Di., 21.01.2020

„Wasser für Labgar” sammelt für Bewässerung eines Gemüsefeldes Geschichten von Mund zu Ohr

Der stellvertretende Vereinsvorsitzende Mor Sène, Märcherzählerin Marianne Vier und die Vereinsvorsitzende Dorothea Martl (von links) freuen sich, dass so viele Zuhörer gekommen sind. Märchenerzählerin Marianne Vier ist zum zweiten Mal in der Versöhnungskirche.

Der stellvertretende Vereinsvorsitzende Mor Sène, Märcherzählerin Marianne Vier und die Vereinsvorsitzende Dorothea Martl (von links) freuen sich, dass so viele Zuhörer gekommen sind. Märchenerzählerin Marianne Vier ist zum zweiten Mal in der Versöhnungskirche.

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Seit acht Jahren setzt sich der Verein „Wasser für Labgar“ mit Sitz in Hövelhof für die Hilfe zur Selbsthilfe im senegalesischen Labgar ein. Die jüngste Spendenaktion hat in der Versöhnungskirche stattgefunden. In Kooperation mit der Evangelischen Kirchengemeinde hatten die Vereinsvorsitzende Dorothea Martl und ihr Stellvertreter Mor Sène nach dem Erfolg im vergangenen Jahr erneut zu einem Afrikanischen Märchenabend eingeladen.

Wiederum war es Marianne Vier, die die 100 Zuhörer auf eine Reise in das Reich der Fantasie mitnahm. Die Leiterin der Akademie Erzählkultur in Lemgo, die ihre Zusatzausbildung zur Humorberaterin fast abgeschlossen hat, hatte im ersten Teil des kurzweiligen Abends Wintergeschichten mitgebracht, die das Publikum schmunzeln und lachen ließen. Etwa, als sie den Monaten des Jahres menschliche Gestalt verlieh oder von der Altweiber-Mühle erzählte, aus der alte Frauen jung wieder herauskommen.

Geschichten halten sich nicht an Grenzen

„Geschichten halten sich nicht an Grenzen“, sagt die Märchenerzählerin. „Sie gehen von Mund zu Ohr.“ Marianne Vier wählt insbesondere Volksmärchen aus, verändert und bearbeitet sie. Ihr Ziel: „Jeder soll seine eigenen Bilder im Kopf entwickeln.“ Die seien manchmal ähnlich, oft aber auch ganz unterschiedlich geprägt, „weil Worte so viel Möglichkeiten lassen“. In afrikanische Märchen, auf die sich Vier im zweiten Teil und nun im roten Kleid konzentrierte, spielten oft Tiere eine Rolle, Bäume, Pflanzen oder Behausungen. „Sie sind geprägt von der Umgebung, manchmal auch vom Glauben, von Ritualen und Bräuchen.“

Deshalb seien manche Symbole für Menschen, die nicht dort leben, nicht sofort zu verstehen. Für die Besucher des anregenden Märchenabends allerdings kein Problem. Sie genossen es, den Geschichten zuzuhören, sich in sie hineinzuversetzen. Und in der Pause, da gab es mit herzhaft gefüllten Teigtaschen und süßem Gebäck afrikanische Spezialitäten.

Dank der Spenden aus Deutschland konnte in Labgar im Frühjahr 2012 eine 415 Meter lange Trinkwasserleitung gebaut werden. Sie verläuft vom Wasserturm zum Krankenhaus, zur Schule und zur Dorfmitte. Container mit Hilfsgütern und ein Krankenwagen wurden verschifft, Krankenhaus und Schule mit Strom versorgt. Zwei Frauen sind derzeit in Ausbildung und sollen danach im kleinen Krankenhaus in Labgar arbeiten. „Wir sind schon weit gekommen“, sagt Dorothea Martl. Aktuell werden Spendengelder für das zweite Projekt gesammelt.

Hibiskustee vom Feld

Ein zwei Hektar großes Grundstück ist angelegt und eingezäunt worden. „Zum Teil wird es schon bewirtschaftet.“ Gemüse soll dort wachsen, vor allem Melonen. Mor Sène hatte einen Tee aus Hibiskuspflanzen mitgebracht, die auf dem Feld gedeihen. Die Besucher durften probieren und waren angetan. Um weitere Ernteerfolge zu gewährleisten, muss das Feld gewässert werden. „Die Bohrung dafür kostet um die 45.000 Euro“, berichtet Dorothea Martl von hohen Kosten.

Weitere 5000 bis 6000 Euro fallen für die Pumpe an. „Diese Anschaffung ist dank eines Spenders bereits gesichert.“ Beim Afrikanischen Märchenabend sind 1194 Euro an Eintrittsgeldern und Spenden zusammengekommen. „Wasser für Labgar“ hat derzeit 33 Mitglieder.

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