Do., 10.10.2019

Friedhelm Schäffer berichtet über das Fanprojekt von DSC Arminia NS-Zeit nicht ausklammern

Friedhelm Schäffer (links) präsentierte am Dienstag erste Ergebnisse aus seiner Recherche zur NS-Vergangenheit des DSC Arminia Bielefeld. Der Vortrag fand statt in Kooperation der Volkshochschule (stellvertretende Leiterin Annegret Weber) und der Gedenkstätte Stalag 326 (Geschäftsführer Oliver Nickel).

Friedhelm Schäffer (links) präsentierte am Dienstag erste Ergebnisse aus seiner Recherche zur NS-Vergangenheit des DSC Arminia Bielefeld. Der Vortrag fand statt in Kooperation der Volkshochschule (stellvertretende Leiterin Annegret Weber) und der Gedenkstätte Stalag 326 (Geschäftsführer Oliver Nickel). Foto: Alexandra Wittke

Von Alexandra Wittke

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Die Aufarbeitung der eigenen Geschichte während der NS-Zeit gehörte in der Vergangenheit nicht unbedingt zu den bevorzugten Projekten vieler Vereine. Friedhelm Schäffer stellt sich seit 2018 der Herausforderung, die kritische Zeit zwischen 1933 und 1945 zu beleuchten. Gemeinsam mit dem Fan-Projekt des DSC Arminia Bielefeld zeigte Schäffer am Dienstagabend erste Ergebnisse seiner Recherchen.

»Bei Arminia ist definitiv noch Luft nach oben«, sagte Schäffer vor kleinem Kreis in der Aula des Gymnasiums und meinte damit den Umgang mit der Vergangenheit. Zwar habe die Vereinsführung ihm als Mitarbeiter des Kreismuseums Wewelsburg das umfangreiche Archiv und Ansprechpartner zur Verfügung gestellt, ein offensiver Umgang mit der Vergangenheit fehle aber.

Linksrum um die Alster

Als besonders positives Beispiel nannte er in diesem Zusammenhang das Engagement des FC St. Pauli. Der Verein organisiere zum Beispiel schon seit Jahren den Lauf ›Linksrum um die Alster‹. Andere Vereine etwa benannten in Stadionnähe Straßen nach jüdischen Vereinsfunktionären.

Vereinsführer

Dabei lässt sich die Geschichte des DSC in der Zeit kurz vor und während des Nationalsozialismus aufgrund des damaligen Vereinsführers Karl Demberg besonders gut darstellen. Demberg, ein 1905 in Bielefeld geborener Rechtsanwalt, spielte zunächst aktiv Fußball und wurde 1934 zum Vereinsführer ernannt. Eine Position, die unter den Nationalsozialisten explizit eingeführt wurde, um den Führerkult auch im Sport zu verankern. Demberg konnte in seinem Bereich den gesamten Vorstand ernennen und drängte in der Folgezeit vor allem Juden aus dem Verein. Darunter auch das frühere Vorstandsmitglied Fritz Grünewald, der später im Warschauer Ghetto ermordet wurde.

Rolle bleibt unerwähnt

Parallel dazu begann Dembergs Aufstieg in der SS. Ausgebildet in der »Totenkopf-Division« war er ab 1943 als SS- und Polizeirichter tätig. Seine Tätigkeit: Die Verurteilung anderer SS-Mitglieder bei vergleichsweise kleinen Vergehen wie etwa Unterschlagung.

Trotz seiner dokumentierten Vergangenheit wird Demberg nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft mit offenen Armen in Bielefeld empfangen. Auch vom DSC. Seine Rolle im Nationalsozialismus bleibt lange Zeit unerwähnt.

Identitätsstiftend

»Selbst in der Vereinschronik, die 1985 erschien, findet sich kein Hinweis auf das Wirken von Karl Demberg. Dabei war er alles andere als ein Mitläufer«, stellt Schäffer fest. Erst heute sei dem Verein bewusst, dass die Aufarbeitung der eigenen Geschichte ein wichtiger Teil der Identitätsbildung ist.

Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der Volkshochschule, dem Förderverein Gedenkstätte Stalag 326 (VI K) und dem Fan-Projekt Bielefeld statt. Ein weiterer Vortrag »Ausgrenzung jüdischer Sportler und Sportlerinnen in den 1930/40-er Jahren« musste aufgrund der Erkrankung des Referenten ausfallen.

Weiterführende Informationen zum Thema »Fußball im Nationalsozialismus« und zu den bisherigen Recherche-Ergebnissen örtlicher Vereine bietet die gleichnamige Dauerausstellung im Kreismuseum Wewelsburg. Mehr Infos hier.

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