Mo., 23.03.2020

Geschäftsschließungen und ihre Folgen: Verkäufer in Schloß Holte-Stukenbrock bleiben auf Saisonware sitzen Einzelhandel im Dornröschenschlaf

Auch wenn es große Einnahmeeinbußen mit sich bringen wird, steht Geschäftsführerin Beate Evers-Joachim hinter den Entscheidungen zur Geschäftsschließung auf Zeit, um dem Coronavirus Einhalt zu gebieten.

Auch wenn es große Einnahmeeinbußen mit sich bringen wird, steht Geschäftsführerin Beate Evers-Joachim hinter den Entscheidungen zur Geschäftsschließung auf Zeit, um dem Coronavirus Einhalt zu gebieten. Foto: Manuela Fortmeier

Von Manuela Fortmeier

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Sonnenschein zum Frühlingsanfang, blauer Himmel und blühende Blumen in den Gärten. Eigentlich eine Zeit, die Lust auf Neues macht. Zum Beispiel Lust darauf, sich mit der neuen Frühjahrskollektion für die schöne Sommerzeit auszustatten. Stattdessen verharren Einzelhandelsgeschäfte aufgrund des Coronavirus im Dornröschenschlaf. Außer zum schnellen Einkaufen in den Supermarkt oder die Apotheke ist kaum jemand auf den Straßen zu sehen. Gemeinden und Städte sind wie verwaist.

„Unsere Lager sind voll bis an den Stehkragen. Wir haben wunderschöne, topmodische Ware für den Frühling und den Sommer geordert, die nun nicht nur bei uns in den Regalen und auf den Kleiderständern zum Verkauf steht, aber dort wohl erst einmal bis auf ungewissen Zeit hängen bleiben wird,“ sagt Beate Evers-Joachim. Geschäftsführerin im Damenmodengeschäft „ Le Clou“ in Stukenbrock.

Dabei hat die Fachfrau für Mode ihre Ware für den Herbst und Winter 2020/2021 schon vor Wochen auf den Messen geordert. Erfahrungsgemäß wird auch in diesem Jahr die erste Ware bereits Ende Juni erwartet. Wo sie und ihre beiden Mitarbeiterinnen das alles einlagern sollen, weiß sie noch nicht, wenn die Sommerware nicht rechtzeitig abverkauft werden kann. Zudem müssten ja auch die anfallenden Rechnungen dafür sofort beglichen werden. „Wovon, wenn wir keine Einnahmen haben? Und nicht nur das. Auch die laufenden Fixkosten wie Strom, Miete, Versicherungen laufen ja weiter,“ blickt Evers-Joachim besorgt in die Zukunft.

Regale voller Sommerschuhe

Von ähnlichen Erfahrungen berichtet auch Johannes Damsch, Inhaber der beiden Schuhgeschäfte „M&H Shoes“ in Bielefeld und an der Bahnhofstraße in Schloß Holte. „Wir Einzelhändler sind mit der Situation von heute auf morgen konfrontiert worden und jetzt mit der Situation auf uns alleine gestellt. Daran hängen Existenzen, Familien die von den Einnahmen leben müssen. Da ist das Eis schnell ganz dünn“, macht sich der Unternehmer große Sorgen. Seine Regale stehen voll mit Frühlings- und Sommerschuhen für die ganze Familie. „Wenn die Geschäftsschließungen lange andauern, müssen wir schauen, wie wir die Waren bis zum neuen Saisonstart vermarkten, um Platz für die Herbst- und Winterware zu schaffen.“

Selbstverständlich sei es das einzig Richtige, zu Hause zu bleiben und Verantwortung für andere sowie sich selbst zu übernehmen. Die Schließung der Geschäfte mache in jedem Fall Sinn. „Aber was ich nur schwer verstehen kann, ist, warum andere Geschäfte oder auch Dienstleister, die mehr Nähe zum Kunden haben, geöffnet bleiben dürfen“, fragt sich Damsch. Gedanken macht sich der Geschäftsmann auch über die Ungewissheit, wie es nach der Corona-Zeit für die Einzelhändler weitergehen soll. „Zumal uns ja auch in der jetzigen Situation niemand sagen, wann das sein wird. Wir Einzelhändler greifen derzeit nach jedem Strohhalm, den wir greifen können und der uns etwas Mut in diesen schwierigen Zeiten gibt“.

Ware sitzt in Italien fest

Prall gefüllt sind auch die Lager im „Esplanada“ , dem Fachgeschäft für Kleidung und Geschenkideen. Seit Wochen bereitet sich Inhaberin Nicole Brinker-Ohmke auf die neue Saison vor. Sommerkleidung, Accessoires und Dekorationen für ein schönes Zuhause, all das findet man bei ihr in den Räumen an der Bahnhofstraße 65. Doch wie alle anderen Einzelhändler bleiben auch bei ihr die Türen per Gesetzbeschluss verschlossen. „Als es bekannt war, dass das Coronavirus sich weltweit verbreiten würde, war es für mich recht schnell klar, dass auch wir die Auswirkungen in absehbarer Zeit zu spüren bekommen werden“, sagt die Inhaberin. Ware, die für die ersten Februarwochen geordert war, sitzt teilweise noch immer in den Schiffscontainern fest, ist noch unterwegs, oder Ware aus Italien ist auf Grund der verheerenden Situation auch von dort noch nicht ausgeliefert worden. „Dennoch, auch wenn viele von diesen Maßnahmen betroffen sind und starke Einbußen verzeichnen müssen, sehe ich die Entscheidung als völlig korrekt an. Denn Menschenleben und die Gesundheit haben Priorität vor allem anderen.“

Große Schwierigkeiten sieht die Geschäftsfrau jedoch schon jetzt im Absatz der verbleibenden Waren, diese später an den Mann oder die Frau zu bringen, wenn die Geschäfte irgendwann wieder öffnen dürfen. „Wer weiß, wann das sein wird. Aufholen können wir das sicher nicht mehr, denn bereits ab Mitte Juli rechnen wir mit dem Auslieferungsbeginn der Herbst- und Winterware. Ich hoffe jedoch, dass die Menschen aus dieser Situation lernen und sie als Chance wahnnehmen. Wir Menschen dürfen nicht mehr den Ansporn haben, uns täglich immer mehr selbst zu überholen, mehr besitzen zu wollen als andere, oder mehr wert zu sein“, sagt Nicole Brinker-Ohmke.

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