Mi., 25.03.2020

Kein Besuch in den Altenheimen – Tagespflegen geschlossen Pflegekräfte federn Isolation ab

Von Manuela Fortmeier

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, darf auch in Alten- und Pflegeeinrichtungen den Angehörigen und Besuchern kein Einlass mehr gewährt werden. Hinzu kommen weitere Auflagen, die vom Personal einzuhalten sind und den Alltag des Personals jeden Tag zur neuen Herausforderung werden lassen.

Die Bewohner des Caritas-Seniorencentrums können die Geräte vor dem Eingang nutzen, zeigt Leiter Bernd Zilger. Foto: Manuela Fortmeier

Der Besucherstopp ist nicht nur für die Bewohner selbst, sondern insbesondere auch für deren Angehörige eine außergewöhnliche Situation. „Manche Bewohner fiebern dem regelmäßigen Besuch förmlich entgegen, schauen dabei immer wieder auf die Uhr“, weiß Bernd Zilger, Einrichtungsleiter des Caritas-Seniorencentrums St. Johannes Stukenbrock. Das sieht im Altenzentrum Wiepeldoorn genauso aus.

Mit diesem Wissen haben beide Einrichtungen ihr Betreuungsprogramm enorm erweitert, um den Bewohnern den Alltag so schön wie eben nur möglich zu gestalten. „Es ist gut, dass der Besucherstopp rechtzeitig ausgesprochen wurde. Besser zu früh, als zu spät, denn gerade die älteren Menschen gehören schließlich zu den Risikogruppen, die besonders geschützt werden müssen“, sagt Zilger.

Azubis sammeln Erfahrungen

Den Anweisungen entsprechend sind in beiden Einrichtungen die Tagespflegeinrichtungen bereits geschlossen. „Bei uns hat ein Teil des Personals Urlaub genommen. Alle weiteren Mitarbeiter der Tagespflege unterstützen das Team in der Pflegereinrichtung, in der auch unsere acht Auszubildenden viel praktische Erfahrungen sammeln können, da die Fachschulen ja ebenfalls geschlossen sind.“

Das Betreuungsteam des Altenzentrums Wiepeldoorn hat die Ausnahmesituation dazu genutzt, kreativ zu werden, damit die zu pflegenden Bewohner trotzdem an jedem Tag etwas Schönes erleben können“, sagt Steffen Gerz, Pressesprecher des Wertkreises, Träger des Wiepeldoorn. So hat das Team die sonnigen Tage genutzt, im Rosengarten der Einrichtung unter freiem Himmel und nur in Kleinstgruppen und mit notwendigem Abstand gemeinsam zu kegeln, zu singen, oder Gymnastik zu machen. Je nach Gesundheitszustand der Bewohner im Stehen oder als Sitzgymnastik.

Und weil frische Luft hungrig macht, gab es vergangene Woche eine kulinarische Überraschung. „Die Bewohner haben mit dem Betreuungspersonal Toast Hawaii zubereitet und im Anschluss verzehrt“, berichtet Gerz von der Aktion, die „sehr gut angekommen ist und viel Freude bereitet hat“.

Ein Zeichen der Solidarität setzt der heimische Künstler Hans Kordes mit seiner Aktion, indem er im Garten des Altenzentrums Wiepeldoorn seine Metallskulpturen aufgestellt und zu einem Blickfang für die Bewohner gemacht hat. „Über diese Aktion haben sich die Bewohner sehr gefreut. Manche, die nicht so mobil sind, haben die Kunstwerke aus dem Fenster bewundert, andere sind in Begleitung in den Garten gegangen, um die Wildschweine, den Wolf und die anderen Tiermotive direkt aus nächster Nähe in Augenschein zu nehmen.“

Einkäufe werden zentral erledigt

„Sehr viel Organisationsarbeit“ erfordert derzeit auch der täglich neu zu gestaltende Arbeitsablauf in den Einrichtungen, der durch die Leitungsteams komplett neu strukturiert und geplant werden muss. „Wir haben die Angehörigen und Bewohner schriftlich über die neuen Auflagen und die Situation informiert“, berichtet Bernd Zilger. Außerdem habe er als Vorsichtsmaßnahme, falls eine Ausgangssperre verhängt werden sollte, an alle Mitarbeiter eine Unabkömmlichkeits-Erklärung versendet, sodass sie sich im Ernstfall ausweisen und den Weg zur Arbeit antreten können. „Wir als Leitungsteam tragen die Verantwortung für die Bewohner und beziehen alle Eventualitäten in unsere Planung ein.“ Aus diesem Grund werden die Bewohner gebeten, keine Einkäufe selbst zu tätigen. „Wir geben jetzt einmal täglich eine Sammelbestellung an einen Supermarkt in der Nähe. Die Waren werden dann durch uns vor dem Geschäftseingang abgeholt, um Kontakte zu minimieren.“

Beide Einrichtungen haben seit mehr als drei Wochen einen internen Krisenstab gebildet, der im regen Austausch mit dem Kreis Gütersloh und dem Gesundheitsamt des Kreises steht. Die Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes haben oberste Priorität, wie das häufige Händewaschen und Desinfizieren aller Gegenstände. „Noch reichen Desinfektionsmittel und Atemschutzmasken aus, aber wir wären sehr dankbar, wenn uns jemand zu fairen Preisen mehr anbietet“, sagt Zilger.

Keine Corona-Fälle

Aktuell sind in beiden Einrichtungen keinerlei Corona-Fälle bekannt und beide tun mit ihrem Team alles, damit es so bleibt. Externe Dienstleister wie Friseure, Ergotherapeuten, Podologen oder Physiotherapeuten haben zurzeit keinen Zutritt. Zilger und Gerz danken ihren Teams, die bei der Bewältigung weit über ihre Grenzen gehen. „Danke auch für das große Verständnis der Angehörigen“, die mit ihrem Verhalten dazu beitragen, dass die Bewohner und Mitarbeiter geschützt werden.

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