Stadt schlägt vor, die Ofenausstellung ins Internet zu verlagern
Feuer knistert nur virtuell

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Von Industriemuseum ist nur der Förderverein geblieben und auch eine Ausstellung im Rathaus weicht der Idee, den Ofen aus zu machen und die Ausstellung ins Internet zu verlagern. Diese Idee soll jetzt in den Fraktionen besprochen werden.

Samstag, 13.06.2020, 05:00 Uhr
Das war der Vorschlag eines der drei Konzepte für eine Ofenausstellung, die im Juli 2019 im Kulturausschuss vorgestellt wurden. Die Verwaltung schlägt jetzt vor, nur Einzelstücke zu zeigen und den Rest jederzeit zugänglich ins Internet zu stellen. Foto: Museumsreif
Das war der Vorschlag eines der drei Konzepte für eine Ofenausstellung, die im Juli 2019 im Kulturausschuss vorgestellt wurden. Die Verwaltung schlägt jetzt vor, nur Einzelstücke zu zeigen und den Rest jederzeit zugänglich ins Internet zu stellen. Foto: Museumsreif

Im Juli 2019 hatten drei Unternehmen Konzepte vorgestellt , wie sie sich eine Ofenausstellung der Holter Hütte vorstellen können. Die Holter Hütte (1842 bis 1966) gilt als Marke für den Schritt der Stadt in die Industrialisierung. Die Stadt hat eine Reihe von Öfen aufgekauft, die meisten sind von Günter Potthoff restauriert worden. Im Jahr 2017 ist der Förderverein Industriemuseum mit dem Aufbau eines Museums in der Alten Gießerei am Holter Schloss gescheitert, weil sich die Stadt aus Sicht des Fördervereins nicht ausreichend beteiligen wollte.

Sandra Langer vom Stadtmarketing hat vor Jahren Werbemittel der Stadt in der Ofenausstellung präsentiert. 

Sandra Langer vom Stadtmarketing hat vor Jahren Werbemittel der Stadt in der Ofenausstellung präsentiert.  Foto: Bernd Steinbacher

Die Stadtverwaltung regt an, die Ausstellung der Holter Öfen weitgehend ins Internet zu verlegen, dabei jedoch nicht gänzlich auf die althergebrachte Ausstellungsform zu verzichten. So könnten zum Beispiel in der Eingangshalle des Rathauses, den Räumen der Stadtwerke und vielleicht auch in den Heimathäusern, wo bereits heute mehrere Öfen ausgestellt sind, Einzelstücke aus der Sammlung effektvoll in Szene gesetzt werden.

„Diese wenigen, regelmäßig austauschbaren, öffentlich ausgestellten Öfen könnten als Türöffner zu einer weitergehenden Präsentation im Netz wirken. Wobei auch dabei gilt, weniger ist mehr. Die Problematik der Zugänglichkeit hätte sich damit erledigt. Das Internet ist jederzeit zugänglich“, so der Bürgermeister.

Wichtig wäre, die digitale Ausstellung auch im Stadtgebiet zu verorten. Dazu könnten an verschiedenen authentischen Orten beispielsweise QR-Codes oder Vergleichbares platziert werden, über die weitere Sachinformationen (von der Herstellung der Öfen bis hin zu aktueller Umwelt- und Klimaproblematik) abrufbar wären. Ergänzt durch kurze Filmsequenzen, zum Beispiel aus einer Eisengießerei, durch echte Ofengeschichten in authentischer Kleidung könnte ein umfassendes Bild der Geschichte der Holter Hütte erzählt werden. Die Nutzer wählen selbst, in welcher Intensität sie in die Informationen einsteigen möchten.

Eine Nutzung digitaler Möglichkeiten erweitert die erreichbare Zielgruppe enorm.

Bürgermeister Hubert Erichlandwehr

„Eine Nutzung digitaler Möglichkeiten erweitert die erreichbare Zielgruppe enorm, da die Öfen nicht nur für die meist älteren Personen, die diese vielleicht noch aus eigener Anschauung kennen, sondern grundsätzlich für eine deutlich größere, altersmäßig breiter aufgestellte Gruppe von Einwohnern, deren Gästen, durchreisenden (Rad-)Touristen und natürlich für die generell internet-affine jüngere Generation interessanter werden“, steht in der Verwaltungsvorlage.

Noch weiter gedacht, könnte die digitale Ofenausstellung in eine komplett virtuelle Stadtführung eingebunden werden. So entstünde ein nachhaltiges und zeitgemäßes Produkt, das Stadtverwaltung wie auch Bürger in vielfältiger Art nutzen könnten.

Zurzeit führen die Öfen ein Schattendasein im oberen Foyer des Rathauses. Die FDP-Fraktion hatte beantragt, im Zuge der geplanten Erweiterung des Rathauses eine Ausstellungsfläche für die Präsentation der Holter Öfen vorzusehen, die auch außerhalb der Öffnungszeiten des Rathauses zugänglich gemacht werden kann.

Öffnungszeiten ausreichend

Die Verwaltung hält es für ausreichend, dass die Öfen grundsätzlich von 8 bis 16 Uhr zugänglich sind, nach Voranmeldung sogar länger. Freitags ist das Rathaus bis 12 Uhr geöffnet, nach Rücksprache kann der Zugang bis einschließlich 15 Uhr ermöglicht werden. Manches kleinere Museum ist damit schwieriger zugänglich als das Rathaus. „Sollte der geplante Rathausanbau durch eine frei zugängliche Ausstellungsfläche ergänzt werden, ist in jedem Fall zusätzliches Aufsichtspersonals notwendig, ähnlich wie in der Ems-Erlebniswelt“, so Bürgermeister Hubert Erichlandwehr.

Die vorhandene Sammlung enthalte neben den Öfen Gegenstände, die problemlos als Waffe gegen andere Personen eingesetzt werden können. Selbst wenn die Öfen, Waffeleisen, Schürhaken oder Bügeleisen sämtlich in verschlossenen Ausstellungsvitrinen gezeigt würden, dürfe eine solche Sammlung nicht ohne Aufsicht zugänglich gemacht werden.

Bundesweit gibt es einige Ofensammlungen, die meist durch die eigentlichen Sammler selbst auf deren Privatgrund gezeigt werden. Die Verwaltung hält die Sammlung der Öfen für außerordentlich wertvoll für die Ortsgeschichte.

 

 

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