Katharina Nocken, Pflegekraft beim DRK, hat einen Wunsch über die Corona-Zeit hinaus
Wichtig, dass die Anerkennung bleibt

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Katharina Nocken arbeitet in der ambulanten Pflege. Die 38-Jährige ist stellvertretende Leiterin des DRK-Pflegedienstes in Schloß Holte-Stukenbrock. Katharina Nocken übt damit einen Beruf aus, der in der Corona-Krise mehr denn je in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses gerückt ist, der viel Anerkennung erfahren hat und der als „systemrelevant“ eingestuft ist.

Dienstag, 26.05.2020, 05:00 Uhr
Einen großen Teil von Katharina Nockens Arbeit nimmt die Dokumentation in Anspruch. Foto: Rainer Stephan
Einen großen Teil von Katharina Nockens Arbeit nimmt die Dokumentation in Anspruch. Foto: Rainer Stephan
Pflegen einen freundschaftlichen Kontakt zu einander: Katharina Nocken (rechts) und ihre Kundin Elisabeth Wolfslau, die sie bei der Körperpflege unterstützt.

Pflegen einen freundschaftlichen Kontakt zu einander: Katharina Nocken (rechts) und ihre Kundin Elisabeth Wolfslau, die sie bei der Körperpflege unterstützt. Foto: Rainer Stephan

„Dank Corona haben die Menschen heute eine andere, eine bessere Meinung über das Gesundheitswesen“, sagt die Altenpflegerin. Kann sie sich über die in Aussicht gestellte staatliche Sonderzahlung in Höhe von 1000 oder 1500 Euro freuen? „Bonus hin oder her“, sagt die verheiratete Mutter eines Sohnes, „das ändert doch nichts an meiner Einstellung zum Beruf. Viel wichtiger ist für mich, dass die öffentliche Anerkennung, die wir im Moment erfahren, auch in Zukunft bleibt.“

Kleine Unterstützung, große Wirkung

Der Arbeitstag von Katharina Nocken – er beginnt am frühen Morgen um 7 Uhr mit dem Einchecken im Büro an der Stukenbrocker Hauptstraße. Um 8 Uhr hat sie bereits zwei Pflegeinsätze hinter sich. Den nächsten Kundenbesuch statten wir gemeinsam ab. Wir klingeln an der Wohnungstür einer älteren Dame. Dann öffnet Katharina Nocken die Tür mit einem Schlüssel, um danach die Wohnung mit einem freundlichen „Hallo und guten Morgen“ zu betreten. Die 87-Jährige Bewohnerin wartet schon auf ihre Pflegerin. Heute stehen Dusche und Haarwäsche auf dem Programm. Danach hilft Katharina Nocken ihr beim Ankleiden und beim Überstreifen der Kompressionsstrümpfe. Dann noch die Medikamente für den Tag zusammengestellt, das Brot für das Frühstück geschmiert – und schon ist der heutige Pflegeeinsatz zu Ende.

Nur wenige Meter zu Fuß sind es bis zur Wohnung von Hedwig Tölke, die noch etwas schläfrig wirkt. „Sind Sie schon wach?“, fragt Katharina Nocken. „Ach, wissen Sie“, sagt die Kundin mit Augenzwinkern, „wenn man gut und lange schläft, kann man viel Kraft schöpfen für den nächsten Tag.“ Katharina Nocken lässt die alte Dame in aller Ruhe zu sich kommen, übt keinen Zeitdruck aus. „Ich arbeite hier mit Menschen“, sagt sie. „Die Zeit, die ich dafür brauche, die nehme ich mir auch.“ Das kommt bei den zu Pflegenden gut an. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Service“, sagt Hedwig Tölke.

Kontakt ist wichtig

Mit dem Auto geht es anschließend nach Stukenbrock-Senne. Dort ist Elisabeth Wolfslau zu Hause. Die 83-Jährige ist in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt, benötigt deswegen Hilfe bei der täglichen Körperpflege. Obwohl sich die beiden erst seit Jahresbeginn kennen, pflegen Elisabeth Wolfslau und Katharina Nocken bereits freundschaftlichen Kontakt. „Ich freue mich immer, wenn Katharina ins Haus kommt. Sie macht das sehr gut. Wir sprechen über Kinder, Schmerzen oder die Hauskatze Heidi – wie das im Alter so ist“, sagt Elisabeth Wolfslau.

Daran haben auch die corona-bedingten erhöhten Hygienestandards nichts geändert. Katharina Nocken: „Mund-Nase-Schutzmaske, Händedesinfektion vor jedem Besuch und die Auto-Desinfektion am Ende des Einsatztages sind Pflicht. Das alles ist nicht so gravierend. Man gewöhnt sich schnell daran.“ Und doch hat die Corona-Pandemie den Umgang mit den Kunden verändert. „Wir sprechen mit ihnen, wenn sie traurig oder wütend sind, motivieren sie und nehmen sie in den Arm, wenn sie getröstet werden müssen.“ Dieser Körperkontakt sei es, der durch die Corona-Krise stark eingeschränkt werde.

Der letzte Hausbesuch dieses Tages führt zu einem Rentner-Ehepaar. Katharina Nocken leistet hier einmal pro Woche Hilfe bei der Körperpflege. Heute erfährt sie, dass der Ehemann am Wochenende gestürzt ist und sich leichte Hämatome am Handgelenk zugezogen hat. Dies erfordert einen Eintrag in die Patientenmappe, die bei jedem Kunden vorliegt. „Das mit dem Pflegedienst“, sagt die Ehefrau, „ist etwas ganz Wunderbares. Das klappt wirklich prima. Und wenn die Frau Nocken uns besucht, dann kommt immer Leben ins Haus.“

Mit Empathie

Für Katharina Nocken stand schon im Jugendalter fest: Du machst später mal was mit Pflege. Erste Erfahrungen mit dem Berufsfeld sammelte sie als Schülerin am Wochenende in einem Pflegeheim. Beim Bielefelder Johanneswerk erlernte sie nach dem Ende der Schulzeit den Beruf der Krankenpflegehelferin. Im Anschluss danach ließ sie sich zur Altenpflegerin ausbilden. Später folgte noch eine Weiterbildung zur Pflegedienstleiterin. „Das Schöne an meinem Beruf ist, dass du helfen kannst. Die Pflege“, sagt sie, „ist für mich zugleich Berufung. Um diesen Beruf auszuüben, musst du Empathie haben. Dann gibt der Beruf dir viel zurück. Ein einziger Dank macht manchmal den ganzen Tag schön.“

Als wir gegen 13 Uhr wieder im Büro eintreffen, ist der Arbeitstag von Katharina Nocken noch nicht zu Ende. Nach einer 30-minütigen Mittagspause ist Bürodienst angesagt. Es gilt, besondere Vorgänge zu dokumentieren oder Fachgespräche mit Kollegen, Ärzten oder Wundmanagern zu führen. Um 15.30 Uhr ist der Arbeitstag gewöhnlich zu Ende. Dann setzt sich Katharina Nocken an das Steuer ihres Autos und freut sich auf den Feierabend mit Ehemann Manuel und Sohn Jonas im heimischen Bad Salzuflen.

Das DRK im Kreis Gütersloh ist auf der Suche nach Verstärkung in der ambulanten Alten- und Krankenpflege. Informationen dazu gibt es unter der Rufnummer 05241/988611 oder im Internet unter der Adresse www.drk-guetersloh.de.

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