Quartett gedenkt in Stukenbrock-Senne stellvertretend an Befreiung des Stalag vor 75 Jahren
Ein Tag, der wichtig ist

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Einzeln treten NRW-Landtagspräsident André Kuper, Oliver Nickel (Geschäftsführer der Gedenkstätte Stalag), Hubert Kniesburges (Vorsitzender des Arbeitskreises „Blumen für Stukenbrock“) und Günter Garbrecht (Regionalgruppe OWL des Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“) vor den Obelisken auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof in Stukenbrock-Senne. Sie schweigen. Halten kurz inne. Es ist still. Nicht ungewöhnlich für einen Friedhof. Doch zum 75. Jahrestag der Befreiung des Stalag 326 hatten sich alle doch einen etwas größeren Rahmen für die Gedenkfeier gewünscht.

Donnerstag, 02.04.2020, 20:00 Uhr
Der vorgeschriebene Mindestabstand von anderthalb Metern wird von NRW-Landtagspräsident André Kuper (von links), Günter Garbrecht (Regionalgruppe OWL des Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“), Hubert Kniesburges (Vorsitzender des Arbeitskreises „Blumen für Stukenbrock“) und Oliver Nickel (Geschäftsführer der Gedenkstätte Stalag) eingehalten. Foto: Dirk Heidemann
Der vorgeschriebene Mindestabstand von anderthalb Metern wird von NRW-Landtagspräsident André Kuper (von links), Günter Garbrecht (Regionalgruppe OWL des Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“), Hubert Kniesburges (Vorsitzender des Arbeitskreises „Blumen für Stukenbrock“) und Oliver Nickel (Geschäftsführer der Gedenkstätte Stalag) eingehalten. Foto: Dirk Heidemann

„Sobald man wieder normal denken kann und Licht am Horizont sieht, werden wir in jedem Fall noch eine offizielle Veranstaltung planen und Überlebende mit einbeziehen“, kündigt Kuper an, der dafür die zweite Jahreshälfte anvisiert: „Zwei, drei Monate werden wir noch warten müssen.“ Die aktuelle Corona-Krise beschreibt der NRW-Landtagspräsident als „unsäglich“, zeigt sich gleichwohl wie alle anderen machtlos: „Es ist, wie es ist.“

Der Ernst der Zusammenkunft ist allen bewusst

Und so wird am Donnerstagnachmittag vor allem darauf geachtet, dass der vorgeschriebene Mindestabstand von anderthalb Metern eingehalten wird. Als das Foto entsteht, auf dem alle vier Protagonisten zu sehen sind, muss Kuper ein wenig schmunzeln: „Im Grunde ist das schon eine Versammlung, wir bewegen uns in einer rechtlichen Grauzone.“ Der Ernst der Zusammenkunft ist allen Beteiligten gleichwohl bewusst. Hier, wo bislang knapp 16.000 Tote identifiziert worden sind, sollen zwischen 1941 und 1945 bis zu 65.000 sowjetische Kriegsgefangene und Verschleppte verscharrt worden sein. Eine auch 75 Jahre später fast unerträgliche Vorstellung.

„Heute ist ein Tag, der uns wichtig ist und es ist auch wichtig, dass wir hier waren“, unterstreicht Oliver Nickel, nachdem er ein Blumengesteck am Obelisken niedergelegt hat. Fünf weiße Rosen, acht orangefarbene, dazu ein gutes Dutzend Tulpen. Vier Schleifen schließen den bunten Strauß nach unten hin ab. „75. Jahrestag der Befreiung“ ist auf einer zu lesen. Die anderen benennen die an der kleinen Gedenkfeier teilnehmenden Organisationen: der Arbeitskreis Blumen für Stukenbrock, der Förderverein Gedenkstätte Stalag 326 VI/K und die Regionalgruppe OWL gegen Vergessen – für Demokratie.

Jägerzaun erst in zwei Jahren restauriert

Letztere hätte es gerne gesehen, wenn der weite Teile des Sowjetischen Ehrenfriedhofs umschließende und unter Denkmalschutz stehende Jägerzaun bis zum Jahrestag der Befreiung instandgesetzt worden wäre. Doch es haben gerade erst die vorbereitenden Arbeiten begonnen. „Es wird wohl noch zwei Jahre dauern, bis alles fertig ist“, denkt Günter Garbrecht. Damit wäre immerhin gewährleistet, dass sich der Jägerzaun zum 80. Jahrestag 2025 in restauriertem Zustand befindet. Dann gerne wieder mit mehr Publikum, das gerne schweigen, innehalten und still sein darf. Nur vergessen darf man nie.

• Anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung der Kriegsgefangenen gibt es auf der Homepage der Gedenkstätte Stalag (www.stalag326.de) eine digitale Ausstellung mit dem Titel „unter_Menschen“. Die Ausstellung von Martin Kolek thematisiert das Leben polnischer und sowjetischer Zwangsarbeiter und Kriegsgefangener im Delbrücker Land zwischen 1939 und 1945.

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