Rita Wölke sammelt von ihren Kunden abgelehnte Belege
Bons vom Bäcker für Berlin

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). „Ein heimischer Taxifahrer hat mir angeboten, mich kostenlos nach Berlin zu fahren“, sagt Rita Wölke. Doch da ist die Geschäftsfrau eigen: „Ich fahre selbst, mit einem Anhänger voller Kassenbons.“ Die Kassenbons will sie im Bundestag abladen.

Mittwoch, 15.01.2020, 06:00 Uhr
In nur zwei Wochen hat Rita Wölke viele Tüten voller Kassenbons gesammelt, die ihre Kunden nicht haben wollen, die sie aber verpflichtet ist auszudrucken. Damit will sie Ende des Monats nach Berlin fahren und sie im Bundestag abladen. Foto: Manuela Fortmeier
In nur zwei Wochen hat Rita Wölke viele Tüten voller Kassenbons gesammelt, die ihre Kunden nicht haben wollen, die sie aber verpflichtet ist auszudrucken. Damit will sie Ende des Monats nach Berlin fahren und sie im Bundestag abladen. Foto: Manuela Fortmeier

Seit dem 1. Januar ist das Gesetz der Kassensicherungsverordnung in Kraft, das eine Bonpflicht vorgibt. Rita Wölke, Inhaberin der Bäckerei: „Gesetze sind wichtig und wir haben sie als Bürger zu befolgen, aber sie müssen auch im Alltag realisierbar sein.“ So wie sie sind seit Anfang Januar alle Einzelhändler dazu verpflichtet, jedem Kunden einen Kassenbon auszuhändigen. „Egal, ob dieser ihn haben möchte oder nicht.“ Bereits vom ersten Tag seit Inkrafttreten hat sich Rita Wölke dazu entschlossen, alle Bons, die der Kunde nicht mitnehmen möchte, zu sammeln und aufzubewahren, „um nach einem Monat zu zeigen, wie viel zusätzlicher Müll entstanden ist, von dem ich bislang noch nicht weiß, wo ich den entsorgen muss“.

Thermopapier kostspielig

Während sie die Tüten voller Bons in ihrem Stukenbrocker Brunnencafé in einer Schubkarre sichtbar aufbewahrt, zieren die prall gefüllten Tüten im Hauptgeschäft an der Schlossstraße das Schaufenster und baumeln an einer großen Säule.

Hinzu komme, dass sie täglich weitaus mehr als eine Kassenrolle des recht kostspieligen Thermopapiers benötige. „Das verursacht für beide Geschäfte in einem Monat immense Mehrkosten. Das ist sehr viel Geld für eine Bäckerei in unserer Größenordnung.“

Gleiche Erfahrung haben ihre Mitarbeiterinnen in der Verkaufsabteilung der Bäckerei gemacht, die sich ebenso oft von den Kunden anhören müssen, „warum das denn sein muss“. „Bei uns sind das grob geschätzt weniger als drei Prozent der Kunden, die einen Bon wünschen. Meistens sind es Geschäftsleute, Reisende, oder Firmen, die einen entgegennehmen, um die Kosten steuerlich geltend machen zu können.“

Sinnvoll für einen Garantiefall

In der Regel lande der Kassenbon im Müll, beziehungsweise jetzt erst einmal in den Tüten, um sichtbar zu machen, welche Bonflut in dieser kurzen Zeit zusammenkommt. Dabei ist Wölke nicht generell gegen Kassenbons. „Bei dem Erwerb von großen Maschinen, technischen Gerätschaften, oder Fahrzeugen, bei denen der Bon im Falle eines Garantiefalles vorgelegt werden muss, oder dann, wenn der Kunde ihn zur Vorlage beim Finanzamt benötigt, ist das durchaus zweckmäßig und sinnvoll. Aber wir sind auch dann zur Bonausgabe verpflichtet, wenn jemand nur zwei Brötchen oder drei Scheiben Aufschnitt einkauft. Wo soll das hinführen?“

„Eigentlich hatte ich für den Frühling eine andere Dekoration vorgesehen.

Rita Wölke

„Auf der einen Seite wird seit Monaten darüber diskutiert, dass jeder Bürger zur Müllvermeidung angehalten ist, um die Umwelt zu schützen. Jetzt sind wir gesetzlich verpflichtet, Bons auf Thermopapier in Massen auszudrucken. Ein Papier, das wir nicht einfach beim Altpapier entsorgen dürfen. Für mich ist das nicht nachvollziehbar“, sagt Wölke und hängt eine weitere, prall gefüllte Tüte mit unerwünschten Kassenbons in ihr Schaufenster. „Eigentlich hatte ich für den Frühling eine andere Dekoration vorgesehen.“

Um ein Zeichen über die Ortsgrenzen hinaus zu setzen, hat Rita Wölke beschlossen: „Ich fahre mit den Bons Ende Januar nach Berlin zum Bundestag. Dann werde ich einen Anhänger an unseren Transporter kuppeln, mit den Bons beladen und mich auf den Weg zu denen machen, die dieses Gesetz erlassen haben. Wenn ich die Möglichkeit dazu bekomme, möchte ich im Bundestag einen Kaffee trinken, den ich bezahle und mir den Bon dafür geben lasse. Als Beweis, dass ich dort war.“

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