Di., 21.01.2020

In der Polizeischule Schloß Holte-Stukenbrock werden die neuen Kommissaranwärter begrüßt. Hier werden die Bachelor-Studenten trainiert. Das ist eins von drei Modulen neben Hochschulausbildung und Praxis in den Polizeibehörden. Erster Tag in Uniform

Foto: Monika Schönfeld

Von Monika Schönfeld

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). „Es werden Sie Aufgaben aus dem Nichts erwarten. Wie den Polizisten, der nach dem Brand im Krefelder Zoo einen Gorilla erschießen musste.“ Das sagte der Leiter des Dezernats, Alexander Fenske, der mit seinen Kollegen seit Montag 324 Kommissaranwärter trainiert, den Herausforderungen gewachsen zu sein.

Hans-Günther Bentler (Personalratsvorsitzender des LAFP), Thorsten Hoffmann (Polizeibeauftragter des Landes NRW), LAFP-Direktor Michael Frücht, Polizeiseelsorger Monsignore Wolfgang Bender und Dezernatsleiter Alexander Fenske (von links) haben am Montag 324 Kommissaranwärter zum Trainingsmodul in der Polizeischule in Stukenbrock-Senne begrüßt. Foto: Monika Schönfeld

Drei von ihnen sind Ebru Arslanboga (20) aus Espelkamp, Frederik Tobias Wallesch (32) aus Hövelhof und Pascal Striene (20) aus Leopoldshöhe. Die beiden jüngeren sind über Praktika an den Beruf gekommen. Pascal Striene stammt aus einer Familie, in der viele diesen Beruf ergriffen haben. Ebru Arslanboga sucht als „rechtschaffener Mensch“ die Herausforderung im Team. Frederik Tobias Wallesch war zwölf Jahre Berufssoldat bei den Panzergrenadieren in Augustdorf und hat einen Auslandseinsatz in Afghanistan hinter sich. Er will künftig für die innere Sicherheit sorgen.

Knapp 11.000 Bewerber

Knapp 11.000 Bewerber gab es, aus denen das Land NRW 2500 Studenten ausgesucht hat. Das dreijährige Bachelor-Studium besteht aus sich abwechselnden Modulen: die Theorie wird an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung vermittelt (zum Beispiel in Bielefeld), das Training erfolgt in den Bildungszentren Stukenbrock, Selm-Bork oder Brühl, die Praxis wird in einer der 47 Kreispolizeibehörden vermittelt.

„Wir brauchen Sie“, sagte der Direktor des Landesamts für Aus- und Fortbildung der Polizei und Personalangelegenheiten, Michael Frücht. „Auf Sie kommen unfassbar komplexe Aufgaben zu – rechtlich, tatsächlich und von der Erwartungshaltung der Bürger. Wir erwarten vollen Einsatz.“ Als Polizist müsse man einen inneren Kompass entwickeln. „Sie sind der Vertreter des Rechtstaats, schützen die Grundrechte und die Demokratie. Im Großkonzern Sicherheit mit 50.000 Mitarbeitern in NRW sind Sie Garant der inneren Sicherheit. Als alleiniger Träger des Gewaltmonopols tragen Sie eine große Verantwortung.“

Kölner Polizeirap

Frücht sagte den Neuen, sie werden schöne Dinge erleben, aber auch Dinge, die sie sich heute noch nicht vorstellen können. „Sie werden die Hand eines Sterbenden halten und ihm Trost spenden, dort aktiv werden, wo alle anderen wegrennen. Sie werden missbrauchte Kinder sehen und müssen dem Täter Würde zugestehen. Wenn Sie wissen wollen, was Polizeiarbeit bedeutet, gucken Sie auf Youtube den Kölner Polizeirap. Der unglaublich gute Text schildert den Alltag.“

Der Polizeibeauftragte des Landes NRW, Thorsten Hoffmann, überbrachte die Glückwünsche des NRW-Innenministers Herbert Reul. Hoffmann sagte, ein Polizist müsse 24 Stunden am Tag „vernünftig“ sein. Den Pflichten stehen aber eine Reihe von Vergünstigungen gegenüber, die andere Berufsgruppen nicht erhalten.

Alexander Fenske betonte, wie schön Schloß Holte-Stukenbrock sei und zitierte seinen Kollegen Christian Förster: „Was hier zählt, ist Menschlichkeit. Was wir leben, ist Teamwork.“

Beruf geht an die Grenzen

Das Landespolizeiorchester NRW spielte „Supergirl, don’t cry“. Polizeidekan Monsignore Wolfgang Bender sagt: „Das Beste zu geben, würde reichen. Tränen gehören dazu. Sie werden an Ihre Grenzen geführt, aber Sie sind nicht allein.“ Dennoch: „Sie müssen verrückt sein, sich auf solch einen gefährlichen Beruf einzulassen und sich dafür manchmal sogar beschimpfen zu lassen. Aber es ist nicht nur ein Job. Es ist ein Beruf, der den Menschen dient, den man aus Leidenschaft und Berufung ergreift. Die Polizeiseelsorge ist eine verlässliche Größe an Ihrer Seite.“

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