Wirt des Restaurants „Casa Nostra“ hat sich das Zehnjährige anders vorgestellt
Gläser und Stühle bleiben leer

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). In anderen Städten stellen Gastwirte leere Stühle auf, um auf ihre prekäre Situation hinzuweisen. „Ich wünschte mir, auch in Schloß Holte-Stukenbrock würden die Wirte zusammenrücken und koordiniert agieren. Und zwar nicht nur, um auf ihre wirtschaftliche Situation in der Corona-Krise hinzuweisen, sondern auch, um in Zukunft etwas gemeinsam für diese Stadt zu bewirken.“ Das sagt Servet Hajrullahi, der mit seiner Frau Hikmete das Restaurant „Casa Nostra“ am Ebbinghausweg betreibt. Eigentlich wollte er vergangenes Wochenende groß das zehnjährige Bestehen feiern – mit geladenen Gästen am Freitag, einer Party am Samstag und einem Familienfest mit Trampolin und Spielen für die Kinder am Sonntag.

Mittwoch, 29.04.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 29.04.2020, 05:00 Uhr
Servet und Hikmete Hajrullahi: Seit mehr als sechs Wochen bleiben die Gläser und die Plätze in der Casa Nostra leer. Foto: Monika Schönfeld
Servet und Hikmete Hajrullahi: Seit mehr als sechs Wochen bleiben die Gläser und die Plätze in der Casa Nostra leer. Foto: Monika Schönfeld

Die Bestimmungen in der Corona-Pandemie haben Servet Hajrullahi hart getroffen. „Am 16. März mussten wir schließen. Wir haben kein Publikum für einen Mittagstisch. Erst am 2. April habe ich das Restaurant für den Außer-Haus-Verkauf geöffnet“, sagt der Gastwirt. „Ich habe große Solidarität erfahren. Stammgäste holen sich ihre Bestellungen ab. Das reicht aber nicht, um die Kosten zu decken. Es ist nur eine Schadensbegrenzung. Meine größte Sorge ist die Unsicherheit. Niemand weiß, wie es weitergeht.“ Betroffen ist seine Familie, aber auch zwei Angestellte, die Kurzarbeit machen, und acht Aushilfen in Küche und Service, die auf den Verdienst angewiesen sind. „Da ist zum Beispiel ein Auszubildender, der nebenbei bei uns arbeitet. Er braucht die 450 Euro, das Trinkgeld und das freie Essen. Für die Aushilfen tut es mir richtig leid.“ Servet und Hikmete Hajrullahi stehen allein in der Küche. Von 17 bis 21 Uhr können die Gäste das Essen täglich abholen.

In der Casa Nostra haben 80 Personen drinnen und weitere 80 im Biergarten Platz. „Die Außengastronomie mit Abständen wieder zuzulassen, wäre ein Anfang. Im Wintergarten könnte ich statt 35 auch nur 15 Gäste bewirten, die weit auseinander sitzen.“ Natürlich hat er Soforthilfe beantragt und bekommen. „Die rettet ein Unternehmen aber nicht.“

Servet Hajrullahi (43) hat als Koch in einem Verler Gastronomiebetrieb gearbeitet, als er auf das „Casa Nostra“ gestoßen ist und sich hier seinen Traum verwirklicht hat, für eigene Gäste zu kochen. Die Räume mussten kernsaniert werden. Seine Vermieter, Ulla und Bernhard Meier, ließen sich vom Elan des Wirtepaares anstecken und investierten. Weil der Zulauf direkt nach der Eröffnung so groß gewesen sei, kam die Idee auf, einen Wintergarten anzubauen, der noch im November des Startjahrs eröffnet wurde. Im Weihnachtsgeschäft stellte sich heraus, dass die Küche zu klein war. Zudem wurden Theke und Sanitärbereich vergrößert, 2015 kam ein Separee mit 20 bis 25 Plätzen dazu. Bekannt ist das Restaurant auch durch „ Schlemmen und spenden “ in der Mittagszeit am Heiligen Abend. In zehn Jahren sind durch dieses Engagement mehr als 50.000 Euro für die Kinder der Stadt gespendet worden.

Vorerst bleiben aber die Gläser aber leer. „Mein Kenntnisstand ist, dass sich vor Pfingsten nichts tut.“

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