Sa., 28.03.2020

Pfarrer Karl-Josef Auris lässt in Schloß Holte-Stukenbrock die Kirchen zu Gottesdienst-Zeiten öffnen „Ich will niemanden missionieren“

Pfarrer Karl-Josef Auris, Leiter des Pastoralen Raums Am Ölbach, entzündet in der St.-Ursula-Kirche Schloß Holte eine Kerze – so wie es 100 bis 150 Menschen täglich im Pastoralverbund machen, wenn die Kirchen geöffnet werden.

Pfarrer Karl-Josef Auris, Leiter des Pastoralen Raums Am Ölbach, entzündet in der St.-Ursula-Kirche Schloß Holte eine Kerze – so wie es 100 bis 150 Menschen täglich im Pastoralverbund machen, wenn die Kirchen geöffnet werden. Foto: Monika Schönfeld

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Keine Gottesdienste in den Kirchen, keine Trauungen, keine Taufen, Beerdigungen nur am Grab – es sind harte Zeiten für die Kirche. Mit dem Leiter des Pastoralen Raums Am Ölbach, Pfarrer Karl-Josef Auris, sprach WESTFALEN-BLATT-Redakteurin Monika Schönfeld über die Kirche in Zeiten des Coronavirus .

Woran merken Sie, dass den Menschen den Menschen die Gottesdienste fehlen?

Karl-Josef Auris: Das merkt man in den Verler und Schloß Holte-Stukenbrocker Kirchen daran, dass 100 bis 150 Kerzen am Tag angezündet werden. Alle Kirchen sind mit einem Gitter geschützt. Das öffnen wir zu den Zeiten, an denen normalerweise Gottesdienste stattfinden. Die Menschen können still für sich und in gebotenem Abstand zueinander beten, auch wenn kein Gottesdienst stattfindet. Wir machen an Sonn- und Feiertagen das Licht an.

 

Ostern ist das höchste kirchliche Fest. Auch dann werden keine Gottesdienste gefeiert. Gibt es Ideen, wie man das Fest trotzdem begehen kann?

Auris: Jugendliche aus Stukenbrock wollen den Menschen am Samstagabend Kerzen vor die Haustür stellen. Auf der Internetseite des Pastoralen Raums Am Ölbach haben wir Vorlagen gestellt für ein persönliches Gebet im kleinen Familienrahmen. Außerdem haben wir dort Mutmachertexte veröffentlicht und die Hilfeangebote von der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe St. Johannes Baptist um Giesela Hörster.

 

Was halten Sie von den Beschränkungen?

Auris: Ich bin froh, dass das Generalvikariat die öffentlichen Vorgaben übernimmt. Die Leute bedauern es, dass es keine Treffen mehr gibt. Aber gesund abwarten ist besser als röchelnd sterben.

 

Manche interpretieren das Coronavirus als Strafe Gottes. sehen Sie das auch so?

Auris: Es ist eine Naturkatastrophe. Es ist ein extrem ansteckendes, tödliches Virus, das in China mutiert ist, in einer globalen Gesellschaft sich schnell verbreitet und auf eine überalterte Gesellschaft trifft. In dieser Situation kommt einem Gott nahe, aber Gott hat mit dem Virus nichts zu tun. Die Frage ist, was macht das Virus mit dem Menschen. Das muss jeder selbst interpretieren.

Halten Sie das Virus auch für eine Chance?

Auris: Nein. Es kann aber einen Impuls geben, über das eigene Leben nachzudenken, das eigene Verhalten des Konsumierens zu überdenken.

Haben Sie Angst?

Auris: Ja, aber keine hysterische. Ohne Angst ist das Leben riskant. Mir ist es wichtig, dass ich mein Grundvertrauen nicht verliere, das Vertrauen, dass wir das schaffen. Ich habe Angst vor denen, die das Coronavirus missbrauchen möchten, um die offene Gesellschaft einzuschränken. Ich bin gegen jegliche Abschottungstendenzen. Ich stehe dafür ein, dass die Welt eine offene Welt bleibt.

 

Was ist besonders belastend?

Auris: Die Beerdigung eines geliebten Menschen am offenen Grab ist für Angehörige eine unglaubliche Belastung. Es ist ein Urbedürfnis, sich zu verabschieden. Das ist mit Sicherheitsabstand und mit den zehn engsten Angehörigen schwer. Ich hoffe, dass es in Zusammenarbeit mit den Bestattern gelingt. Es ist mir ein Anliegen, das Gedenken so persönlich wie möglich zu machen.

Ist etwas geplant, um einen Ausgleich zu den nicht stattfindenden Begegnungen zu geben?

Auris: Ich werde den Bewohnern des St.-Anna-Hauses handschriftliche Grüße schicken – aber nur denen, die Kontakt zur Kirche haben. Ich will niemanden missionieren. Die Gemeinde St. Johannes Baptist plant einen Podcast oder einen Streaming-Gottesdienst. Da muss man mal schauen. Religionsgebäude sind öffentliche Räume, da dürfen sich nicht mehr als zwei Menschen nah zusammen aufhalten. Für alles andere bräuchte man eine Ausnahmegenehmigung. Wir haben aber auf unserer Homepage einige Streaming-Angebote.

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