Do., 23.01.2020

Das Innenministerium nimmt falsche Polizisten und Enkeltrick-Betrüger ins Visier Täter bauen Druck auf

Falsche Polizisten oder Enkeltrick-Betrüger erzeugen am Telefon Angst und Zeitdruck. Die Opfer sind überfordert. Da hilft nur, gar nicht abzunehmen und auf AB sprechen zu lassen.

Falsche Polizisten oder Enkeltrick-Betrüger erzeugen am Telefon Angst und Zeitdruck. Die Opfer sind überfordert. Da hilft nur, gar nicht abzunehmen und auf AB sprechen zu lassen. Foto: dpa

Von Monika Schönfeld

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Betrüger, die sich als Polizisten ausgeben – an der Haustür oder am Telefon – und die „Enkeltrick“-Betrüger machen dem Innenministerium inzwischen erheblich Sorge. Wie bei der Kampagne „Riegel vor!“ gegen Einbrecher will die Polizei in NRW dieses Jahr diese Betrugsmaschen zum Schwerpunktthema erklären.

Das hat Marco Hein vom Kommissariat Kriminalprävention der Kreispolizeibehörde Gütersloh vor den Mitgliedern der Senioren-Union gesagt. Er berichtete, wie die Tricks funktionieren und wie man sich davor schützen kann.

Wie man sich vor dem Enkeltrick schützt, berichteten Siegfried Kosubek, Marco Hein von der Kriminalpolizei und Klaus Streck (von links). Foto: Monika Schönfeld

Die Täter haben sich auf Senioren als Opfer regelrecht spezialisiert. „Seit dreieinhalb Jahren haben wir es mit falschen Polizeibeamten zu tun, die Senioren um Geld erleichtern wollen.“ Die Telefonnummern holen sie sich per Suchfunktion nach „alten“ Vornamen aus – Wilhelm, Käthe oder Manfred, Vornamen, die noch nicht wieder modern geworden sind. Oder sie kaufen im Darknet die Daten von 8,3 Millionen deutscher Rentner. „Ich empfehle, den Vornamen nur abgekürzt einzutragen. Gehen Sie bei Nummern auf dem Display, die sie nicht kennen, nicht ans Telefon, sondern lassen den Anrufer erst auf den Anrufbeantworter sprechen. Betrüger machen das nicht, weil sie nicht wollen, dass ihre Stimme aufgezeichnet wird.“

110 ist eine Einbahn-Nummer

Die Opfer brauchen sich nicht zu schämen. Senioren werden deshalb ausgesucht, weil sie freundlich sind und ihre Familie lieben. „Die Täter sind geschult, am Telefon Druck und Angst aufzubauen. Es ist nicht möglich, höflich aus solch einem Gespräch zu kommen. Legen Sie beherzt auf.“

Beim Anruf falscher Polizeibeamter wird im Display oft die Notrufnummer 110 angezeigt. Das aber ist eine Einbahn-Nummer, sagt Hein. Die kann nur angerufen werden, von 110 kann man nicht anrufen. Es gibt aber Vortäuscheprogramme. Vor der 110 ist oft eine Vorwahl. „Lassen Sie sich die Namen der Polizisten geben, legen Sie auf und rufen Sie dann 110 an und fragen Sie, ob es diese Polizisten gibt.“

Polizisten in Zivil sollte man auf keinem Fall die Tür öffnen, auch nicht, wenn Sie einen Ausweis zeigen. „Ein Polizist nimmt niemals Wertsachen von Bürgern entgegen. Ohne Besuchsankündigung stehen wir nie vor der Haustür. Fragen Sie über die Gegensprechanlage oder durch auf Kipp stehende Küchenfenster nach dem Namen und fragen Sie bei der Polizei nach. Wenn Sie allerdings draußen einen Streifenwagen und uniformierte Polizisten sehen, ist das etwas anders.“

Opfer liefert den Namen

Beim Enkeltrick rufen vermeintliche Enkel oder Nichten an. Meist verrät das Opfer selbst einen Namen. „Markus, bist du das?“ – und schon ist das Opfer gefangen. Vorgetäuscht wird oft ein günstiger Immobilienerwerb, eine Notsituation oder eine vermeintliche Freundin täuscht einen schweren Unfall des Enkels vor und bittet um Geld, das sofort gebraucht wird, um einen Spezialisten einfliegen zu lassen, der den Schwerverletzten operiert.

Die Täter bauen Zeitdruck auf, halten die Opfer am Telefon, gleichzeitig klingelt es an der Haustür. Rekordsumme: Mit dem Enkeltrick hat ein Täter von einem Senior 1,2 Millionen Euro erbeutet. Aber auch bei kleineren Summen kann es sich um die Lebensersparnisse handeln, die dann einfach weg sind.

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