Mobilitätsmananger stellt vor, wie Bus, Bahn und Fahrrad attraktiver werden
Weniger Wege mit dem eigenen Auto

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Dass man möglichst bequem und günstig von A nach B kommt, wird in Zukunft immer wichtiger. Um dies möglichst klimaschonend und „intelligent“ zu gestalten, hat die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen beantragt, in Schloß Holte-Stukenbrock einen Mobilitätsmananger einzustellen.

Mittwoch, 27.05.2020, 05:00 Uhr aktualisiert: 27.05.2020, 08:32 Uhr
Warten auf eine Mitfahrgelegenheit: Georg Szczepanski und Teddy SHS an der „Mobilstation“ Bahnhof Schloß Holte, wo sich Leute treffen, die mit dem Zug, dem Bus, dem Fahrrad, dem Auto oder als Mitfahrer unterwegs sind. Foto: Monika Schönfeld
Warten auf eine Mitfahrgelegenheit: Georg Szczepanski und Teddy SHS an der „Mobilstation“ Bahnhof Schloß Holte, wo sich Leute treffen, die mit dem Zug, dem Bus, dem Fahrrad, dem Auto oder als Mitfahrer unterwegs sind. Foto: Monika Schönfeld

Auf Antrag der FDP hat am Montag der Mobilitätsmanager des Kreises, Christopher Schmiegel, berichtet, was er tut und ob es für Kommunen sinnvoll ist, einen eigenen Manager einzustellen. Bis auf die Stadt Verl, die die Haltepunkte der zu aktivierenden TWE-Strecke nach Hövelhof zu Mobilstationen ausbauen will, hat keine Kommune im Kreis Gütersloh einen eigenen Manager. „Die Projekte in diesem Bereich werden zunehmen. Die Großstädte haben schon reagiert. Die mittleren und kleinen Kommunen beschäftigen sich jetzt zunehmend mit dem Thema“, sagt Schmiegel.

Alternativen zum privaten Pkw sind bislang unzureichend ausgebaut oder vorhanden.

Christopher Schmiegel

Er berichtet, dass die Kommunen unter dem Druck stehen, etwas tun zu müssen. Alle sind verpflichtet, die CO 2 -Emissionen zu senken, um eine nachhaltige Klimapolitik zu betreiben. Der Verkehr nehme weiter zu. Das bedeute mehr Staus und mehr versiegelte Flächen durch den Straßenbau. „Alternativen zum privaten Pkw sind bislang unzureichend ausgebaut oder vorhanden.“ Das steigende Verkehrsaufkommen zeige sich im Kreis Gütersloh bei den Zulassungszahlen. In den meisten Haushalten gebe es einen Zweit- und einen Drittwagen.

Christopher Schmiegel, Mobilitätsmanager des Kreises Gütersloh.

Christopher Schmiegel, Mobilitätsmanager des Kreises Gütersloh. Foto: Kreis Gütersloh

„Die Ergebnisse der Europawahl mit dem Ergebnis von Bündnis 90/Die Grünen mit 25 Prozent zeigt den politischen Wandel. Die Menschen wollen den Klimaschutz.“ Ein durchdachtes Mobilitätskonzept werde auch immer wichtiger im Wettbewerb der Städte um Arbeitskräfte.

„Der Kreis Gütersloh ist ein Autofahrer-Kreis“, sagt Schmiegel. 56 Prozent der Wege werden heute mit dem Auto zurückgelegt, 22 Prozent mit dem Rad, 13 Prozent mit dem Bus, 9 Prozent zu Fuß. Ziel des Kreises Gütersloh sei, bis 2030 die Wege, die mit dem Auto zurückgelegt werden, auf 40 Prozent, bis zum Jahr 2050 sogar auf 30 Prozent zu verringern. Das bedeutet, dass die Menschen auf Bus und Bahn und aufs Fahrrad umsteigen sollen. Das tun sie aber nur, wenn das Angebot bequem, schnell und preiswert ist.

Auch in kleinen Orten

Christopher Schmiegel arbeitet seit Sommer 2018 für den Kreis Gütersloh. Erste Projekte stehen jetzt vor dem Abschluss. Im September soll das Alltagsradwegekonzept stehen. „Wir haben bisher schöne touristische Radwege. Auf denen kommen wir aber nicht schnell zur Arbeit. Dafür brauchen wir kurze Distanzen, eine hochwertige Fahrbahn, sichere Verbindungen und Vorfahrt für Radfahrer.“ Ein spannendes Projekt sei das Dorfauto St. Vit. „Wir zeigen, dass dies in kleinen Orten möglich ist.“ Der Bahnhof Rheda wird zur Mobilstation ausgebaut, für den Gewerbepark Ravenna wird ein Verkehrskonzept entwickelt. Schmiegel sieht seine Aufgabe vor allem in der Koordination und Vernetzung. „Wenn der Kreis Verhandlungen mit Sharing-Anbietern und Anbietern von automatisiertem Fahren führt, kann das für alle Kommunen im Kreis übernommen werden.“

Stadt bestimmt die Themen

Städtische Mobilitätsmanager finden Aufgaben in ihrem Ort – je nach dem Wunsch der Kommune. Das könne für die Fortbewegung von Mitarbeitern in Betrieben oder von Schülern gelten. Vor Ort könnten Mobilstationen ausgebaut oder der Radverkehr verbessert oder die Vernetzung vorangetrieben werden mit der Regiopolregion Bielefeld, dem Zukunftsnetz Mobilität NRW oder der AG Fahrradfreundlicher Städte.

Die Mitglieder des Energie- und Umweltausschusses haben sich einstimmig dazu entschlossen, dem Zukunftsnetz Mobilität NRW beizutreten. Einer Stellenausweitung um einen Mobilitätsmanager wollte die Mehrheit nicht spontan zustimmen, allerdings sei der CDU das Thema wichtig, sagte Fraktionsvorsitzender Lars Pankoke. CDU-Kollege Michael Brechmann sagte, er sei dem Thema nicht abgeneigt, allerdings habe die Politik gerade erst den Arbeitskreis Weiterentwicklung des Öffentlichen Personennahverkehrs eingerichtet. „Wir wollen sehen, welche Themen wir künftig als wichtig erachten und dann bewerten, ob dafür ein Mobilitätsmanager sinnvoll ist.“ Peter Aschof, ebenfalls CDU, sagte, er halte es nicht für notwendig, eine ganze Stelle dafür auszuschreiben. „Vielleicht reicht eine halbe oder wir teilen uns eine Stelle mit Hövelhof.“

Sven Babaresko (FDP) will ebenfalls erst Ziele formulieren und dann sehen, wie sie am besten umgesetzt werden. Lohnt sich ein eigener Mobilitätsmanager? Das sei die Frage, die man beantworten müsse.

Bruno Reinke, Fraktionsvorsitzender der Grünen, die den Antrag gestellt hatten, sieht genug Aufgaben. Auf den Klimaschutz hätten sich alle Fraktionen verständigt, in den Bereichen Fahrradfreundlichkeit, Alltagsradweg, Mobilstationen sei viel zu tun. Und das müsse koordiniert werden.

Wir haben neue Baugebiete und ein neues Gewerbegebiet, die Verkehrlösungen brauchen.

Britta Rusch (CSB)

Britta Rusch (CSB) hätte der Schaffung einer Stelle sofort zugestimmt. „Wir haben neue Baugebiete und ein neues Gewerbegebiet, die Verkehrlösungen brauchen. Wir befinden uns in einer Grenzsituation zwischen Paderborn, Bielefeld und dem Kreis Lippe und brauchen Verbindungen über die Kreisgrenzen hinaus.“

Bruno Schmidt (SPD) forderte, die Wirtschaftlichkeit der Angebote zu steigern.

Henri Lindner, für das Jugendparlament im Ausschuss, sieht Aufgaben, die ein Mobilitätsmanager besser angehen könne als ehrenamtliche Politiker, wie zum Beispiel die Tarifstruktur von Bus und Bahn. In den Nachbarkreis zu fahren, sei extrem teuer. Die Preise treffen die sozial Schwächeren und die Geflüchteten, die mehr auf öffentliche Transportmittel angewiesen seien als andere.

Mit den Stimmen der CDU, der SPD und FDP ist das Thema in die Fraktionen zur Beratung verwiesen worden. 

Ein Kommentar von Monika Schönfeld

Der Bürgermeister selbst hat die Politiker angefixt, als er intelligente Verkehrsmittel für den Gewerbepark Senne ins Spiel gebracht hat. Selbst fahrende Minibusse und E-Mobile sind keine Zukunftsvision mehr. Die Nachbarstadt Verl arbeitet unbeirrt an zukunftsweisenden Formen. Moderne Verkehrssysteme werden in Zukunft immer mehr zum Wettbewerbsvorteil. Wer im Berufsverkehr die Hälfte seiner Anfahrt zur Arbeit im Stau steht, sehnt sich förmlich nach Alternativen. Bestimmt ist es nicht schlecht, wenn einer das koordiniert, was in verschiedenen Fachbereichen angegliedert ist. Richtig ist es aber, erst einmal festzulegen, was man will. Um es mit Christopher Schmiegel zu sagen: Für alle wird es besser, es gibt nur Gewinner, keine Verlierer.

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