Mi., 25.03.2020

Selbst beim Ordnungsamt herrscht zu Beginn der Corona-Kontrollen in Schloß Holte-Stukenbrock Unsicherheit Was ist erlaubt – und was nicht?

Klaus Lüke vom Ordnungsamt der Stadt findet in der Shell-Tankstelle an der Kaunitzer Straße vorbildliche Reaktionen auf die neuesten, kontaktvermeidenden Anordnungen: Wartelinien und Laufrichtung sind auf dem Boden markiert, die Mitarbeiter tragen Handschuhe und sind an der Kasse durch einen Spuckschutz aus Plexiglas geschützt.

Klaus Lüke vom Ordnungsamt der Stadt findet in der Shell-Tankstelle an der Kaunitzer Straße vorbildliche Reaktionen auf die neuesten, kontaktvermeidenden Anordnungen: Wartelinien und Laufrichtung sind auf dem Boden markiert, die Mitarbeiter tragen Handschuhe und sind an der Kasse durch einen Spuckschutz aus Plexiglas geschützt. Foto: Monika Schönfeld

Von Monika Schönfeld

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Montagnachmittag, kurz nach 16 Uhr. Klaus Lüke von der Stadtverwaltung hat den Auftrag, in der Stadt danach zu schauen, ob alle Händler die verschärften Bestimmungen einhalten, damit das Coronavirus nicht weiter verbreitet wird. Die Tankstellen und die Verkaufswagen vor den Supermärkten sind dran.

Erstmals unterwegs waren Klaus Lüke und seine Kollegin Emine Bikliq am Freitag, als die Gaststätten geschlossen werden mussten. Am Donnerstag hatte er allein die Einzelhändler überprüft, die schließen mussten. „Die Unsicherheit ist groß. Jeden Tag gibt es neue Anordnungen. Am Donnerstag und Freitag durften Gaststätten noch bis 15 Uhr öffnen, seit Sonntag sind sie komplett geschlossen, Dann durften sie zunächst nur noch einen Lieferservice anbieten, jetzt ist auch Selbstabholung erlaubt“, sagt Lüke. In den Lebensmittelgeschäften, die noch öffnen dürfen, müssen Hygienehinweise ausgehängt und Abstände eingehalten werden.

Verwirrung an der Shell-Tankstelle

Bei der Shell-Tankstelle an der Kaunitzer Straße beginnt Klaus Lüke am Montag. Sabrina Nolte sackt sichtbar der Kreislauf weg, als Klaus Lüke ihr sagt, dass sie nur noch Benzin, Öl, Zeitschriften, Zigaretten und Tabak verkaufen darf, nicht aber Getränke, Alkoholika, Süßigkeiten, Klopapier. „Dann kann ich gleich schließen. Das ist existenzgefährdend. Keine Tankstelle kann ohne Shop-Geschäft leben. Am Benzin verdienen wir nichts.“ Sie telefoniert sofort mit dem Shell-Bezirksleiter. „Das Ordnungsamt muss die Verordnung falsch verstanden haben, mit dem Ministerium gibt es eine Vereinbarung, dass Tankstellen auch Lebensmittel verkaufen dürfen“, sagt sie nach dem Telefonat. Tankstellen seien auch eine Basis der Notversorgung.

Klaus Lüke ist sich jetzt selbst unsicher. Er fährt erst mal zum Rathaus zurück. Denn Sabrina Noltes Argumente bestechen: „Warum sollte ein Supermarkt Süßigkeiten und Getränke in Flaschen verkaufen dürfen, Tankstellen aber nicht?“ Was sie verstehen könne, dass sie keinen frisch gebrühten Kaffee und offene Croissants oder Brötchen verkaufen dürfe. Das Café neben der Kasse macht sie direkt zu. „Alles andere kann ich nicht einschränken. Das könnte ich finanziell nicht überstehen“, sagt sie. Am Dienstag gibt Klaus Lüke dann Entwarnung: Süßigkeiten, Getränke und Klopapier dürfen auch weiterhin an der Tankstelle verkauft werden.

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Meine Kunden sind wesentlich kürzer im Shop als in einem Supermarkt, wo sie meistens anstehen müssen.

Sabrina Nolte

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Dort besteht das Publikum von Sabrina Nolte zumeist aus Stammkunden die wissen, was sie wollen. „Die kommen rein, nehmen sich, was sie brauchen, zahlen und sind wieder draußen. Sie sind wesentlich kürzer im Shop als in einem Supermarkt, wo sie meistens anstehen müssen.“ Sabrina Nolte hat vorgesorgt. Desinfektionsmittel ist abgefüllt, damit werden Flächen stündlich behandelt, und die Türklinke zum Beispiel, die alle anfassen.

„Ich muss auch meine Mitarbeiter schützen“, sagt sie. An der Kasse ist bereits ein Spuckschutz aus Plexiglas installiert, die Mitarbeiter tragen Gummihandschuhe. Und auf dem Boden sind rot-weiße Markierungen, die den Abstand von Kunde zu Kunde regeln und die Laufrichtung, damit man beim Rausgehen nicht den Wartenden in die Arme läuft. Damit tun sich am Montag noch einige schwer, werden aber freundlich darauf hingewiesen. Die Hygienehinweise hat sie noch im Büro zum Fotokopieren. „Dazu bin ich noch nicht gekommen.“

Auch Toilettenpapier im Angebot

Sabrina Nolte hat auch Toilettenpapier im Angebot. „Das ist gerade für ältere Menschen wichtig. Die kommen zu mir und haben Tränen in den Augen, weil sie in den Supermärkten nichts bekommen.“ Klaus Lüke kann das nachvollziehen. „Okay, weil es knapp ist. Verkaufen Sie es.“

Sabrina Noltes Vater hält sich zurück, schüttelt dann aber den Kopf. „Im Getränkemarkt und beim Schlachter merkst du überhaupt keinen Aufwand zur Hygiene. Da tragen die Mitarbeiter noch nicht einmal Handschuhe.“

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