Stukenbrock mit den Stadtwerken Bielefeld eine Wassergewinnungsgesellschaft gründen und gemeinsam am Wasserwerk 18 fördern wollten, um 40 Prozent eigenes Wasser mit 60 Prozent zugekauftem zu mischen. Die Qualität des Wassers sei aber zu schlecht gewesen, die Aufarbeitung zu teuer.

Jetzt sei ein Standort auf städtischem und gepachtetem Gelände in der Nähe des Schlieffenhofes gefunden. Das Wasser sei qualitativ deutlich besser. »Das Wasserwerk 18 ist nahezu tot. Alternative ist kaufen oder selbst fördern.«

Daseinsvorsorge

Lars Pankoke (CDU): »Wir sagen Ja zum eigenen Wasser.« Die Eigenförderung sei leidlich kostenneutral, das Wasserförderungsrecht könne nicht weiter verlängert werden, ohne dass auch Wasser gefördert werde. »Im Klimawandel ist Wasserknappheit ein Thema. Trinkwasserförderung ist gut fürs Marketing.« Britta Rusch (CSB) hat die damals geplante Gesellschaft mit Bielefeld immer für einen »faulen Kompromiss« gehalten. Bruno Reinke (Bündnis 90/Die Grünen) findet seit Jahrzehnten, dass Trinkwasserversorgung Daseinsvorsorge sei. Marion Herzog (SPD) positionierte sich ebenfalls für die Förderung in eigener Hand.

Thorsten Baumgart (FDP) hat sich intensiv mit der Trinkwasserförderung beschäftigt und 2012 einen entsprechenden Beschluss des Rates beanstandet. Die Kommunalaufsicht hatte damals das Projekt gestoppt, weil die wirtschaftlichen Erwägungen nicht im Vordergrund standen. Indirekt hatte damals die Beanstandung zur Gründung eigener Stadtwerke in Schloß Holte-Stukenbrock 2017 geführt. »Die Sachlage stellt sich heute gänzlich anders dar. Wir haben einen anderen Standort, bessere Qualität, geringere Investitionen. Das Wasserförderrecht läuft aus, wenn wir es nicht nutzen. Damit entfällt auch der Verhandlungsjoker gegenüber den Stadtwerken Bielefeld«, so Baumgart.

Kommentar

Noch gut hat man im Ohr, dass der damalige Leiter des Tiefbauamts, Horst Wolter, sagte, es vergehen mindestens zehn Jahre, bis die Stadt eigenes Wasser fördert. Das klang damals nach viel Zeit. Geworden sind daraus 15 Jahre, die die Stadt aber gut genutzt hat. Dass eine Stadt heutzutage noch eine wasserrechtliche Genehmigung, quasi ein Schürfrecht bekommt, ist eine Seltenheit. Dieses Recht war für die Stadtwerke Soest ausschlaggebend, bei der Gründung unserer Stadtwerke einzusteigen.

Ein Gutachter sagte 2015: Stadtwerke ohne Wasser ist Harakiri. Mit eigenem Trinkwasser wird aus den Stadtwerken das, was man sich von einem kommunalen Versorger wünscht. Alles nah, alles aus einer Hand, alles kontrolliert und alles verlässlich. Monika Schönfeld

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