Unternehmer im Unruhestand: Landarzt Dr. Werner Klöpper
Aus der Praxis ins Naturparadies

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Während im Hintergrund im Wohnzimmer das Holz im Kamin knistert, sitzt Dr. Werner Klöpper vor „seinem persönlichen Kino“, wie er es nennt. Wer denkt, der Stukenbrocker schaut Fernsehen, der irrt. Der bekennende Naturfreund sitzt auf seinem Stuhl vor dem Fenster, den Blick auf seinen Garten gerichtet, in dem sich die Vögel am Vogelhäuschen ein Stelldichein geben. Ein Schauspiel, das der Arzt im Ruhestand genießen kann. „40 Vogelarten haben meine Frau und ich in den vergangenen Wochen gezählt“.

Samstag, 25.01.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 25.01.2020, 06:02 Uhr
„40 Vogelarten haben meine Frau und ich in den vergangenen Wochen gezählt“, sagt Werner Klöpper. Der Blick vom Wohnzimmer in den Garten sei sein persönliches Kino. Der Pensionär ist der Natur sehr verbunden. Foto: Manuela Fortmeier
„40 Vogelarten haben meine Frau und ich in den vergangenen Wochen gezählt“, sagt Werner Klöpper. Der Blick vom Wohnzimmer in den Garten sei sein persönliches Kino. Der Pensionär ist der Natur sehr verbunden. Foto: Manuela Fortmeier

Erst jetzt hat der promovierte Urologe und Allgemeinmediziner, der in Hannover und Göttingen studiert hat, die Zeit und Muße, sich mehr seinen Hobbies zu widmen. Anfangs sei es „recht ambivalent“ gewesen, aber inzwischen kann der gebürtige Stukenbrocker, der als ältester von drei Kindern am Fienhofweg aufgewachsen ist, die neu gewonnene, freie Zeit genießen. Er ist „sogar inzwischen froh darüber, dass er auf Grund der vielen gesetzlichen Änderungen nicht mehr die tägliche Verantwortung sowohl für die Arztpraxis, als auch für das Personalmanagement übernehmen muss. Jedoch habe er auch jetzt noch für seine ehemaligen Angestellten „stets ein offenes Ohr“.

Mein Beruf war meine Berufung und ich habe meine Arbeit als Landarzt, die jeden Tag eine neue Herausforderung war, immer sehr gerne und mit Leidenschaft ausgeübt und deshalb oft verzichtet.

Werner Klöpper

„Mein Beruf war meine Berufung und ich habe meine Arbeit als Landarzt, die jeden Tag eine neue Herausforderung war, immer sehr gerne und mit Leidenschaft ausgeübt und deshalb oft verzichtet“, sagt die Frohnatur. Von 1989 bis Ende März 2019 hat der Arzt in der Gemeinschaftspraxis am Milanweg praktiziert – gemeinsam mit seiner Frau Heike, die er als Kollegin im Kreiskrankenhaus Herzberg im Harz kennen gelernt und 1987 geheiratet hat. Zusammen hat das Paar zwei erwachsene Kinder.

„Es macht einen immensen Unterschied, ob man als Arzt in einem städtischen Krankenhaus arbeitet, oder Landarzt ist“, weiß Klöpper. So wisse ein Landarzt meistens wesentlich mehr über die Patienten, auch ob Krankheiten möglicherweise schon zuvor in der Familie vorgekommen sind. „Die Nähe zu den Patienten ist viel intensiver und die Verbindlichkeit ist ebenfalls eine völlig andere.“

Auf dem Land treffe man sich auch zufällig häufig wieder, sei es beim Einkaufen, bei Dorffesten, oder auf der Straße. „Egal wo, da hat man als Landarzt in dem Moment ein offenes Ohr und fühlt schnell, wo der Schuh drückt.“

Einmal musste ich einem Patienten auf Platt deutlich sagen: Dat Rad bliev hier ston! Er wollte trotz eines Herzinfarkts wieder auf sein Rad steigen, statt sofort ins Krankenhaus zu gehen.

Werner Klöpper

„Zum Glück“ habe er in seiner Kindheit auch die plattdeutsche Sprache von seiner Oma gelernt. Das hat ihm oft einen Zugang zu den älteren Patienten verschafft. „Einmal musste ich einem Patienten auf Platt deutlich sagen: Dat Rad bliev hier ston! Er wollte trotz eines Herzinfarkts wieder auf sein Rad steigen, statt sofort ins Krankenhaus zu gehen.“

„Für meine Frau und mich steht die Menschlichkeit im Vordergrund, auch wenn das betriebswirtschaftlich sicher nicht immer zum Vorteil für uns war. Das war uns egal. Schließlich ging es um unsere Patienten, die uns ihr Vertrauen geschenkt haben.“

Gerne erinnert sich Werner Klöpper an seine Kindheit auf dem Land zurück. Besonders geliebt habe er als kleiner Junge die Einkäufe, bei denen er mit einem kleinen Rucksack auf dem Rücken vom Fienhofweg zum Kolonialwarengeschäft Brock gegangen sei und „stolz wie Oskar“ mit prall gefülltem Rucksack zurückkam. „Einmal durchs Wäldchen und zurück, das war für mich etwas ganz Großes.“

Sein Garten ist sein „Naturparadies“. Dort steht ein Gewächshaus, dort legt er jedes Jahr für die Bienen Blühstreifen an, dort hat er im vergangenen Sommer zwei Hochbeete gebaut, in denen bald wieder eigenes Gemüse heranwächst. Außerdem ist er Hobby-Imker: 20 Bienenvölker nennt Klöpper sein Eigen. „Im Sommer habe ich 600.000 Frauen“, scherzt er. Es sei spannend, die Tiere durch die Jahreszeiten zu begleiten und dabei feststellen zu dürfen, wie perfekt die Natur sich organisiert habe.

Frisch aus der region

Mit Freude stellt sich Werner Klöpper auch an den Herd, um für die Familie oder Freunde zu kochen. „Immer frisch und möglichst ausschließlich mit saisonalen Zutaten aus der Region. Ich habe etwas dagegen, wenn man im Dezember Erdbeeren kauft, die um die halbe Welt gereist sind. Der Natur zuliebe sollte man sich in Geduld üben und die Vorfreude auf die heimischen Früchte genießen. Von allem ‚watt tur richtigen Teit‘“, sagt er auf Plattdeutsch.

Künftig will das Paar auf das Fliegen verzichten. „Wir sind schon viel gereist, haben viel gesehen. Wir sind dankbar dafür, dass wir hier auf einem wunderschönen Fleckchen Erde und in Frieden leben dürfen. Das ist ein unvorstellbarer Schatz.“ Deshalb könne er jetzt viele Dinge, die ihm früher wichtig erschienen, „gerne auf der To-Do-Liste stehen lassen“.

Diese Werte will der Mediziner jungen Menschen vermitteln. Deshalb widmet er sich viel den Naturfreunden in Bielefeld. Zusätzlich ist er Vorsitzender der Kanugruppe und bildet aus. „Junge Menschen haben durchaus ein offenes Ohr für die Belange der Natur und den Naturschutz. Wir müssen uns nur die Zeit nehmen, es ihnen auf verständliche Weise nahe zu bringen und ihnen etwas zutrauen.“

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