Do., 19.03.2020

Monika Kruczek und Marco Seidel wollen in Schloß Holte-Stukenbrock heiraten, können aber nicht Zum Heulen zumute

Das fröhliche Lachen gilt vor allem ihren Kindern Matz und Charlotte: Monika Kruczek und Marco Seidel müssen ihre Hochzeit um mehr als ein Jahr verschieben. „Uns ist manchmal zum Heulen zumute“, sagt das enttäuschte Paar.

Das fröhliche Lachen gilt vor allem ihren Kindern Matz und Charlotte: Monika Kruczek und Marco Seidel müssen ihre Hochzeit um mehr als ein Jahr verschieben. „Uns ist manchmal zum Heulen zumute“, sagt das enttäuschte Paar. Foto: Monika Schönfeld

Von Monika Schönfeld

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). „Ich könnte heulen“, sagt Monika Kruczek, drückt die Tränen aber schnell weg, als Matz (3) und Charlotte (5) ins Zimmer kommen. „Sie fragen schon, warum ich traurig bin.“ Traurig sind sie und Marco Seidel, weil ihre seit anderthalb Jahren geplante Hochzeit auf nächstes Jahr verschoben werden muss. Das Standesamt führt im Rathaus bis Ende April keine Trauungen mehr durch, das Heimathaus ist bis einschließlich Juni geschlossen.

Es ist keine gute Woche für Monika Kruczek und Marco Seidel (beide 36). Ihre Hochzeit fällt ins Wasser, ihm brechen als selbstständigem Hochzeitsfotografen die Aufträge weg, und die beiden gemeinsamen Kinder müssen zu Hause betreut werden, weil der Kindergarten geschlossen ist.

Heiratsantrag im Herbst 2018 auf Lanzarote

Dabei fing alles so romantisch an. Im Herbst 2018 hat Marco Seidel seiner Lebensgefährtin, mit der er seit 2005 zusammenlebt, auf Lanzarote einen Heiratsantrag gemacht. „Wir wollten am 9. Mai im Heimathaus standesamtlich heiraten, dann in der Alten Wassermühle zu Bentrup in Bielefeld feiern. Wir haben die Band gebucht, den Caterer, wir haben die Ringe mit dem Datum gravieren lassen, die Dekoration bestellt und den Fotografen gebucht. Für die Kinder sind die Kleider gekauft, das Brautkleid hängt im Schrank. „Wer weiß, ob das nächstes Jahr noch passt oder mir noch gefällt“, sagt Monika Kruczek. „Der Caterer hat dieses Jahr keinen Termin mehr frei, in unserer Wunsch-Location gibt’s nur noch Termine am Freitag.“

Achterbahn der Gefühle

Seit zwei Tagen erlebt das Paar eine Achterbahn der Gefühle. „Als wir hörten, dass das Rathaus bis Ende April geschlossen ist, dachten wir: Gut, dass wir im Heimathaus und erst im Mai heiraten. Dann hat Standesbeamtin Karin Buschmann angerufen und berichtet, dass das Heimathaus geschlossen hat. Wir können aber auch nicht alternativ am Samstag im Standesamt heiraten. Ich würde ja sogar unter freiem Himmel heiraten, das ist aber verboten, da man dann auch nicht verhindern kann, dass viele Menschen zusammenkommen.“

Eine weitere Unsicherheit: Würden überhaupt alle 80 eingeladenen Freunde und Verwandte zur Feier kommen, wenn die Gefahr besteht, dass man sich bei Unbekannten mit dem Virus infiziert? „Das wäre dann schade, wenn man Essen und Getränke für 80 Leute hätte und nur 40 kämen.“

Jetzt soll am 12. Juni 2021 geheiratet werden

Letztendlich haben sich Monika Kruczek und Marco Seidel schweren Herzens entschlossen, am 12. Juni 2021 zu heiraten. „Der erste Impuls nach dem Schock, all der Vorfreude und der Planung: dann heiraten wir gar nicht, ich habe keine Lust, alles zu verschieben.“ Dann aber seien sie mit positiver Einstellung herangegangen – allein wegen der Kinder, die ihre Traurigkeit nicht spüren sollen. „Wir wissen gar nicht, was uns die Stornierung kosten wird.“

Die abgesagte Hochzeit ist noch nicht mal das einzige Problem, mit dem die Familie zu tun hat. Die Sozialversicherungsangestellte bei einer Krankenkasse hat diese Woche frei, weil ihre beiden Kinder nicht in den Kindergarten können. Nächste Woche übernimmt Marco Seidel die Kinderbetreuung, der als selbstständiger Fotograf zurzeit selbst viele Stornierungen hat. „Ich fotografiere Menschen, Kinder, Babys, Hochzeiten, Familien. Die haben zurzeit andere Probleme.“

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Positiv ist, dass ich jetzt viel Zeit mit der Familie verbringe.

Marco Seidel

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Dennoch wirkt die Familie recht fröhlich. „Positiv ist, dass ich jetzt viel Zeit mit der Familie verbringe“, sagt Marco Seidel. „Das entschleunigt, man muss sich neu organisieren“, sagt Monika Kruczek. Und eins noch: „Welch ein Glück, dass wir noch keine Hochzeitsreise gebucht haben.“

Kommentare

Naja,

Naja, ich sach mal, schade für das nette Paar, aber absolut notwendig für unsere Gesellschaft. Diese Einstellung fehlt dabei komplett. Verantwortlich ist das nicht Frau Schönfeld.

1 Kommentare

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